Stadt Lenzburg
24.11.2021

In 100 Jahren nie Langeweile verspürt

Mit 99 ins Alterszentrum gewechselt: Die mittlerweile 100-jährige Klara Stücheli. Foto: zvg

Mit 99 ins Alterszentrum gewechselt: Die mittlerweile 100-jährige Klara Stücheli. Foto: zvg

Geburtstag Im Kreis ihrer Familie feierte Klara Stücheli am letzten Samstag im Alterszentrum Obere Mühle in Lenzburg ihren 100. Geburtstag.

Von: Fritz Thut

Nach einem Unfall wechselte Klara Stücheli erst im letzten Jahr von ihrer Wohnung an der Vorstadt ins Alterszentrum. Dort hatte sie über 70 Jahre gelebt. Als gebürtige Thurgauerin war sie 1949 via Baden nach Lenzburg gekommen.

Nur kurzer Aufenthalt geplant

Bei der Feier zum 100. Geburtstag mit ihrer Familie im Alterszentrum Obere Mühle (AZOM) erinnerte sich die Jubilarin noch genau, dass sie sich damals nicht zwingend auf einen langen Aufenthalt eingerichtet hatte: «Damals wurden gewisse Schachteln erst gar nicht ausgepackt.» Doch es kam anders: Im Jahre 1950 kam eine Tochter zur Welt; das erste von total sieben Kindern. Heute leben davon noch fünf und allesamt waren sie am letzten Samstag ums Bett ihrer Mutter versammelt.

Eine stadtbekannte Wirtin

In der Stadt Lenzburg wurde Klara Stücheli bekannt als Wirtin. Zusammen mit ihrem Mann, der zudem bei der Weinhandlung Büchli arbeitete und im Jahr 2011 verstorben ist, führte sie das Restaurant Vorstadt. Die Konkurrenz war da gross, auf engstem Raum gab es nicht weniger als fünf Gasthäuser.

Das «Vorstädtli» war dabei eine typische Quartierbeiz. «In Lenzburg wurde sie als ‹Tschinggebeiz› bezeichnet», sagt Sohn und Stadtrat Martin Stücheli. Mutter Klara konnte es mit allen Gästen gut, auch mit den Gastarbeitern, die zuerst aus Italien, später auch aus Spanien und Portugal kamen. Das Eingehen auf die verschiedenen und verschiedenartigen Wirtshausbesucher zeichnete die Wirtin aus. «Man muss mit allem und allen ‹z Rank cho›», so eine ihrer träfen Weisheiten.

Später expandierten die Stüchelis ins benachbarte «Alte Landgericht», wohin sie das Wirtepatent transferierten. Zuerst wurde die Eckliegenschaft von den Ortsbürgern im Baurecht übernommen und ausgebaut, später gekauft. Hier an der Vorstadt blieb Klara auch nach ihrer Zeit als Wirtin wohnhaft. «Man bleibt einer Sache schliesslich treu», verrät sie einen weiteren Lebensgrundsatz.

Gedichte rezitieren

Nach ihrer Pensionierung sei Klara Stücheli gern gereist: «Mir ist nie langweilig gewesen», blickte sie an der Geburtstagsfeier zurück.

Wie vif ihr Geist geblieben ist, zeigt sich, als die Jubilarin auf Stichwort Gedichte zu rezitieren beginnt. Als sie stecken bleibt, tröstet sie sich selbst: «Man wird halt vergesslich mit dem Alter.»