Seetal-Lindenberg
19.02.2020

Bauernverband: Folientunnels bieten wertvollen Schutz

<em>Dank Folientunnels praktisch kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nötig:</em> Aprikosenplantage in Egliswil.Foto: Toni Widmer

Dank Folientunnels praktisch kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nötig: Aprikosenplantage in Egliswil.Foto: Toni Widmer

Egliswil/Seengen Der juristische Streit um zwei Folientunnelanlagen im Seetal und die damit verbundenen Fehlinformationen von Umweltschutzverbänden demonstrieren exemplarisch die komplexen Herausforderungen für die moderne Landwirtschaft. Der Bauernverband Aargau ortet einen dringenden Handlungs- und Aufklärungsbedarf.

Der Vorstand des Bauernverbandes Aargau (BVA) hat sich an seiner letzten Sitzung mit dem Thema Schutz von landwirtschaftlichen Kulturen vor Schädlingen und Krankheiten befasst. Er will an der kommenden GV ein umfangreiches Massnahmenpaket verabschieden, um den Schutz der Kulturen nachhaltig sicherzustellen und gleichzeitig die Umweltbelastung weiter zu reduzieren. Eine wirksame Möglichkeit ist dabei der mechanische Schutz mit Folientunnels.

Bei Obstanlagen schützen Netze vor Schädlingen wie der Kirschessigfliege. Bei Aprikosenanlagen wie jenen in Egliswil und Seengen schützen Folientunnels die Kultur vor Feuchtigkeit, die den Nährboden für bakterielle Erreger wie Pseudomonas oder den Pilz Monilia bilden. Damit kämpfen Bauern in allen Anbaugebieten im In- und Ausland.

Schutz vor Krankheiten

Die Behauptung der Umweltschutzverbände, dass sich Aprikosen im Freiland nicht kultivieren liessen und auf «künstliche» Bedingungen im Folientunnel angewiesen seien, ist falsch. Das beweisen auch zahlreiche weitere Aprikosenanlagen im Aargau, die nicht mit einem ganzjährigen Folientunnel geschützt sind. Die betroffenen Obstbauern haben mit den Folientunnels ihre Kultur einzig vor Krankheiten und Schädlingen geschützt. Der BVA wird an der nächsten Sitzung der Konferenz der Aargauer Natur- und Umweltschutzorganisationen (Kanuso) die Zusammenhänge und Hintergründe des mechanischen Pflanzenschutzes erklären. Die Folientunnels dienen nämlich einem gemeinsamen Ziel von Umweltschutzverbänden und BVA: der weiteren Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln oder gar deren Verzicht.

Standorte gut gewählt

Ein Streitpunkt bei den Seetaler Aprikosenkulturen betrifft den Standort der zwei Anlagen. Der BVA ist klar der Meinung, dass die Standortwahl sehr wohl gut abgewogen wurde. Die Anlage in Egliswil wurde unmittelbar neben eine bereits bestehende Kirschenanlage gestellt, die ebenfalls mit einem Witterungsschutz ausgestattet ist.

Hätten die Folientunnels ausserhalb der Landschaft von kantonaler Bedeutung (LkB) platziert werden müssen, wäre nur der Standort auf der anderen Seite der Kirschenanlage in Frage gekommen. Dort wäre die Anlage nicht nur stärker in Erscheinung getreten, es hätten auch bestehende Hochstammbäume gefällt werden müssen und eine artenreiche Biodiversitätsförderfläche wäre der Anlage zum Opfer gefallen.

Auch der Standort der zweiten Anlage in Seengen ist gut gewählt. Die Tunnels stehen unmittelbar neben dem Betrieb, der sich am Rande der Landschaftsschutzzone befindet. So präsentiert sich ein kompaktes und gesamtheitliches Bild. Der BVA ist deshalb überzeugt, dass das Verwaltungsgericht den Bauern Recht geben wird und die Anlagen so stehen bleiben können.

Nicht in Dekretszone

Beide Anlagen stehen nicht in der unmittelbaren Nähe des Sees. Sie fallen deshalb auch nicht unter das Hallwilersee-Schutzdekret. Die Anlagen sind auch nicht vom See aus erkennbar, wie man aufgrund der Kommunikation der Umweltverbände annehmen müsste.

Erfreut ist der BVA ob der Reaktion aus breiten Teilen der Bevölkerung, die durchaus nachvollziehen kann, dass eine Produktion mit weniger bis keinem Pflanzenschutzmitteleinsatz allenfalls landschaftliche Eingriffe nötig macht. Wenn die schützenden Folientunnels wie in den vorliegenden Fällen sorgfältig eingebettet sind, wird dies auch breit akzeptiert.

Die gesellschaftliche Erwartungshaltung an die landwirtschaftliche Produktion, beste Qualität zu einem günstigen Preis und ohne Umwelteinwirkung zu bekommen, ist widersprüchlich. Der BVA will deshalb aufzeigen, dass es ohne Schutz nicht geht oder das Risiko für Ernteausfälle und Qualitätseinbussen zu gross ist. Die Ernährungssicherheit würde damit aufs Spiel gesetzt und die Importabhängigkeit aus weniger nachhaltiger Produktion erhöht. (pd/bva)

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