Stadt Lenzburg
04.09.2019

Schlagzeuger und Schauspieler

<em>Multimediales, interdisziplinäres Konzert:</em> Luca Borioli mit «Visual Percussion» im Stapferhaus im Rahmen der MBL. Foto: Frank Studer

Multimediales, interdisziplinäres Konzert: Luca Borioli mit «Visual Percussion» im Stapferhaus im Rahmen der MBL. Foto: Frank Studer

Musik Mit seinem Programm «Visual Percussion» im Rahmen der Musikalischen Begegnungen Lenzburg (MBL) inszenierte Schlagzeuger Luca Borioli ein performatives Konzert, das Grenzen zwischen Musik und Theater sprengte.

Stefanie Osswald

It is time that makes music. Patience. Punctuality. Try again», dröhnt eine Frauenstimme aus den Lautsprechern im an diesem Abend mit Elektronik und Schlaginstrumenten gefüllten Ausstellungsraum des neuen Stapferhauses Lenzburg.

Der Befehl vom Tonband gilt dem auf der abgedunkelten Bühne verharrenden Musiker mit den zwei Becken. Bemüht und vor seinem Publikum blossgestellt versucht er, den Anweisungen zu mehr Genauigkeit, Pünktlichkeit, Schnelligkeit und Perfektion zu folgen. Doch zufrieden ist man nicht. Nie. Die Ansprüche sind hoch. Der Beckenspieler resigniert und lässt trotzig seine Becken ineinanderscheppern. Ein sarkastischer Nachklang.

Höchste Konzentration verlangt

Bereits 2018 brachte Borioli «Visual Percussion» in neun Konzerten auf die Bühne. Das Konzept ist originell: Das Programm enthält zeitgenössische Stücke an der Schnittstelle von Musik, Theater, visueller Darstellung und Pantomime. Der Einsatz von Elektronik, Video, Tape und Lichteffekten verlangt dem Spieler in jedem Moment höchste Konzentration ab.

«Die Stücke sind nicht nur technisch extrem anspruchsvoll. Die besondere Herausforderung ist die perfekte Synchronisation mit dem Tape sowie die theatralische Darbietung. Der Schlagzeuger wird gleichzeitig zum Schauspieler, der rezitiert, spielt und tief in die musikalische Trickkiste greift. Und nicht zuletzt ist er live auch noch Lichttechniker», erklärt Multi-Perkussionist und Solo-Performer Borioli. «Visual Percussion» ist ein multimediales, interdisziplinäres Konzert mit Schlaginstrumenten und anderen unerwarteten Objekten.

Zu sehen gab es einiges: Stücke für sechs Feuerzeuge und einen Spieler fanden ebenso einen Platz im durchweg originell konzipierten Programm wie Werke für Maracas und Elektronik und andere ungewöhnliche Instrumente. In «Silence must be» des Komponisten Thierry De Mey karikiert der Darsteller durch Körpereinsätze humorvoll und ohne Worte einen Dirigenten.

In «Visual Percussion» experimentiert Borioli mit neuen Formen musikalischer Darbietung. Dabei zählen nicht Perfektion oder reibungslose Abläufe. Im Gegenteil: Das Spiel mit der Unvorhersehbarkeit ist Programm. Borioli spielt mit dem Zufall, provoziert aleatorische Momente und wird selbst zum Reakteur seiner Technik, die derweil ungehindert ihr ganz eigenes Programm abspult.