23.04.2020

«Am Tag, an dem wir fahren dürfen, werden wir fahren»

«Wir wollen Vorbild sein»: Meisterschwandens Gemeindepräsident Ueli Haller vor einem Coronaplakat beim Gemeindehaus. Foto: Fritz Thut
Zum Nichtstun verdammt: Die fünf Schiffe der Hallwilersee-Flotte bei der Werft. Foto: zvg/uha

«Wir wollen Vorbild sein»: Meisterschwandens Gemeindepräsident Ueli Haller vor einem Coronaplakat beim Gemeindehaus. Foto: Fritz Thut

«Wir wollen Vorbild sein»: Meisterschwandens Gemeindepräsident Ueli Haller vor einem Coronaplakat beim Gemeindehaus. Foto: Fritz Thut
Zum Nichtstun verdammt: Die fünf Schiffe der Hallwilersee-Flotte bei der Werft. Foto: zvg/uha

Zum Nichtstun verdammt: Die fünf Schiffe der Hallwilersee-Flotte bei der Werft. Foto: zvg/uha

Von: Fritz Thut

Meisterschwanden: Ueli Haller muss sich als Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee und als Gemeindepräsident gleich doppelt mit der Coronakrise befassen. Im Interview äussert er sich zu Flaute, Regionalschule, Jumelage und einem Jubiläum.

Ja, er habe Zeit, beantwortet Ueli Haller die Interview-Anfrage und ergänzt mit Schalk in der Stimme: «Ich bin ja arbeitslos.» Was ja nicht ganz stimmt, denn es gibt immer noch viel zu tun. Aktuell dümpeln jedoch die fünf Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH) unbenutzt bei der Werft im See.

Wie erlebten Sie den Start der massiven Einschränkungen wegen dem Coronavirus?

Ueli Haller: Ich habe bereits im Vorfeld Abklärungen für die Schifffahrt gemacht und am 16. März die Ankündigungen des Bundes verfolgt. Am Abend hatten wir noch die letzte Gemeinderatssitzung in üblicher Form. Nach einer schlaflosen Nacht haben wir am Dienstagmorgen bei der SGH das weitere Vorgehen besprochen und beschlossen, die Tätigkeiten zu 100 Prozent stillzulegen.

Für die Schifffahrt wars der dümmste Moment?

Wir wären eigentlich bereit gewesen für die neue Saison; März und April gehören zur Vorsaison. Besonders tragisch für uns ist es, weil das Wetter, sonst  stets ein Risikofaktor, immer sehr schön war. Nun kommt einfach nichts rein.

Wie sieht es für die Angestellten aus?

Für die ganze Belegschaft, auch für mich, gilt Kurzarbeit. Die SGH hat viele Teilzeitangestellte, die auf dieses Geld angewiesen sind. 80 Prozent des Lohns kommen von der Kurzarbeit, die restlichen 20 Prozent bezahlt bis auf weiteres die SGH. Als Berechnungsgrundlage gelten die Zahlen vom letzten Jahr.

Haben Sie die SGH für Unterstützungsprogramme angemeldet, wie stehts mit der Liquidität?

Wir prüfen einen entsprechenden Antrag, doch weil wir in den letzten Jahren so gut gewirtschaftet haben, sollten wir  bis zum Sommer keine Liquiditätsprobleme haben. Wenn allerdings die Einschränkungen länger andauern …

Wie sieht es aus mit der Generalversammlung? Die ist ja im Seetal jeweils ein gesellschaftliches Ereignis.

Diese Woche haben wir entschieden, dass die GV zwar am Montag, 15. Juni, stattfindet, jedoch – wie dies der Bund ermöglicht hat – ohne Teilnahme der Aktionäre. Dies vor allem, weil ein grosser Teil der Aktionäre zur Risikogruppe gehört. Dies ist nicht so dramatisch, weil heuer keine besonderen Traktanden anstehen. Für einmal muss man auf das Nachtessen, unsere Naturaldividende, verzichten.

Sie haben sich sicher schon Gedanken zum Wiederhochfahren gemacht.

Ich rechne zu Beginn sicher mit einschränkenden Auflagen. Wenn es wieder losgeht, rechne ich mit einem Ansturm.   An dem Tag, an dem wir fahren dürfen, werden wir fahren können.

Was denken Sie als Vizepräsident von Seetaltourismus, wie lange wird es gehen, bis sich die Branche wieder erholt?

Da wir eher ein Naherholungsgebiet sind und nicht eine klassische Tourismusregion, werden wir uns schneller erholen. 

Zur Gemeinde. Wie wird hier die Coronasituation gemeistert?

Wir befolgen natürlich die Auflagen von Bund und Kanton und machen mit Plakaten auf die Verhaltensregeln aufmerksam. Zudem haben wir die Brätlistellen, öffentliche Anlagen und Parkplätze abgesperrt, da es dort am Anfang zu Menschansammlungen kam. Wir wollen schliesslich Vorbild sein. Zudem haben wir den über 65-Jährigen in einem Brief Hilfe angeboten und stichprobenmässig per Telefon nachgefragt. Doch überall hiess es «Ich komme gut zurecht». Offenbar eine typisch schweizerische Eigenart.

Im Dorf läuft auch politisch aktuell viel. Meisterschwanden gibt die Oberstufe auf.

Nachdem Fahrwangen den Bezirksschulstandort verloren hat, zeigen sich die andern Gemeinden der Kreisschule solidarisch: Fahrwangen liegt zentral und hat ein freies Schulhaus, das allerdings noch ergänzt werden muss. Die Auflösung der Kreisschule ist dann die logische Folge.

Und für die frei werdenden Räume der Schulanlage Eggen haben Sie schon Ideen?

Hier bekommen Primarschule und die Kindergärten Zimmer auf einem Toplevel. Zudem sollen die Vereine hier mehr Raum bekommen, sind sie doch aktuell sehr eingeschränkt. Die Gemeindeversammlung soll über einen Kredit für eine Strategie für alle gemeindeeigenen Gebäude entscheiden.

Gutes Stichwort: Wann ist Gmeind?

Sie wird wohl in den August verschoben. Wir haben zu viele wichtige Geschäfte, um alles auf die Wintergmeind verschieben zu können.

Zudem wurde diesen Monat offiziell kommuniziert, dass man die Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Saint-Claude-de-Diray auflösen will.

Die Diskussion darüber wurde schon länger geführt. Es wurde immer schwieriger, die Beziehungen aufrechtzuerhalten. Der Austausch wurde bei uns immer integriert in ein Dorffest, doch seit keine Vereine mehr die Verbindungen aktiv aufrechterhalten, waren es immer die gleichen Personen, die sich bemühten. Offensicht besteht bei der breiten Bevölkerung keine grosse Nachfrage mehr.

Der Entscheid wurde wohl nicht überall mit Freude aufgenommen?

Unser Komitee war natürlich nicht begeistert, doch die entstandenen Freundschaften können ja weiter gepflegt werden. Unsere Partner in Frankreich hat man schon vor dem letztjährigen 30-Jahr-Jubiläumsfest informiert. Dort wird der Entscheid akzeptiert.

Meisterschwanden hat bald 3000 Einwohner. Gibt es schon Vorkehrungen zur Feier?

Die Zahl geht immer wieder rauf und runter, doch spätestens im nächsten Jahr  werden wir die Marke erreichen. Und dann gibt es mehr als einen Blumenstrauss. Es kommt sicher eine Schifffahrt dazu, ich muss ja schliesslich wieder Geld verdienen.