24.11.2021

Samichlaus, du guete Maa, gäll ich muess kä Fitze ha»

Zwischen Angst und Freude: Vorsichtig reicht der kleine Bub dem Brunegger Samichlaus die Hand. Foto: Archiv/2006

Zwischen Angst und Freude: Vorsichtig reicht der kleine Bub dem Brunegger Samichlaus die Hand. Foto: Archiv/2006

Brunegg Der Samichlaus besucht jeweils am zweiten Donnerstag im Dezember nicht nur Kinder, sondern auch die Senioren der Gemeinde.

Von: Hanny Dorer

Zu verdanken ist der Samichlausbesuch einer Gruppe von Freiwilligen, die am Chlausabend zu zweit – insgesamt werden sieben Paare unterwegs sein – den alten Brauch im Dorf aufrechterhalten. Die entsprechenden Kostüme, einen rot-weissen Mantel für den Samichlaus und eine schwarze Kutte für den Schmutzli, wurden von Brunegger Frauen selber genäht. Seit 20 Jahren dabei ist Marlies Steiner, seit 10 Jahren organisiert sie die Chlausbesuche.

Laut ihren Unterlagen entstand der Brauch vor rund 50 Jahren, als die Familie Renold die Chlausbesuche für alle Haushaltungen im Dorf sponserte. Heute wird der Samichlaus durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert – der Brauch wird offenbar sehr geschätzt. «Bis jetzt ist es jedenfalls immer aufgegangen», erklärt Marlies Steiner.

Eine Änderung ergab sich vor rund drei Jahren durch den Bau von neun Wohnblöcken im Gebiet Breitacker. «Brunegg zählte nun 400 Haushaltungen, was den Rahmen der bisherigen Chlausbesuche sprengte. Es war schlicht nicht mehr möglich, alle zu besuchen», blickt Marlies Steiner zurück.

Deshalb finden die Samichlausbesuche seither nur noch auf Bestellung statt. Die Kinder erhalten jeweils ein Säckli mit Nüssen, Schöggeli und Mandarinen. Falls die Eltern weitere Geschenke für ihre Kinder wünschen, müssen sie diese selber besorgen und im Voraus zu Marlies Steiner bringen.

Weiterhin ohne Anmeldung besucht werden dagegen die Senioren der Gemeinde, und zwar seit über 20 Jahren. Im Gegensatz zu den Kindern müssen sie aber kein Versli aufsagen. Den Frauen (ab 64 Jahren) bringt der Samichlaus einen Zopf, den Männern (ab 65 Jahren) eine Flasche Wein. Der Zopf stammt natürlich vom Beck aus dem Dorf. Die Gemeinde liefert die nötigen Adressen und finanziert auch die Geschenke.

Zum Abschluss des Chlausabends treffen sich die Chläuse zum gemeinsamen Essen – als kleines Dankeschön für ihren Einsatz. Die Chlausbesuche in Brunegg finden nicht am 6. Dezember, dem eigentlichen Nikolaustag, sondern erst am 2. Donnerstag im Dezember statt, wenn in Lenzburg Chlausmärt ist. Wie die Lenzburger klöpfen auch die Brunegger den Chlaus gemäss dem alten Brauch mit Geisselklöpfen heraus.