18.03.2020

Wochenmarkt wurde von der Polizei geschlossen

Enttäuschung unter den Marktfahrern ist gross: Hanspeter Neuenschwander packt als Letzter sein Gemüse zusammen. Foto: Carolin Frei

Enttäuschung unter den Marktfahrern ist gross: Hanspeter Neuenschwander packt als Letzter sein Gemüse zusammen. Foto: Carolin Frei

Von: Carolin Frei

Lenzburg: Enttäuschte Kunden, verbitterte Verkäufer am Dienstagmorgen. Der traditionelle Wochenmarkt öffnete wie gewohnt um 7.30 Uhr seine Pforten, um dann kurz darauf wegen des schweizweiten Ausnahmezustands geschlossen zu werden.

Nichts ist mehr wie vorher. Der Bundesrat erklärte diesen Montag den Notstand bis zum 19. April. Das Wichtigeste aus dem Bundeshaus zusammengefasst: Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wie Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzert- und Theaterhäuser, Sportzentren, Schwimmbäder und Skigebiete werden geschlossen. Ebenso Betriebe, in denen das Abstandhalten nicht eingehalten werden kann, wie Coiffeursalons oder Kosmetikstudios.

Die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Waren des täglichen Gebrauchs ist sichergestellt, es sind genügend Vorräte angelegt. Lebensmittelläden, Take-aways, Lieferdienste für Mahlzeiten und Apotheken bleiben geöffnet, ebenso Tankstellen, Bahnhöfe, Banken, Poststellen, die öffentliche Verwaltung und soziale Einrichtungen. Auch Werkstätten für Transportmittel können geöffnet bleiben.

Lebensmittel ja, Markt nein

Diese Auflistung wirft allerdings Fragen auf. Märkte sind verboten, Lebensmittel zu verkaufen jedoch nicht. Was soll nun bei einem Wochenmarkt, der ausschliesslich Lebensmittel verkauft, mehr gewichtet werden? Die Sicherstellung von Gütern des täglichen Bedarfs oder das Verhindern von Menschenansammlungen, die wohl kaum zwei Meter Abstand einhalten könnten? Man darf gespannt sein, ob es aus Sicht der Behörden gerade für Gemüse- und Früchtemärkte eine Anpassung braucht.

Um 10 Uhr ist alles vorbei

Und so erstaunt nicht, dass die Regionalpolizei am Dienstagmorgen von Amtes wegen einschreiten und den Wochenmarkt schliessen musste. «Wie soll ich nun mein Gemüse loswerden? Ich verkaufe es nur über diesen Kanal», klagt Marktfahrer Hanspeter Neuenschwander. «Ich bin zudem extra um 3 Uhr aufgestanden, um Brot für den Markt zu backen.» Sagts und macht sich schweren Herzens daran, seine Ware zusammenzupacken. Er muss sich sputen, um 10 Uhr schliesst die Polizei den Raum. 

Alles dicht, aber es gibt Lichtblicke

«Geschlossen» präsentieren sich auch die übrigen Geschäfte in der Altstadt. In der Rathausgasse hängen überall Zettel mit dem Hinweis, dass der Laden, das Restaurant bis auf weiteres geschlossen bleibe. Ein paar wenige Ausnahmen gibts – und das tut gut zu sehen. So hat etwa die Kaffeebrennerei Don Camillo ihre Aktivitäten nach draussen verlagert. «Take-away ist erlaubt. Deshalb brauen wir den Kaffee zum Mitnehmen auf dem Wagen vor unserem Geschäft», sagt Marco Briotti. Bei dieser Gelegenheit können die Kunden auch gleich ihren bestellten, frisch gerösteten Kaffee mitnehmen. 

Eine ideale Lösung für einen autonomen Einkauf mit «offenem Zeitfenster» hat das Team von Blumenimpression bereits vor einem Jahr gefunden. Einfach seine Lieblingsblumen wählen, über den Strichcode den Preis erfahren und bargeldlos berappen. Allerdings sind die Pflanzen nur noch draussen vor der Ladentüre. Kreativität ist mehr denn je gefragt – aber natürlich nicht in jeder Branche auch umsetzbar.

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