05.11.2020

Mit der Einzigartigkeit des Löwenzahns

Feierliche Übergabe: Vertreterinnen von «Die Tanten» aus Sarmenstorf bekommen in Aarau den AKF-Frauenpreis. Foto: Graziella Jämsä

Feierliche Übergabe: Vertreterinnen von «Die Tanten» aus Sarmenstorf bekommen in Aarau den AKF-Frauenpreis. Foto: Graziella Jämsä

Sarmenstorf: In diesem Jahr zeichnet der Aargauische Katholische Frauenbund (AKF) den 2014 gegründeten Sarmenstorfer Verein Die Tanten mit dem Frauenpreis aus. Eine liebevoll gestaltete Feier in der Aarauer Kirche Peter und Paul war Ort der Würdigung.

Von: Graziella Jämsä

Junge Menschen sind wie zarte Pusteblumen, die kurz davor stehen, ihre Fähigkeiten in die Welt hinauszutragen, ja hinausfliegen zu lassen.» Mit diesen Sätzen führte Vroni Peterhans-Suter, Präsidentin der AKF-Frauenpreis-Kommission, das Sinnbild des Löwenzahns in ihre Laudatio ein. «Manchmal brauchen sie auf dem Weg einen sanften, kleinen Schubs, damit die Samen Fuss fassen können.» 

Und genau diese Bestärkung habe sich der Verein Die Tanzen zur Aufgabe gemacht. «Bisweilen unterstützen die ‹Tanten› auch beim Wurzelschlagen, falls jemand auf steinigem Boden gelandet ist.» 

Denn wenn der Löwenzahn Wurzeln geschlagen habe, sei er für seine Überlebenskraft bekannt. «Der Glaube an sich, um in unwegsamem Gelände Fuss zu fassen, braucht hie und da eine gute Tante oder einen lieben Onkel.»

Die Hilfe der «Tanten» ist so vielfältig wie das Leben selbst: Ein junger Mann braucht ein Bett? Kein Problem. Hilfe beim Lebenslauf? Eine «Tante» oder auch ein «Onkel», wie es sie mittlerweile im Verein gibt, steht den jungen Menschen zur Seite. «Wir unterstützen einmalig Personen zwischen 18 und 30 Jahren. In welcher Art, das zeigt uns das Leben», erklärte Josefine Krumm, die den Verein zusammen mit Alice Lüps und Pia Steiner gegründet hat, einst in einem Interview. 

Diese Kraft war während der Feier in Aarau deutlich spürbar. Alle BAG-Regeln im Umgang mit Corona wurden nicht nur berücksichtigt, sie wurden ganz selbstverständliche Grundpfeiler der Gestaltung. Jedoch ohne den Sinn für die Schönheit des Lebens zu vergessen. Überall leuchteten Kerzen, Blumenbuketts und Bilder weckten Assoziationen.

Dieser Erfindungsreichtum und die Durchsetzungskraft seien, so Regierungsrat Urs Hofmann in seinem Grusswort, Gründe genug, um das Verb «betanten», (so nennen die Gründerinnen selbst ihre Einsätze) in den Duden aufzunehmen. 

Oder wie es der Sarmenstorfer Nachbar Hans Melliger formulierte: «Niemand – und darüber sind wir uns weit über Sarmenstorf hinaus einig – niemand hat diesen Preis so sehr verdient und kann ihn so gut brauchen wie unsere ‹Tanten›.»

Und was sagen die «Tanten» selbst? Josefine Krumm, Pia Steiner und Alice Lüps sind sich, unabhängig voneinander gefragt, einig: «Der Preis ist eine wunderbare Würdigung. Er zeigt, zusätzlich zu den Rückmeldungen unserer ‹Betanteten›, dass wir wahrgenommen werden, und das ist eine schöne Motivation für die Zukunft.»

Verein im Internet: www.die-tanten.ch 

 

Ein Preis für gelebte Frauensolidarität

Nachgefragt: Vroni Peterhans-Suter ist seit 2015 Präsidentin der AKF-Frauenpreis-Kommission. Sie spricht über die Intention des Aargauischen Katholischen Frauenbundes (AKF) hinter dieser Ehrung und wieso der Verein Die Tanten in diesem Jahr ausgezeichnet worden sind.

Welcher Prozess geht vonstatten, bis die Preisträger feststehen?

Vroni Peterhans-Suter: Die Jury ist die Frauenpreis-Kommission: Das sind sechs erfahrende Frauenbundsfrauen, die durch Lebens- und Vereinserfahrung kompetente Entscheidungsträgerinnen sind. Wir achten darauf, dass verschiedene Aargauer Regionen, Altersgruppen und Berufshintergründe vertreten sind. Ebenso ist der AKF-Kantonalvorstand Teil der Kommission und muss den Entscheid statutengemäss mittragen. Ein Jahr lang werden dann Augen und Ohren offengehalten, was eine ordentliche Liste ergibt. Das Bestreben ist, eher unbekannte Projekte und Frauen auszuzeichnen, denn diese Preisverleihung ist eine grosse Chance für mehr Publizität.

Welche Aspekte spielen bei der Auswahl noch eine Rolle? 

Die Art des Projektes soll jedes Jahr etwas unterschiedlich sein. Dann nehmen wir, wo möglich, Rücksicht auf das Jahresthema des Frauenbundes: Dieses Jahr nochmals «Care – make up – mach die Welt schöner und besser». Zusätzlich hat dieses Jahr die Coronasituation mitentschieden: Denn «Die Tanten» unterstützen junge Menschen, die wegen Corona in Schwierigkeiten geraten sind. Damit reagieren sie auf die Aktualität.

Was wünschen Sie den «Tanten» für die Zukunft?

Wir wünschen dem Verein stets genügend «Tanten» und genügend Ressourcen, um ihre «Betantungen» weiterhin anbieten zu können. Ausserdem wünschen wir uns, dass die Berichte über die Preisverleihung auch andere Menschen motivieren, ihre Tanten- und Onkel-Aufgabe wahrzunehmen. Also dass «Tanten» und «Onkel» nicht mehr als verstaubte Relikte gelten, sondern systemrelevante Motivationsverstärker für junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen werden. (gjä)