Seetal-Lindenberg
18.11.2020

«Fischen steht Wasser am Hals»

Ein Bild aus besseren Zeiten: Hallwilersee-Berufsfischer Ernst Fischer im Jahre 2014 mit einem ansehnlichen Fang. Archivfoto: Jiri Reiner

Ein Bild aus besseren Zeiten: Hallwilersee-Berufsfischer Ernst Fischer im Jahre 2014 mit einem ansehnlichen Fang. Archivfoto: Jiri Reiner

Hallwilersee Mit einem sogenannten Commitment (Verpflichtungserklärung) setzen sich Mitglieder des Kantonsübergreifenden Entwicklungskonzeptes (KEK) Seetal für eine nachhaltige Erhaltung der Fischbestände ein.

Im Jahre 1985/1986 wurde im Hallwilersee die Belüftungsanlage in Betrieb genommen. Die Installation soll dafür sorgen, dass das Gewässer ganzjährig mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Der Grund für diese kostspielige Massnahme lag in der jahrzehntelangen starken Überdüngung des Sees. Diese zeigte sich am deutlichsten in einem massiven Rückgang der Fischbestände – dies sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Aktuell liegen die Phosphorwerte im Hallwilersee tiefer. Der bessere Zustand des Gewässers ist auf die gemeinsame Strategie und auf das grosse Engagement seitens der Bevölkerung und politischer Akteure in den Kantonen Aargau und Luzern zurückzuführen.

Trotzdem steht das Seetal 35 Jahre nach der Installation der Seebelüftung vor einigen Herausforderungen: Der Hallwiler- und der Baldeggersee brauchen nach wie vor Unterstützung, um die Nachwirkungen der Überdüngung zu überstehen. So steht den Fischen als Indikator für den ökologischen Zustand des Seetals das Wasser bis zum Hals.

Von der negativen Entwicklung alarmiert und direkt betroffen sind die Fischer auf dem See: Sie stellen bei den Fischen eine dramatische Abnahme der Vitalität, einen Parasitenbefall und deutliche Gewichtsverluste fest.

So ist beispielsweise in lediglich vier Jahren das Felchenwachstum um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Über die Ursachen herrscht nach wie vor Unklarheit. Ein Futtermangel kann jedoch ausgeschlossen werden, da die Nährstoffzufuhr seit Jahren konstant ist.

Alle Akteure an Bord

Um dieser Negativspirale geschlossen entgegenzutreten, haben die Berufsfischer zusammen mit der von den Gemeindeorganisationen Idee Seetal (Luzern) und Lebensraum Lenzburg-Seetal (Aargau) eingesetzten kantonsübergreifenden Begleitgruppe Kantonsübergreifendes Entwicklungskonzept (KEK) Seetal das Commitment zum Hallwilersee verfasst. Zur KEK-Begleitgruppe gehören unter anderem Grossrätin Gabi Lauper Richner und Berufsfischer Richard Stadelmann.

Das Commitment wurde von den neun Anrainergemeinden, weiteren regionalen Organisationen und den Eigentümern der privaten Fischereireviere mitunterzeichnet. Das Commitment bildet die solide Grundlage für die Bündelung und die Fokussierung aller Kräfte für eine längerfristige Erhaltung, eine nachhaltige Nutzung und die zukunftsgerichtete Bewirtschaftung des Hallwilersees zugunsten der ganzen Region.

Das gemeinsame Commitment zum Hallwilersee wurde den Regierungen der Kantone Aargau und Luzern bereits überreicht – als klares Signal und als Aufforderung zum effizienten und effektiven Handeln. (glr)

Ziele des Commitments zum Hallwilersee

• Die ungeklärten Wachstumsveränderungen der Felchen im Hallwilersee sind zu untersuchen.

• Der Hallwilersee ist vor der Einschleppung invasiver Arten, insbesondere der Quaggammuschel, zu schützen.

• Das bestehende Konkordat zum Fischfang auf dem Hallwilersee ist zu überarbeiten.

• Die ökologische und ökonomische Bedeutung der Fischerei ist festzuhalten.

• Die Dienstleistungen der Fischerei für die Öffentlichkeit und die Kantone sollen entschädigt werden.

• Für die Fischerei sollen einheitliche Regelungen gelten und es soll ein Patent für den ganzen Hallwilersee geben.