18.03.2020

Freiwillige organisieren sich für die Nachbarschaftshilfe

Nachbarschaftshilfe: Freiwillige besorgen Einkäufe, holen in der Apotheke die nötigen Medikamente oder hüten Kinder. Foto: zvg

Nachbarschaftshilfe: Freiwillige besorgen Einkäufe, holen in der Apotheke die nötigen Medikamente oder hüten Kinder. Foto: zvg

Von: Hanny Dorer

Solidarität: Der Coronavirus ruft nicht nur Angst und Unsicherheit hervor, sondern löst vielerorts eine wahre Welle der Solidarität aus. 

Eine Gruppe von inzwischen 90 Freiwilligen hat sich bereit erklärt, Menschen zu unterstützen, die sich wegen des Coronavirus in einer Notsituation befinden.

Ins Leben gerufen wurde die Gruppe von Romana Augstburger und Timo Grünenfelder. Die Empfehlung des Bundesrates, Menschen der Risikogruppe sollten öffentliche Orte meiden und Kinder sollten zur Betreuung nicht mehr zu den Grosseltern gegeben werden, stellt auch in Lenzburg viele Leute vor ein Problem.  Diesem Problem wollen die Initianten Abhilfe schaffen, indem sie Menschen im Raum Lenzburg, die Hilfe brauchen, mit  Freiwilligen zusammenbringen, die Hilfe leisten können.

Auslöser für die Idee war ein Post im virtuellen Schwarzen Brett in der Widmi. Darin bot eine Mieterin an, Leute der Risikogruppe beim Einkaufen zu unterstützen. «Ich fand diese Idee grossartig», erklärt Timo Grünenfelder. Als er dann noch einen Artikel über eine Whats-App-Gruppe in Bern las, war die Idee, ebenfalls eine solche Gruppe zu gründen, geboren. «Ich habe die neue Gruppe auf www.hilf-jetzt.ch registriert und im virtuellen Schwarzen Brett geposted. Die Resonanz war unerwartet gross», freut sich Grünenfelder. Innert kürzester Zeit traten der Gruppe 90 Mitglieder bei. Sie alle sind bereit zu helfen und warten jetzt auf Anfragen.

Da das Hilfsangebot noch sehr neu ist, fehlt es allerdings bisher an entsprechenden Gesuchen. «Wir haben deshalb einen Flyer erstellt, der leicht geteilt und von jedem ausgedruckt werden kann», erklärt Grünenfelder. 

Wem will man helfen?

Das Hilfsangebot richtet sich vor allem an Menschen der Risikogruppe, die ihr Heim nicht mehr verlassen sollten. Für sie werden Einkäufe oder Medikamente besorgt, Helfer fahren sie bei Bedarf mit dem Auto zum Arzt, damit sie nicht den öffentlichen Verkehr benützen müssen. Andere Helfer hüten die Kinder von erwerbstätigen Eltern, die ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken oder in die Obhut von Kindertagesstätten oder Grosseltern geben können. Ausserdem wurde die Hilfe diversen Organisationen wie Spitex, Pro Senectute, Samariterverein oder Altersheim angeboten. 

Obwohl ein Grossteil der Betroffenen im Seniorenalter ist, dürften sie von den Hilfsangeboten Kenntnis erhalten. Viele sind in einem Familienchat oder werden von Kindern oder Enkeln auf die Angebote aufmerksam gemacht. 

Das OK der WhatsApp-Gruppe

Inzwischen haben sich einige Freiwillige zu einem OK zusammengeschlossen. Diesem gehören, neben den bereits erwähnten Romana Augstburger und Timo Grünenfelder, auch Roman Schurter, Joana Enzler und Rafael Enzler an. Sie alle wohnen in Lenzburg und werden gemeinsam die Nachbarschaftshilfe organisieren. 

Um die angebotene Hilfe bekannt zu machen, wurden rund 8000 Flyer gedruckt, die seit gestern Mittwochnachmittag in Lenzburg verteilt werden. Auf den Flyern befinden sich zwei QR-Codes: «Ich möchte helfen» und «Ich könnte Hilfe gebrauchen». Mit dem Smartphone kommt man so direkt zu weiteren Informationen. 

Wer kein Smartphone besitzt, kann sich entweder per Mail an die Adresse info[at]corona-lenzburg.ch oder telefonisch an die Nummer 043 283 67 50 wenden und seinen Wunsch nach Hilfe anbringen. Ausserdem ist inzwischen die Webseite www.corona-lenzburg.ch in Betrieb.

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