Seetal-Lindenberg
31.03.2021

«Burgunderblut» im Hallwilersee

Im Frühling manchmal dunkelrot gefärbt: Spuren von Burgunderblutalgen am Ufer des Hallwilersees. Foto: Andreas Walker

Im Frühling manchmal dunkelrot gefärbt: Spuren von Burgunderblutalgen am Ufer des Hallwilersees. Foto: Andreas Walker

Seetal Mit den wärmeren Temperaturen ist im Hallwilersee wieder rot gefärbtes Wasser zu beobachten. Eine Blaualge ist dafür verantwortlich.

Von: Andreas Walker

Ein Blütenteppich von Burgunderblutalgen färbt manchmal bei schönem, windstillem Wetter den Hallwilersee rot. Für eine Massenvermehrung («Blüte») dieser Blaualgen braucht es ruhiges, warmes Wasser, starke Sonneneinstrahlung und ausreichend Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor).

Da einige Blaualgen ein rötliches Hilfspigment besitzen, um auch in tieferen Wasserschichten mit weniger Licht die Photosynthese zu betreiben, erscheinen sie während der Algenblüte rot. Genau genommen sind es jedoch Cyanobakterien, die umgangssprachlich auch Blaualgen genannt werden.

Aus den Burgunderkriegen

Der Name der Burgunderblutalge geht auf die Schlacht bei Murten im Jahr 1476 zurück, in welcher Karl der Kühne, Herzog von Burgund, gegen die Eidgenossen kämpfte. Da sich das Wasser des Murtensees immer wieder rot färbte, entstand die Sage, die rote Färbung stamme vom Blut der in der Schlacht bei Murten gefallenen Burgunder.

Deshalb wurde die Alge Planktothrix rubescens als Burgunderblutalge benannt. Der aus dem Griechischen abgeleitete Name bedeutet frei übersetzt «im Wasser umherirrendes rötliches Haar».

Man geht heute davon aus, dass die Cyanobakterien die ersten Organismen waren, die über Photosynthese Sauerstoff in die Erdatmosphäre abgegeben haben. Damit haben sie die Entwicklung des Lebens, so wie wir es kennen, ausgelöst.

Giftige Cyanobakterienblüten

Cyanobakterien können ein Gesundheitsrisiko darstellen, wenn Wasser mit hohen Konzentrationen geschluckt wird oder in die Atemwege gelangt.

Nicht alle Cyanobakterienblüten sind giftig. Ob Giftstoffe gebildet werden, hängt von der Art der Blaualge und von den Umweltbedingungen ab. Vorsicht ist dann geboten, wenn im See teilweise hohe Konzentrationen auftreten und an dieser Stelle Wasser geschluckt wird. Dies kann bei Badenden zu Symptomen wie Übelkeit und Durchfall führen.

Hunde werden viel wahrscheinlicher vergiftet als Menschen, da sie oft am Ufer grössere Mengen Wasser trinken, denn dort ist die Konzentration von Cyanobakterien im Allgemeinen höher.

Baden im Sommer ungefährlich

Im Hallwilersee befindet sich die Burgunderblutalge meistens in einer Wassertiefe von 10 bis 12 Metern. Sie stellt in dieser Situation kein Problem für die Badewasserqualität dar. Während der Frühlings- und Herbstzirkulationsphase kann sie an die Seeoberfläche gelangen.

Nach Angaben des Departements Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt, dass beim momentanen Nährstoffgehalt des Hallwilersees die Burgunderblutalge die Badewasserqualität in den Sommermonaten nicht gefährdet.

Der Hallwilersee war früher in einem bedeutend schlechteren Zustand. Er war stark überdüngt und wurde deshalb von 1985 bis 2016 in den Sommermonaten mit Reinsauerstoff künstlich belüftet; seither läuft die Belüftung ohne Zusatz. Mit der laufenden Seesanierung soll die Anzahl der Burgunderblutalge in Zukunft weiter verringert werden.