Stadt Lenzburg
12.06.2019

Auf den Spuren von Walo von Greyerz

Vor dem Gedenkstein von Walo von Greyerz: In akribischer Fleissarbeit hat sich Willi Bürgi in die Geschichte des Lenzburger Waldes eingearbeitet. Foto: Alfred Gassmann

Vor dem Gedenkstein von Walo von Greyerz: In akribischer Fleissarbeit hat sich Willi Bürgi in die Geschichte des Lenzburger Waldes eingearbeitet. Foto: Alfred Gassmann

Waldwirtschaft Die Betriebskommission der Forstdienste Lenzia befasste sich an ihrer diesjährigen Waldbereisung mit der Geschichte der umliegenden Wälder. Eine massgebende Rolle spielte dabei Walo von Greyerz.

Alfred GAssmann

Stadtoberförster Frank Haemmerli und der Vizepräsident der Betriebskommission Forstdienste Lenzia, Willi Bürgi, nahmen alle Kommissionsmitglieder, die Mitarbeiter der Forstdienste Lenzia sowie eine illustre Gästeschar mit in den Bergwald. Die diesjährige Waldbereisung galt dem Thema «Waldwirtschaft gestern und heute».

Willi Bürgi schöpfte bei seinen Ausführungen aus dem Vollen. Nicht verwunderlich, hatte er doch in einer Fleissarbeit bis im vergangenen Februar die Geschichte des Lenzburger Waldes neu aufgearbeitet, die Frank Haemmerli mit Schriften und Plänen aus dem Forstarchiv Lenzia ergänzte. Mitten drin im geschichtlichen Ablauf Walo von Greyerz, ein Spross der nach Bayern ausgewanderten Familie Gottlieb von Greyerz.

Vater Gottlieb diente als Kreisforstinspektor in Augsburg. Sohn Walo selber war mehrere Jahre als Artillerieleutnant in bayrischen Diensten. Doch er wollte Forstmann werden und erlernte den Beruf vermutlich bei seinem Vater und bei bekannten Persönlichkeiten von ihm.

Nach den zwei Stellen in Pfäfers und in Büren an der Aare wählte ihn der Stadtrat zum Forstverwalter von Lenzburg. Im Herbst 1847 legte das Floss mit dem Hausrat in der Au an. Mit Ross und Wagen zog die junge Familie in Lenzburg ein.

50 Jahre Forstverwalter

Friedrich Karl Walo von Greyerz hatte den Auftrag, den damals übernutzten Lenzburger Wald wieder zu beleben. Er ging pioniermässig ans Werk und verschaffte sich gleich Respekt und Ansehen. Er teilte die Wälder im Berg, Lütisbuech, Länzert und Lind/Boll in 35 Abteilungen ein. Die Waldbereisung führte querwaldein in die Abteilung 18 mit einer Fläche von rund 11 Hektaren. Diese Abteilung in der Grösse von 15 Fussballfeldern wurde 1853 gerodet und alle Wurzelstöcke eingesammelt. Anschliessend liess von Greyerz den Boden tief auflockern und frische Setzlinge schnurgerade in Reihen stecken. Dazwischen gedieh Getreide oder wuchsen Kartoffeln. Jedes Jahr erfolgte eine solche Rodung und innert zehn Jahren war der ganze Lenzburger Berg kahl geschlagen. Allein für den Berg wurden 900000 Setzlinge benötigt. Aus verschiedenen Gründen führte er diese Kahlschläge im Lütisbuech nicht durch.

Gedenkstein besucht

Walo von Greyerz starb 1904 im Alter von 89 Jahren und ist auf dem Friedhof Lenzburg beigesetzt. Der frühere Stadtoberförster Niklaus Lätt unterstützte die Idee, den Grabstein mit dem Kranich auf rotem Grund als Gedenkstein im Berg aufzustellen und bestimmte den Standort. Der Stein erinnert an das vielseitige und unermüdliche Wirken von Walo von Greyerz, der in seinem Leben neben grossen Erfolgen von Rückschlägen nicht verschont blieb. Der Weg zum Schlusstrunk beim Fünfweiher führte an Brunnstuben vorbei und sogar in die Welt der Sagen. Obwohl alle Teilnehmenden die Ohren spitzten, machte sich der Brunnenpflotschi, der Schreck aller Brunnenmeister und Bannwarte, in keiner Brunnstube bemerkbar. Nur allzu gerne hätten die Waldbereisenden die gruusige Kröte mit den glühenden Augen gesehen oder zumindest gehört.