16.07.2020

Becherstapeln macht Spass und stimuliert erst noch das Gehirn

Sieht einfach aus, ist aber herausfordernd: Anouk Dähler beim Sport Stacking. Foto: Carolin Frei

Sieht einfach aus, ist aber herausfordernd: Anouk Dähler beim Sport Stacking. Foto: Carolin Frei

Von: Carolin Frei

Othmarsingen: Anouk Dähler hat vor fünf Jahren mit Sport Stacking (Becherstapeln) begonnen. Nun schreibt sie eine Matura-Arbeit darüber, wie sich diese Sportart auf die Reaktion und Augen-Hand-Koordination von Zweitklässlern im Schulalltag auswirkt.

In meiner Arbeit untersuche ich den Einfluss von Sport Stacking auf die Reaktion und Hand-Augen-Koordination», sagt die 19-jährige Anouk Dähler. Es sei eine Tatsache, dass Sport Stacking durch das abwechselnde Arbeiten mit linker und rechter Hand und das Überkreuzen der Gesichtsmitte beide Gehirnhälften stimuliere. Dadurch würden neue Verknüpfungen gebildet. Diese neu angelegten Nervenbahnen können beim Erlernen anderer Inhalte oder Fertigkeiten hilfreich sein, etwa beim Erlernen eines Musikinstruments, beim Lesen und Schreiben oder beim Sport. 


Tests mit zwei Klassen
«Für mein Experiment habe ich mit den Zweitklässlern aus Othmarsingen – meine Versuchsklasse – einen Koordinationstest durchgeführt. Unter anderem mussten die Schüler Becher erst in den roten Kreis stellen und dann in den grünen. Mit wechselnder Hand und überkreuzt», sagt die Othmarsingerin. Zudem bekamen die Kinder die Aufgabe, während eines Monats täglich zehn Minuten Becher zu stapeln. Um für die Auswertung des Experiments einen Vergleich zu haben, wurde eine Kontrollklasse gesucht. Fündig wurde Anouk in Gränichen. Auch diese Zweitklässler durchliefen den Reaktionstest, mussten danach aber nicht mehr diesem Sport frönen. 
«Aufgrund der Zeitmessungen zu Beginn und am Schluss des einmonatigen Experiments sollte ich belegen können, ob sich Sport Stacking positiv auf die Reaktion und Konzentration auswirkt. Dank diesen zwei Klassen mit unterschiedlichen Voraussetzungen», zieht Dähler Bilanz. Diese Auswertung hat sie noch vor sich. Die Kinder hätten gerne mitgemacht, nur wenigen fiel es etwas schwer, sie wurden schnell müde. Allerdings habe sich die Suche nach Probanden in Coronazeiten schwierig gestaltet. Umso mehr freute sich die 19-Jährige, in Othmarsingen und Gränichen auf Zustimmung gestossen zu sein. Nach Abschluss der Matura wird sich Dähler an der Pädagogischen Hochschule zur Primarlehrerin ausbilden lassen. Und natürlich – auch weiterhin Sport Stacking betreiben.
Wie funktioniert nun das Becherstapeln genau? Für diesen Sport verwendet man neun oder zwölf spezielle Becher, mit denen man möglichst schnell Pyramiden auf- und abbaut. Dies geschieht mit beiden Händen, auch überkreuzt. Einmal im Monat trifft sich Anouk mit den Vereinskollegen im Trainingslokal in Othmarsingen. Und dreimal im Jahr nimmt sie an Turnieren der Swiss Stacking League teil, die von Yannik Tschan organisiert werden. 


Turnier ohne Zuschauer
Der 26-jährige Tschan zeichnet zusammen mit einem kleinen Team für den Aufbau dieser Sportart in der Schweiz verantwortlich. «Erfunden» wurde das Sport Stacking in Kalifornien und ist dabei, sich in die ganze Welt zu verbreiten. Yannik Tschan koordiniert zudem die Teilnahme der vier Vereine in Othmarsingen, Magden, Reiden und Zunzgen an internationalen Wettbewerben. «Ein zeitintensives Hobby», betont Tschan, das er jedoch nicht missen möchte. In Planung ist ein Turnier Ende August in Othmarsingen – die Durchführung muss jedoch ohne Zuschauer stattfinden. Infos zum Sport und zu den Turnieren unter www.speedstacks.ch.

 

 

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