20.08.2020

Neue Kandidaten haben es extrem schwer

Wer stösst die Türe auf? Blick in den Saal des Aargauer Grossen Rates in Aarau. Archivfoto: Chris Iseli

Wer stösst die Türe auf? Blick in den Saal des Aargauer Grossen Rates in Aarau. Archivfoto: Chris Iseli

Von: Fritz Thut

Grossratswahlen: 116 Kandidaten für die Grossratswahlen vom 18. Oktober wohnen im Einzugsgebiet dieser Zeitung. Alle bisherigen 16 Grossräte treten wieder an, was die Herausforderung für die andern 100 Aspiranten grösser macht.

Viele Anwärter für einen der 140 Sitze im Kantonsparlament sind in den Startlöchern: Ab nächstem Sonntag dürfen Strassenränder und Innenstädte (gemäss genau festgelegten Regeln) wieder mit Wahlplakaten verunstaltet werden.

Ob die Köpfeparade in der Region Lenzburg viel bringen wird, könnte angesichts der Ausgangslage mit Fug und Recht in Frage gestellt werden. Der Bezirk darf zwar einen Grossrat mehr nach «Aarau» entsenden, doch durch den Zuzug einer Amtsinhaberin bewerben sich 13 Bisherige für die neu 13 Sitze.

In den weiteren Gemeinden im Einzugsgebiet dieser Zeitung  kandidieren die drei Bisherigen ebenfalls wieder: Lucia Ambühl-Riedo (FDP, Sarmenstorf) im Bezirk Bremgarten, Maya Meier (SVP, Auenstein) im Bezirk Brugg und Christian Merz (SVP, Beinwil am See) im Bezirk Kulm.

Grossmacht CVP?

Die 12 Lenzburger Sitze verteilten sich bisher auf acht verschiedene Parteien, was die Stimme des Zentrums des Kantons doch massiv zersplitterte. Oft stimmen die Volksvertreter dogmatisch zusammen mit ihren Parteikollegen und nicht immer im Interesse ihres Wahlkreises, wo die Wähler wohnen.

Diesmal, mit einem dank dem Bevölkerungswachstum der Region gewonnenen Sitz, wird sich die Lenzburger Delegation in «Aarau» auf höchstens sieben Parteien verteilen, denn die in Auflösung begriffene Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) tritt nicht mehr an.

Das regionale BDP-Aushängeschild, die Hendschikerin Maya Bally, hat sich inzwischen der CVP angeschlossen und tritt zur Wiederwahl an. Weil mit Cécile Kohler während der noch laufenden Amtsperiode eine CVP-Grossrätin aus Baden nach Lenzburg gezogen ist, tritt die CVP mit sage und schreibe drei Bisherigen in den Wahlkampf. 

Obwohl auf den nachfolgenden Listenplätzen einige engagierte Vertreter lauern, wird es für die CVP schwierig sein, den Bestand zu wahren. Mit gleichviel Bisherigen steigt der Parteienprimus SVP ins Grossratsrennen. Bei den letztjährigen Nationalratswahlen kam die CVP im Bezirk Lenzburg mit einem Wähleranteil von 6,72 Prozenten auf den sechsten Platz. Im Vergleich kam die SVP im Herbst 2019 auf einen Anteil von 33,52 Prozent.

Jagd auf den 13. Sitz

Arithmetisch ist also sogar äusserst fraglich, ob die CVP immerhin zwei ihrer drei Sitze halten kann. Und so läuft die Jagd auf den 13. Sitz im ganzen politischen Spektrum. Gute Chancen auf einen vierten Sitz hat die SVP, auch wenn als Zugmaschine der in den Nationalrat gewählte Biobauer Alois Huber diesmal fehlt. Angeführt wird Liste 1 vom Staufner Pascal Furer, der bald zum Grossratspräsidenten und damit «höchsten Aargauer» gewählt werden dürfte.

Ein Sitzgewinn bei den beiden mit zwei Bisherigen antretenden Parteien dürfte überraschen. Die vom Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann und Gabi Lauper Richner (Niederlenz) angeführte SP-Liste umfasst mit Heinz Mika (Meisterschwanden, Jahrgang 1939) den ältesten Kandidaten im ganzen Kanton. Eher auf den parteiinternen Nachwuchs setzt die FDP, deren Liste von den Bisherigen Jeanine Glarner (Möriken-Wildegg) und Gérald Strub angeführt wird.

Auf einen zweiten Sitz und somit eine Verdoppelung ihrer Delegation hoffen können die beiden Parteien mit dem Attribut «Grün» im Namen, wobei die Grünliberalen mit den bedeutend bekannteren Namen hinter der Bisherigen Barbara Portmann (Lenzburg) aufwarten können.

Lenzburg dominiert

Offensichtlich konzentrierten sich die Parteien bei der Kandidatensuche auf den Hauptort Lenzburg: Hier wohnen 36 der 96 Kandidaten des Bezirks. In Relation zur Einwohnerzahl wird Lenzburg nur von zwei Seetaler Gemeinden übertroffen: In Leutwil und Boniswil liegt die Kandidatenquote pro 1000 Einwohner höher. 

Die vier Gemeinden Bettwil, Brunegg, Holderbank und Veltheim haben überhaupt keinen Kandidaten.

Leutwil vor Boniswil 

Anzahl Grossratskandidaten pro Gemeinde: Leutwil absolut 3/pro 1000 Einwohner 3,94; Boniswil 5/3,38; Lenzburg 36/3,32; Dürrenäsch 4/3,17; Birrwil 3/2,61; Staufen 7/1,81; Seon 8/1,53; Beinwil am See 5/1,50; Rupperswil 8/1,46; Ammerswil 1/1,38; Schafisheim 4/1,33; Auenstein 2/1,25; Hallwil 1/1,14; Möriken-Wildegg 5/1,11; Niederlenz 5/1,05; Othmarsingen 3/1,03; Sarmenstorf 3/1,02; Meisterschwanden 3/1,01; Fahrwangen 2/0,88; Hendschiken 1/0,76; Seengen 3/0,73; Egliswil 1/0,68; Hunzenschwil 2/0,49; Dintikon 1/0,44. Keine Kandidaten: Bettwil, Brunegg, Holderbank, Veltheim. (tf)

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