Stadt Lenzburg
23.01.2019

224-lagige Messerklingen schmieden

<em>In der Werkstatt am Mattenweg 28:</em> Der Kunstschmied Ueli Schneider formt die sieben glühenden Stahlplättchen eines künftigen Messers. Foto: Alfred Gassmann

In der Werkstatt am Mattenweg 28: Der Kunstschmied Ueli Schneider formt die sieben glühenden Stahlplättchen eines künftigen Messers. Foto: Alfred Gassmann

Handwerk Ueli Schneider setzte Windfahnen und Wahrzeichen. Nun ist er aus Altersgründen von den Schloss- und den Kirchendächern heruntergestiegen. Doch Ueli Schneider arbeitet weiter mit Feuer und Flamme.

Alfred Gassmann

Eine Schulterverletzung zwang Ueli Schneider vorübergehend, Arbeiten mit schweren Gewichten liegen zu lassen. Der Kunstschmied suchte sich in seiner Werkstatt am Mattenweg 28 in Lenzburg neben leichteren Schmiedearbeiten ein neues Tätigkeitsfeld. Selber einmal ein Messer herstellen hat ihn schon lange gereizt.

«Probieren geht über Studieren.» Ohne Vorkenntnisse hat er sich in die Materie eingearbeitet. Ueli Schneider erhitzt sieben übereinandergeschichtete Stahlplättchen aus Eisen und solche mit Mangan- und Nickelanteilen mit den Abmessungen von neun auf drei Zentimetern mit einer Dicke von je fünf Millimetern bei rund 1200 Grad am lodernden Feuer in der Esse. Im beinahe flüssigen Zustand werden diese mit dem Hammer auf dem Amboss geschlagen und so miteinander verbunden. Für die weitere Bearbeitung benutzt Ueli Schneider den «mechanischen Hammer», eine 100-jährige Maschine, und streckt damit die Eisenstücke in die doppelte Länge. Dieses Vorgehen wird fünfmal wiederholt, indem der «Stab» immer wieder auf der Hälfte eingekerbt und zusammengefaltet wird.

Schliesslich wird das Stahlstück in die Form eines Messers gebracht und die 224-lagige Klinge wird geschliffen, gehärtet, poliert und geätzt. Durch die Ätzung im Schwefelbad wird die Maserung sichtbar.

Messer als Kultgegenstände

Ueli Schneider tüftelt immer weiter und sammelt laufend neue Erfahrungen. Er hat bereits über 40 Messer hergestellt, jeweils mit einem Griff aus Holz. Der Kunstschmied versteht eben nicht nur mit Stahl und Blech umzugehen. Für den Griff wählt er Holz von Robinien und Eiben und mit Vorliebe solches von Zwetschgen- und Kirschbäumen.

«Hinter jedem Messer steckt eine eigene Geschichte», erwähnt Ueli Schneider und bezeichnet seine Messer zu Recht als Kultgegenstände: Keines ist vergleichbar mit dem andern.

Ueli Schneider schwebt vor, in seiner Werkstatt Kurse für das Herstellen von Messern anzubieten. Wohin sein Weg mit Feuer und Flamme noch führen wird, bleibt offen.