03.09.2020

Zukunft der Schulpflege ist offen

Diskutierten über die Abschaffung der Schulpflege: Rolf Jäggi und Kathrin Scholl auf der Pro-Seite, Maya Bally und Urs Wiederkehr dagegen. Foto: Fritz Thut

Diskutierten über die Abschaffung der Schulpflege: Rolf Jäggi und Kathrin Scholl auf der Pro-Seite, Maya Bally und Urs Wiederkehr dagegen. Foto: Fritz Thut

Von: Fritz Thut

Podiumsdiskussion: Sollen im Aargau die Schulpflegen abgeschafft werden? Darüber entscheidet das Stimmvolk Ende Monat. An einer Podiumsdiskussion in der Lenzhard-Aula kreuzten Pro und Kontra die Klingen – ohne klaren Sieger.

Am 27. September geht es an der Urne um die «Neuorganisation der Führungsstrukturen der Aargauer Volksschule». Verfassung und Schulgesetz sollen so angepasst werden, dass es ab 2022 keine Schulpflegen mehr braucht. Dies die Intention von Regierung und Parlament.

Doch in der Bevölkerung scheint die Sache längst nicht so klar. Zahlreiche Schulpfleger wehren sich vehement gegen ihre Abschaffung. Die Pro- und Kontralager verlaufen dabei quer durch Parteien, Organisationen und Familien. Um Interessierten zu einer zusätzlichen Meinungsbildung zu verhelfen, veranstaltete der Bezirksverband Lenzburg der Aargauischen Schulpflegepräsidenten in der Aula des Oberstufenzentrums Lenzhard eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema.

Je zwei Befürworter und Gegner der Schulneuorganisation präsentierten unter der Gesprächsleitung von Jürgen Sahli ihre Argumente. Gegen den Erhalt der Schulpflege sprachen in eher unerwarteter Allianz Kathrin Scholl (SP, Lenzburg) und Rolf Jäggi (SVP, Egliswil). Gegen die Vorlage, also für die Beibehaltung der Schulpflege, kämpften Maya Bally (CVP, Hendschiken) und Urs Wiederkehr (Gemeindeammann Hunzenschwil).

Für Grossrat und Ex-Gemeindeammann Jäggi ist die Abschaffung der Schulpflege «die logische Konsequenz der 2006 eingeführten Schulleitungen»: «Wir können Doppelspurigkeiten verhindern und die Schulführung professionalisieren.» Für Scholl, die Präsidentin des Aargauer Lehrerverbandes (alv), ist es «Zeit, sich von Bewährtem zu lösen und einen Schritt in die Zukunft zu machen».

Die bisherigen Kompetenzen und Aufgaben der Schulpflege gehen bei der Neuorganisation an den Gemeinderat über. «Dies gibt viel mehr Arbeit, insbesondere für den Bildungsgemeinderat», ist Wiederkehr überzeugt. Bei einem personellen Wechsel ergebe sich so ein gefährliches Wissensvakuum, was bei einem mehrköpfigen Gremium und gestaffelten Rücktritten weniger gravierend sei. Für Bally geht, weil nicht mehr Mitglieder einer explizit schulaffinen Behörde gewählt werden, ein Stück direkte Demokratie verloren: «Es gibt eine Machtkonzentration beim Schulgemeinderat und zudem verliert die Institution Schule eine wichtige Lobby.»

Nicht zuletzt wegen der Option, bei Bedarf Kommissionen einsetzen zu können, räumten die Pro-Redner ein, dass das Ganze «keine Sparvorlage» sei. Das Publikum bekam viele Erwägungen zu hören, aber kein Killerargument für oder gegen die Schulpflege.

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