Seetal-Lindenberg
30.01.2019

Doris Leuthards Kleid für die Nachwelt

<em>Schwarzes Akris-Kleid der Bundespräsidentin nun in Egliswil in der Historischen Sammlung des Museums Aargau:</em> Chinas Präsident Xi Jinping stösst im Januar 2017 während seinem zweitägigen Staatsbesuch in der Schweiz am Gala-Dinner mit Doris Leuthard an. Foto: Keystone/Peter Klaunzer

Schwarzes Akris-Kleid der Bundespräsidentin nun in Egliswil in der Historischen Sammlung des Museums Aargau: Chinas Präsident Xi Jinping stösst im Januar 2017 während seinem zweitägigen Staatsbesuch in der Schweiz am Gala-Dinner mit Doris Leuthard an. Foto: Keystone/Peter Klaunzer

Egliswil Ein schlichtes Abendkleid in Schwarz ist die neueste Errungenschaft der Historischen Sammlung von Museum Aargau. Doris Leuthard trug das Unikat beim Empfang von Chinas Präsidenten Xi Jinping. Nun ist es in Egliswil zu sehen.

Fritz Thut

Die Historische Sammlung von Museum Aargau, die in einer unscheinbaren Industriehalle in Egliswil untergebracht ist, beinhaltet nicht nur Bilder, Militaria wie etwa Hellebarden und Rüstungen, sondern auch Möbel und weitere Erinnerungsstücke zur Aargauer Industriekultur sowie Roben und Kleider.

Der letztgenannte Sektor hat kürzlich eine prominente Erweiterung erfahren. Die auf Ende 2018 zurückgetretene Aargauer Bundesrätin Doris Leuthard hat dem Museum Aargau jenes Kleid geschenkt, das sie im Januar 2017 am Gala-Dinner zu Ehren des Staatsbesuchs von Chinas Präsidenten Xi Jinping getragen hat. Eine kleine Motivationshilfe hat es schon gebraucht. Rudolf Velhagen, der Leiter der Historischen Sammlung, hat die Bundesrätin schon vor zwei Jahren angefragt, ob sie nicht bereit wäre, dem Museum ihres Heimatkantons ein Kleid zu vermachen.

Schwarz als Farbe der Macht

Während der Amtszeit war da nichts zu machen, doch nach Leuthards Rücktrittsankündigung wurde nachgehakt – mit Erfolg. Und nun ist das Museum Aargau im Besitz eines schwarzen Abendkleids des Modelabels Akris. «Doris Leuthard hat die Wahl getroffen, welches Kleid sie uns überlässt», so Rudolf Velhagen.

Und hier ist man von der Wahl angetan. Der Sammlungsleiter weist darauf hin, dass die Marke Akris, die ihre Heimat in St.Gallen hat, in der weiten Modewelt viel bekannter ist als in der Schweiz selbst. Das Kleid, das an einem derart wichtigen Anlass wie einem Staatsempfang getragen wurde, sei «sehr raffiniert». Die schwarze Farbe stehe «in China nicht für Trauer, sondern für Macht und Reichtum». In die gleiche, selbstbewusste Richtung deuten die goldenen Akzente. Gelb und Gold waren einst die Farben der chinesischen Kaiser.

«Für die nächsten Generationen»

Das von der Aargauer Bundesrätin getragene Kleid gehört nach Meinung von Rudolf Velhagen selbstverständlich in die Sammlung von Museum Aargau: «Ich bin stets auf der Suche nach Stücken mit einem Aargauer Bezug.» Kleider stellen für eine historische Sammlung eine «besondere Herausforderung» dar, so der Leiter, der darauf verweist, dass man in Egliswil über die entsprechenden Spezialisten verfügt.

Eine Bundesratsrobe oder etwa die eigens gefertigten Turnschuhe, die der Aargauer Entertainer DJ Bobo bei einer Show getragen habe und die kürzlich im Schloss Hallwyl zu sehen waren, kommen nicht in erster Linie für die Gegenwart ins Museum, sondern für die Zukunft: «Solche Gegenstände sammeln wir für die nächsten Generationen; wir konservieren sie für die Nachwelt», hält Rudolf Velhagen fest.

Eine Altkleidersammlung?

«Sammeln sei», so der Sammlungsleiter, «etwas Lebendiges, sicher nichts Statisches.» Gerade im Zusammenhang mit dem Leuthard-Kleid kommt Velhagens Auslegung des Sammelns auf den Prüfstand. Er räumt ein, dass er «gemischte Reaktionen erhalten» habe. Also auch kritische. Ob denn die Historische Sammlung zur Altkleidersammlung geworden sei, wurde etwa gefragt.

Am nächsten Dienstag, 5. Februar, präsentiert Rudolf Velhagen im Rahmen der monatlich durchgeführten öffentlichen Führung im Egliswiler Lager nicht nur Leuthards Kleid, sondern seine Überlegungen dazu: «Ich erhoffe mir eine rege Diskussion.»

Präsentation. Dienstag, 5. Februar, 18.30 bis 20 Uhr, im Sammlungszentrum Egliswil, Binzenholzstrasse 424 (Bushaltestelle Industrie). Der Eintritt ist frei. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Anmeldung über reservationen.lenzburg@ag.ch oder Telefon 0848871200.