Stadt Lenzburg
12.02.2020

Im Fluss elektronischer Klänge

<em>Erzählt mit Musik ganze Geschichten:</em> Die Musik von Alexander Wildi alias Pablo Color bewegt sich zwischen Unterhaltung und Kunst. Foto: zvg

Erzählt mit Musik ganze Geschichten: Die Musik von Alexander Wildi alias Pablo Color bewegt sich zwischen Unterhaltung und Kunst. Foto: zvg

Multiinstrumental Der Lenzburger Musiker Alexander Wildi alias Pablo Color schafft sphärisch experimentelle Klangskulpturen an den Grenzen von Pop, Elektronik und Avantgarde – im Sommer kommt seine neue EP (Extended Play) heraus.

Von: Stefanie Osswald

Er gehört zu den Menschen, die nicht altern. Und so scheint es auch seiner Musik zu gehen. Pablo Colors Klanggestalten haben etwas jugendlich Geschmeidiges. Sie fügen sich ein, schliessen die Ritzen zwischen den musikalischen Kategorien und Funktionen. Es gibt keine Ecken und Kanten in dieser Musik, keine Furchen und Falten, nur Rundungen und Glättungen. Alles fliesst dahin.

Ganz laut lässt sich diese Musik hören, voluminös alles ausfüllen; oder so leise, dass sie nur im Unterbewusstsein wahrgenommen wird – der Effekt ist derselbe.

Denn ihr Urgrund ist der Dreiklang in gleichschwebender Temperatur, überlagert von immer neuen, elektronisch erzeugten Klangfarben, äusserlich paradiesisch schimmernd, inwendig das alte Lied der naturgegebenen Obertonreihe singend. Wildis Musik klingt nach innen, entfaltet ihre subtile Wirkmacht in der Tiefe und gräbt sich derweil unbemerkt ins Unterbewusstsein.

Musikalische Bilder

Elektronische Klänge zeichnen Atmosphäre, verschwimmen mit analogen Gitarren- und Keyboardsounds zu Farben, Schatten und Formen. Mit bewusster Vermeidung formaler und harmonischer Reduziertheit und kontinuierlicher Vermeidung störender Spannungsbögen wird Klang zu einem permanenten musikalischen Kontinuum, das erweiterte Zeitbegriffe schafft.

Wildis Musik ist bereits cineastisch, bevor sie sich über ihre Bilder gelegt hat. Unaufgeregt beschreiben sie einzelne Szenen, erzählen Geschichten, wenn man ihnen folgt und sie nicht vorbeirauschen lässt.

Sie kommt aus dem Nichts, plötzlich ist sie da und hüllt alles ein, bringt ihre Bilder zum Sprechen. Schliesslich will man immer mehr davon, bis die Geschichte vorbei ist.

Minimalistisch, formlos und voller Gefühl. So könnte man Wildis musikalischen Input in Worte fassen. «Gefühl ist mir wichtiger als Musik», provoziert Wildi. Was er meint, ist klar: Es seien nicht die Menge und die Präsenz des Klangs, die Musik spürbar werden lassen. «Mich interessieren vor allem die Pausen, die Stille, die Momente dazwischen. Musik ist für mich nur ein Instrument, um Platz und Raum zwischen den Tönen zu schaffen.»

Stilistisch bewegt sich Wildis Musik an den Grenzen zwischen Unterhaltung und Kunst, verweigert die Einordnung in klassische Kategorien und folgt durch furiosen Minimalismus und der Auflösung jeglicher Form der Ästhetik avantgardistischer Strömungen.

Man fühlt sich zeitweise gar erinnert an Michael Nymans «minimal music», eine in den 60er Jahren in den USA entstandene Strömung innerhalb der neuen Musik, zu deren Vertreter unter anderen auch die namhaften Komponisten Steve Reich und Philipp Glass zählen.

Mit seiner neuen EP vervollständigt der Lenzburger Multiinstrumentalist mit chilenischen Wurzeln seine Trilogie mit den bisherigen Titeln «Viajando» und «La Calle Roja».

Der Titel seiner neusten EP bleibe jedoch bis zum Erscheinen noch unter Verschluss, schmunzelt Wildi. Fans minimalistischer Sounds dürfen also gespannt bleiben.

Spotify: open.spotify.com/artist/1XkinBy0bOH1Jxy2MhwMB9 BANDCAMP: Kontakt: pablocolor.bandcamp.com

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