Stadt Lenzburg
03.02.2021

Flüchtige Sonnensegel

Der Künstler und sein jüngstes Werk: Der Lenzburger Khalil Berro vor «Solar Sail». Foto: zvg
Seziert die Umwelt: Khalil Berro. Foto: zvg

Der Künstler und sein jüngstes Werk: Der Lenzburger Khalil Berro vor «Solar Sail». Foto: zvg

Der Künstler und sein jüngstes Werk: Der Lenzburger Khalil Berro vor «Solar Sail». Foto: zvg
Seziert die Umwelt: Khalil Berro. Foto: zvg

Seziert die Umwelt: Khalil Berro. Foto: zvg

Kunst Der Lenzburger Künstler Khalil Berro ist mit 17 Jahren der jüngste bildende Künstler der Schweiz. Seine Installation «Solar Sail» ist mit 500 Quadratmetern Fläche die grösste zurzeit laufende Kunstaktion im Land.

Von: Stefanie Osswald

Leise blitzen die Sonnensegel im Meer des dichten Schneegestöbers. Aus der Ferne bleibt derweil nur ein Schein des Unerwarteten. Nähert man sich dem unidentifizierbaren Funkeln inmitten der Landschaft, wird erkennbar: Dies ist etwas Aussergewöhnliches.

Mit einer Fläche von 500 Quadratmetern ist «Solar Sail», übersetzt Sonnensegel, die grösste Kunstaktion der Schweiz und macht Interaktionen zwischen Menschen und der Natur unmittelbar sichtbar.

Auftauchen und verschwinden

Sie besteht aus unzähligen Rettungsdecken, die mit kleinen mit Wasser gefüllten Beuteln auf dem Erdboden befestigt werden, auf diese Weise mit ihrer silbernen Oberfläche das wandernde Sonnenlicht reflektieren und Teile der Landschaft in glänzende Flächen verwandeln.

«Solar Sail» taucht auf und verschwindet. Flüchtig und ohne Ankündigung. Irgendwo und irgendwann in der Region. «Wann und wo es ‹Solar Sail› zu sehen gibt, wird nicht verraten», erzählt Khalil Berro.

Nur eines sei verraten: In den nächsten Monaten werden einige der Installationen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten in der Region und in der gesamten Schweiz auftauchen.

Der jüngste Künstler der Schweiz

Khalil Berro ist Künstler. Und mit seinen 17 Jahren der jüngste bildende Künstler der Schweiz. Seine Wurzeln hat der im «Storchennest» Lenzburg geborene Schüler im Libanon, dem Heimatland seines Vaters.

Berro ist zweisprachig (arabisch und schweizerdeutsch) aufgewachsen; er schaut stets über den Tellerrand jenseits der Alpen. Reisen in den Libanon gehören ausserhalb von Corona zum Üblichen.

In der Schule, so Berro, sei seine Kunst kein Thema. «Ich versuche diese beiden Welten voneinander zu trennen.» Morgens noch die Schulbank gedrückt, verschwindet Berro dann zur Arbeit in seinem Atelier im fünften Stock des Wisa-Gloria-Areals.

Zurzeit absolviert der Jugendliche eine Ausbildung zum «Interactive Mediadesigner» an der ETH. Als Künstler möchte er weltweit arbeiten und pflegt bereits jetzt internationale Netzwerke. Eine Ausstellung in Südkorea musste coronabedingt verschoben werden. Eine Ausstellung seiner Werke im Alten Gemeindesaal Lenzburg, gefördert durch die Kulturkommission, ging kürzlich zu Ende.

Obsessive Leidenschaft

Berro interessiert das, was nicht sichtbar ist. Mit beeindruckend analytischem Feinsinn und gar obsessiver Leidenschaft für das Künstlerische seziert Berro seine Umwelt, studiert die Menschen, die Natur und ihre Systeme mit unerschütterlichem Selbstvertrauen, um sie in seiner Kunst zu sinnhaften Komplexen zusammenzufügen, stets ohne dabei den unternehmerischen Blick zu verlieren.

Khalil Berro ist ein junger Künstler, dessen Weg es sich zu verfolgen lohnt.

Informationen zu Khalil Berro und seinen Projekten gibt es unter www.khalilberro.com