Region
26.02.2020

Eine galaktische Komödie

<em>Sorgen auf humorvolle Art mit einer gesellschaftskritischen Satire für Unterhaltung:</em> Die Theaterlüüt Othmarsingen. Foto: Stefanie Osswald

Sorgen auf humorvolle Art mit einer gesellschaftskritischen Satire für Unterhaltung: Die Theaterlüüt Othmarsingen. Foto: Stefanie Osswald

Othmarsingen Gleichberechtigung, Frauenquote, Nachhaltigkeit, Negativzinsen, Digitalisierung oder Bankenkollaps. Das neue Jahrzehnt hält schon jetzt diskussionswürdige Themen bereit. Den theatralischen Einstieg in ein vermeintlich turbulentes Jahr wagen die Theaterlüüt mit ihrer Inszenierung «Wo isch de Herr Däpp» – einer gesellschaftskritischen Satire.

Von: Stefanie Osswald

New York, Washington, Toronto, Brüssel, Othmarsingen. Wir befinden uns im Jahr 2008. Voll digitalisiert und börsenrelevant, bestimmen die Geschäfte der Earth Bank Othmarsingen den globalen Markt. An der Spitze Direktorin und Wuchtbrumme Dr. nat. oek. Renate Steiner und Vizedirektor lic. rer. pol. Christof Däpp.

Mit ihrem souveränen Führungsstil hält Alphatier Steiner die Teppichetage in Schach, bis zu dem Tag, als Unbekannte die Bankensoftware mit einem Virus manipulieren. Die Earth Bank steckt in einer tiefen Krise. Einer der wichtigsten Finanzplätze wurde gehackt. Nun bedroht ein Virus den internationalen Handel. Das System kollabiert. Es steht viel auf dem Spiel. Verdächtigt wird das Othmarsinger Syndikat, doch als rauskommt, dass Christof Däpp die Krise selbst zu verantworten hat, beginnt der Run. Der Däpp wird international gesucht – und bleibt verschwunden. Als dann die beiden Ausserirdischen, der geschlechtslose Weltall-Fürst Sirius und die bereits im Jahr 1912 auf der Titanic gestorbene Lisa Abplanalp, auftreten, nimmt das Spiel eine galaktische Wendung. Und als Christof Däpp aus seinem Albtraum erwacht, ist es schon fast zu spät.

Gesellschaftskritisch und humorvoll

Regional bekannt für ihre durchdachten Inszenierungen, ihre feinsinnige Themenwahl, Reflexionsbewusstsein und ausdrucksstarkes Spiel, packen die Theaterlüüt Othmarsingen mit ihrer neusten Mundartbearbeitung aktuelle Themen des Zeitgeschehens und treffen einen Nerv der Zeit, ohne dabei den Humor zu verlieren.

«Wo isch de Herr Däpp» aus der Feder des Theatermachers Urs Hirschi ist eine gesellschaftskritische Satire über menschliche Schwächen, die Zeitkritik übt, beobachtet und mit messerscharfen Dialogen aufgezeichnet. Gekonnt lässt Regisseurin Brigitte Wyss ihre karikierten Figuren mit Klischees spielen, sie spotten, entlarven, nehmen mit Zynismus, Humor und einer gehörigen Portion Idealismus Missstände genau unter die Lupe und schaffen Anregungen zum Handeln und Weiterdenken.

In ihren Beobachtungen geht Wyss dem Image der «Bad Boys» und «Bad Women» gehörig auf den Grund. Der Banker, das unbekannte Wesen. Auf der Suche nach ihren Figuren, betreibt Wyss vorab stets sorgfältige Feldforschung und begibt sich dabei gar freiwillig ins Haifischbecken. Bereits Monate vor der ersten dramaturgischen Idee verbrachte Wyss viel Zeit in Cafés und Foyers betriebsamer Finanzinstitute, um Menschen, ihre Körperhaltungen, ihre Kleidung und Sprache zu beobachten und die Stimmung einzufangen.

Ihre Eindrücke verarbeitet Wyss in allen Details ihrer Inszenierung beeindruckend genau. Das Bühnenbild und die Kostüme spielen dabei genau so eine Rolle wie Mimik und Gestik, Fakten oder Vorurteile, doch niemals ohne kritisch zu reflektieren. «Ein analytischer Blick ist das eine, das andere seine Eindrücke in der Inszenierung zu verarbeiten, ohne die Flexibilität zu verlieren. Was bewusst vermieden wird, ist, Vorurteile unreflektiert zu verarbeiten», betont die Regisseurin mit jahrelanger Erfahrung bei den Theaterlüüt Othmarsingen. Das Ergebnis ist eine Inszenierung mit Hand und Fuss. Mit «Wo isch de Herr Däpp» liefern die Theaterlüüt Othmarsingen exzellentes Laienspiel und eine intelligente Inszenierung mit Zeitbezug und viel Humor.

Freitag, 6. März, 20 Uhr, Premiere, Mehrzweckhalle, Othmarsingen. Aufführungen: Samstag, 7. März, Freitag, 13. März, Samstag, 14. März, jeweils um 20 Uhr, Türöffnung um 18 Uhr, mit Theaterbeiz.

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