09.07.2020

Jedes Bild eine kleine Meditation

Therapeutin und Künstlerin: Marianne Neuhaus vom «MalRaum+».Foto: zvg

Therapeutin und Künstlerin: Marianne Neuhaus vom «MalRaum+».Foto: zvg

Von: Stefanie Osswald

Ausstellung: Das «feine Kleine» zeigt Wäscheleinen-Bilder und Zeichnungen von Marianne Neuhaus.

Das Leben kehrt allmählich zurück in die Lenzburger Altstadt. Die Menschen sitzen in den zahlreichen Cafés und Bistros auf der Strasse, geniessen die Sonne und das Miteinander.

Im Café feines Kleines wirkt zurzeit eine ganz besondere optische Inspirationsquelle. Im Rahmen einer bildreichen Ausstellung der Lebenskünstlerin Marianne Neuhaus werden ganz beiläufig Zeichnungen gezeigt, die subtil ihre Wirkung tun, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Im Gegenteil: Neuhaus’ Zeichnungen wirken stets bewegend, unerwartet und atmosphärisch auf den Raum und seine Besucher. Fein schraffiert, bunt, formenreich und ganz einfach auf einen Block Papier gezeichnet und an einer Wäscheleine befestigt, geben die Zeichnungen von Marianne Neuhaus Einblicke in ihr Schaffen als Maltherapeutin und Lebenskünstlerin.

Hilfestellungen in Lebensfragen 

Seit September letzten Jahres betreibt die ausgebildete Physiotherapeutin aus Schafisheim den «MalRaum+» im hellen, lichtdurchfluteten Ambiente des Dachgeschosses am Sandweg 7 in der Lenzburger Altstadt.

Das Angebot umfasst therapeutisch und prozessbegleitende Hilfestellungen in Lebensfragen mittels Kunsttherapie (EMR), Supervision, Selbstcoaching sowie Biografie- und Körperarbeit/Embodiment. 

Das Angebot richtet sich an Menschen in Krisen- oder Umbruchsituationen, an Interessierte und Neugierige, an Alt und Jung und an alle diejenigen, welche neue Blickwinkel auf ihnen scheinbar bekannte Lebenslagen werfen, lösungsorientierte Erkenntnisse im Umgang mit Lebenssituationen und neue Denkweisen bei der Problemlösung erlangen mögen.

Zudem arbeitet Marianne Neuhaus seit über zwanzig Jahren mit der «Metamorphic Technique», der Metamorphischen Methode. In der Praxis berührt die Anwenderin der «Metamorphic Technique» mit feinen Bewegungen bestimmte Orte an Füssen, Händen und Kopf, während sie gleichzeitig ein Umfeld zur Verfügung stellt, welches frei ist von Vorstellungen eines bestimmten Resultates.

Im deutschsprachigen Raum ist Neuhaus die als einzige von der «Metamorphic Assoziation» anerkannte Praktikerin und bewegte sich lange im Vorstand der karitativen Einrichtung. Marianne Neuhaus hält Seminare zu dem Thema im In- und Ausland, bei denen alle Interessierten Einblicke in die Methoden und Praktiken erhalten. Regelmässig finden Seminare auch im «MalRaum+» in Lenzburg statt.

«Es geht darum Wege zu finden, sich wohlzufühlen, auch wenn nicht immer alle Probleme gelöst sind. Und darum Lebenssituationen anzunehmen», erklärt Neuhaus. Dabei helfe es ganz neue Perspektiven einzunehmen und nicht alles als absolut zu sehen. Die Welt, die Menschen und das Leben seien immer im Wandel. Oft stehe man sich selbst dabei im Weg, das eigene Entwicklungspotenzial voll auszuschöpfen. Der «MalRaum+» bietet Raum, um Prozesse zu durchlaufen und die eigenen Potenziale zu erkennen und ausschöpfen zu lernen. 

Bewegte Bilder

Bei Marianne Neuhaus ist nichts in Stein gemeisselt. Sie ist stets in Bewegung und dies strahlen auch ihre Bilder aus. «Jedes Bild ist eine kleine Meditation», beschreibt Neuhaus ihren Arbeitsprozess. 

Was heraus kommt, ist bloss das Ergebnis eines schon im Vorab intensiv begangenen Weges auf der Reise zu sich selbst. Derweil sind ihre Bilder weniger Produkt eines kreativen Aktes, als vielmehr Resultat behutsamer Enthüllungsarbeit. 

Bei dieser Arbeit wird der Künstler mehr zum Mäeutiker, also ein hämmernder und polierender Geburtshelfer, der aus Material das herausholt, was längst in ihm ist. «Es müssen nicht immer die grossen Ereignisse sein, die das Leben bereichern. Es darf auch etwas Einfaches sein», schliesst Neuhaus.