Stadt Lenzburg
14.11.2018

Literatur im Wohnzimmer

<em>Liest am Sonntag auf Binggelis Sofa:</em> Mundart-Virtuose Dominic Oppliger.Foto: Daniel Drognitz<em>Logo Sofalesungen</em>

Liest am Sonntag auf Binggelis Sofa: Mundart-Virtuose Dominic Oppliger.Foto: Daniel Drognitz

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Lesung «Sofalesungen» bringt Literatur nach Hause. Das schweizweite Pilotprojekt bringt lesende und schreibende Menschen jenseits der Literaturhäuser zusammen, ganz ohne Firlefanz. Am kommenden Sonntag sind Sabina und Edy Binggeli aus Lenzburg Gastgeber.

Stefanie Osswald

Bereits im November 2015 lancierte der Verein Sofalesungen ein dreijähriges Pilotprojekt in grösseren Schweizer Städten wie Zürich, Basel, Winterthur, aber auch Stans, Kriens und Lenzburg.

Gegen die Anonymisierung

Mit dem Format Sofalesungen halten die Initiatoren der zunehmenden Anonymisierung des Kulturbetriebs etwas entgegen: In Zeiten in denen sich das Publikum in grossen Häusern im Dunkel des Scheinwerferlichtes verstecke, fehle der persönliche Bezug zum Werk und zum Autor. Die Stilisierung der Bühne schaffe Distanz, die es zu überwinden gelte.

Unterstützt durch den Migros-Förderfonds «Engagement» sowie durch die Partner, die Literaturhäuser Lenzburg, Basel, Zürich und Zentralschweiz, sollen die Sofalesungen das Publikum abseits der Literaturhäuser ansprechen und in kleinem Rahmen und vertrauter Atmosphäre einen neuen Zugang zur Literatur ermöglichen.

«Die öffentlichen Lesungen in privaten Räumen sind persönlich, originell und unkonventionell. Sie finden statt in Schrebergärten, WG-Wohnzimmern, Ateliers oder Hinterhöfen. Das kuratierte Programm präsentiert Autoren aus der Schweiz und von anderswo mit speziellem Fokus auf überzeugende Prosa-Debüts. Die Gastgeber sind Leute wie Du und Ich, leidenschaftliche oder verhinderte Leser, Professoren oder Müllmänner. Durch den direkten Kontakt zwischen Autoren und Publikum entsteht eine einzigartige Atmosphäre», erklärt die Projektverantwortliche des Kantons Aargau Selina Hauswirth.

Debüt von Dominic Oppliger

Mit seiner Novelle «acht schtumpfo züri empfernt» debütiert der junge Autor und Mundart-Virtuose Dominic Oppliger am kommenden Sonntag zu Hause bei den Gastgebern Sabina und Edy Binggeli am Lindenplatz in Lenzburg.

Oppliger wurde 1983 in Schlieren geboren; er ist im Aargau aufgewachsen und lebt in Zürich. Er ist Musiker, Autor, Vater und Gärtner. Er studierte Soziale Arbeit und absolvierte den Master in Transdisziplinarität an der Zürcher Hochschule der Künste und konzentriert sich seither auf das Performen und Schreiben in Dialekt.

Er sitzt auf einem Betonblock in deiner Stadt, acht Stunden von Zürich entfernt und wartet tränenüberströmt auf eine Frau. Er erzählt die Geschichte dahinter, in der eine violette Hose zum roten Faden wird. Das klingt klassisch. Ist es aber nicht. Denn schon der Titel seiner Novelle verrät: Da wird mit Form und Klang des Schweizerdeutschen gespielt. Sein Text erstrahlt in mündlichstem Zürideutsch und ist gar nicht so einfach zu entschlüsseln. «aberichweisno.dasi ide metamorfose fom owid gläse han untasisch zum teil en zimliche chrampf xi. abr wämmers mal enzifferet hätt dänn sinebe schono gueti gschichte.» So auch Oppliger: Wer sich auf eine Geschichte einlässt, wird sich in eine Geschichte hineingeben, die einen so schnell nicht mehr herauslässt.

Sofalesung zu Gast bei Sabina und Edy Binggeli. Sonntag, 18. November, um 19 Uhr, am Lindenplatz 13 in Lenzburg. – Moderation: Anna Papst. – Eintritt: 12/8 Franken. – Als Gastgeber der Sofalesungen kann sich jeder melden unter: info@sofalesungen.ch.