05.11.2020

Tonstudio auch für «newcomer»

Alternative zum Rumhängen: Musikalische Talente können ihre Musik mit professionellen Mitteln im Tonstudio produzieren. Foto: zvg

Alternative zum Rumhängen: Musikalische Talente können ihre Musik mit professionellen Mitteln im Tonstudio produzieren. Foto: zvg

Othmarsingen: Dass Deutsch-Rap nicht immer mit dem Stinkefinger daherkommen muss, beweist der international erfolgreiche Rapper Siga und verbindet seine Musik mit sozialem Engagement. Seit drei Monaten lebt er im Dorf.

Von: Stefanie Osswald

Deutsch-Rap boomt grade. Wenn auch von der Öffentlichkeit kritisch beäugt, verbreitet sich der Rap mit deutschen Texten viral in den sozialen Medien und wurde in den letzten Jahren zu einem der meist gehörten Musikstile. Ungeachtet dessen huldigt man in den Texten nicht selten den Drogen, Sex, Luxus, Protz oder der Gewalt und scheut nicht, dies mit vulgärem Vokabular zum Ausdruck zu bringen. Je härter die Aussagen, desto authentischer die Botschaft, desto markanter die Resonanz.

Mit seiner Musik setzt Rapper Siga dem «Is mir egal»-Image der Rap-Szene etwas entgegen und verhilft ihr mit Humor und Einfühlungsvermögen zu neuer Kredibilität, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. «Man wird als Rapper leicht in eine Schublade gesteckt. Aber man kann Rap auch anders machen. Ich habe aufgrund meiner Reichweite als Musiker ein Bewusstsein für meine Vorbildfunktion. Mit meiner Musik möchte ich etwas zurückgeben», sagt Siga, der mit bürgerlichem Namen Siva Ganesu heisst. In seiner Musik spricht er Themen mit gesellschaftlicher Relevanz an, ohne Mainstream zu sein. Im Gegenteil: Vom Leben und dessen unbequemen Seiten weiss der 36-Jährige einiges zu berichten.

Vom Flüchtling zum Sieger

In seinen Texten verarbeitet Siga auch seine Erfahrungen als Flüchtling und mit Rassismus. Als Vierjähriger war er mit seiner Familie aus Sri Lanka nach Deutschland geflüchtet und lebte lange in Bielefeld, bevor er vor elf Jahren in die Schweiz kam. Als Musiker ist Siga über die Szene hinaus international bekannt. Zusätzlich zum Dokumentarfilm «Siga – Vom Flüchtling zum Sieger» in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Regisseur This Lüscher soll auch eine Biografie über den Rapper erscheinen. Geschrieben wird das Buch von der Aargauer Autorin Ina Haller, die durch ihren Krimi «Rüebliland» bekannt ist.

Besonders grosse Aufmerksamkeit erhält sein Gehörlosenprojekt, bei dem seine Texte während des Konzertes von einer gehörlosen Jugendlichen in Gebärdensprache übersetzt werden. 

Mittlerweile ist der zweifache Familienvater angekommen und erfüllte sich den Traum eines Eigenheims mit eigenem Tonstudio. Vor drei Monaten zog er mit seiner Familie von Dietikon nach Othmarsingen. Stets auf der Suche nach neuen Talenten, bietet er dort jungen, interessierten Musikern die Möglichkeit, ihre Musik mit professionellen Mitteln zu produzieren, anstatt auf der Strasse rumzuhängen. Willkommen sind Jugendliche, die ernsthaft daran interessiert sind, sich zu entwickeln, und bereit dazu, an sich und der Musik zu arbeiten.

«Als Vater sehe ich mich in der Verantwortung und weiss aus eigener Erfahrung als Musiker, wie schwer es ist, sich zu etablieren, wenn man nicht die nötigen Mittel dazu hat.» Der beste Beweis für den Erfolg seines Engagements ist der junge Rapper Morish (27) aus Windisch. Auch er fasste den Mut, Siga zu kontaktieren und sein Talent unter Beweis zu stellen. Heute steht Morish regelmässig mit den Grossen der Szene auf der Bühne.

Siga beweist: Guter Rap kommt längst nicht mehr nur aus den Metropolen und ist ebenso wenig die Musik pubertärer Rowdys, sondern schafft durch professionellen Umgang gesellschaftlich relevante Räume. Zudem plant Siga auch Projekte in der Region. Man darf also gespannt bleiben.

Infos: www.sigamusic.com.