Stadt Lenzburg
03.10.2018

Lenzburg mit allen Sinnen

<em>Frischer und zeitgemässer Empfang:</em> Der Eingangsbereich des neuen Museums Burghalde in Lenzburg. Foto: Simon von Gunten<em>Neue Zugänge geschaffen:</em> Museumsleiterin Christine von Arx und Landammann Alex Hürzeler im «Forum». Foto: André Albrecht

Frischer und zeitgemässer Empfang: Der Eingangsbereich des neuen Museums Burghalde in Lenzburg. Foto: Simon von Gunten

Neue Zugänge geschaffen: Museumsleiterin Christine von Arx und Landammann Alex Hürzeler im «Forum». Foto: André Albrecht

Museum Burghalde Endlich. Die lange Planungs- und Bauphase ist abgeschlossen. Das alte Heimatmuseum ist Geschichte. Am letzten Samstag öffnete das neue Museum Burghalde Tür und Tor für das breite Publikum und präsentiert sich in konzeptionell zukunftsträchtigem Gewand.

Stefanie Osswald

Betritt man den Eingang des neuen Museums Burghalde, dauert es nicht lange und man ist mit allen Sinnen eingetaucht in eine museale Welt, in der die Zeit nicht stillzustehen scheint.

Begleitet durch visuelle Animationen, ansprechend arrangierte Exponate, interaktive Stationen rund um die regionale Historie und Professor Wiesel, begeben sich kleine und grosse Museumsbesucher auf eine chronologisch geführte Zeitreise durch das historische Gedächtnis Lenzburgs.

Steinzeit bis Industrialisierung

Als Mehrspartenhaus zeigt das Museum Burghalde in seinen Dauer- und Sonderausstellungen ein gewaltiges Spektrum vom Beginn der Steinzeit bis hin zur Industrialisierung.

Zu sehen sind auf vier Etagen unter anderem ansprechend inszenierte archäologische Steinzeitreliquien aus dem Seetal und der Region Lenzburg, eine Sammlung konservatorisch seriös aufbereiteter Urkunden und Schriftstücke zur Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen bis hin zur eindrücklich exponierten Sammlung russischer Ikonen aus ehemaligem Privatbesitz von Professor Urs Peter Haemmerli.

Frisch, modern und zeitgemäss präsentiert sich das neue Museum Burghalde und verlässt unverkennbar die verstaubten Pfade des seit 1985 praktisch unverändert gebliebenen Heimatmuseums Lenzburg mit einer baulich sowie inhaltlich konzeptionellen Neuinszenierung des einstigen Landgerichtsgebäudes aus dem 17. Jahrhundert.

Während mehrerer Jahre intensiver Zusammenarbeit kreieren der auf Restauration von Baudenkmälern spezialisierte Architekt Benedikt Graf und der Szenograf und Innenarchitekt Martin Birrer unter sicher führender Hand der seit 2011 im Amt der Museumsleiterin beheimateten Historikerin Christine von Arx neuen Lebensraum für unzählige Exponate aus rund 15000 Jahren regionaler Menschheitsgeschichte und befreien als Spezialisten ihres Fachs die maroden Pfeiler des historischen Fachwerkgebäudes von ihrem verstaubten Gewand.

Trotz einiger wohl eher wehmütiger als kritischer Stimmen, durch die radikale Modernisierung habe das einst als vertraut heimelig empfundene Heimatmuseum einen Grossteil seines Charmes eingebüsst und zu dessen Entfremdung beigetragen, erfreut die Umgestaltung allseits berauschender Resonanz.

«Einfach sensationell», strahlt die Lenzburgerin Isabell Hiltbrunner. «Das Heimatmuseum hat sich zu einem urbanen Museum gemausert und darf nun mit dem Landesmuseum konkurrieren. Früher war es doch nur ein Heimatmuseum mit einer fast unüberschaubaren Fülle ausgestellter Objekte. Die Fokussierung auf wesentliche Exponate ermöglicht nun ein verständlicheres Bild der historischen Zusammenhänge. Der Spur von Professor Wiesel zu folgen, ist zudem für Kinder eine tolle Möglichkeit, Geschichte spielerisch zu erfahren.

Universen zwischen Alt und Neu

«Zwischen dem alten und dem neuen Museum liegen Universen. Ganz besonders gefällt die baulich sehr ästhetische Kombination von Alt und Neu. Das Gebäude hat das alte Flair nicht verloren, im Gegenteil», betonen Oliver Daepp und Christian Stenz aus Muri, die im Rahmen des Zivildienstes bei den Umbau- und Restaurierungsarbeiten halfen: «Interaktive Momente, der Einsatz von Film und Toneinspielungen sowie die Möglichkeit, Materialien zu betasten, laden zu einem selbstbestimmten und lehrreichen Rundgang, der alle Sinne anspricht und Lust macht auf weitere Besuche in Lenzburg.»

Als Spiegel des aktuellen Zeitgeistes erfüllt das neue Konzept des Burghaldenmuseums alle Ansprüche an ein zeitgemässes Museum im Sinne der bewegten Historie einer sich stets weiterentwickelnden Stadt.

 

 

Kantonaler Kulturdirektor zeigt sich beeindruckt

Offizielle Eröffnung Einen Tag vor der Bevölkerung konnten geladene Gäste das neue Museum Burghalde besichtigen. Landammann Alex Hürzeler war vom Gesehenen angetan. In seiner Rede an der offiziellen Eröffnungsfeier zeigte er sich «enorm beeindruckt». In einer Zeit, in der das «Anschauen hinter Glaswänden nicht mehr gefragt» sei, habe die «Burghalde» einen «grossen Sprung nach vorn» gemacht und ermögliche so den Besuchern viele neue Zugänge zur historischen Materie.

Der kantonale Kulturdirektor beglückwünschte Lenzburg zum neuen Anziehungspunkt. «Es ist aussergewöhnlich, dass eine Stadt dieser Grössenordnung ein solches Museum besitzen kann.» Und im Hinblick auf die nächste grosse Einweihung in diesem Monat, diejenige des Stapferhauses am Bahnhofplatz, ergänzte Hürzeler: «Der Kanton Aargau weiss, was er kulturell mit der Stadt Lenzburg hat.»

Er sei «stolz und glücklich», sagte Stadtammann Daniel Mosimann, der hier zudem als Präsident der Baukommission gewirkt hatte: «Wir finden hier 15000 Jahre auf kleinstem Raum, wobei wir die Geschichte für alle Sinne erlebbar gemacht haben.»

Der Umbau kostete 6,7 Millionen Franken; 4,5 Millionen davon stammen von den Lenzburger Ortsbürgern. (tf)