04.06.2020

Ohne Imker gäbe es keine Honigbienen

Damit der Honig schön cremig wird: Imkerin Susanne Zumsteg beim Verarbeiten mit dem elektrischen Rührstab. Foto: Carolin Frei
Idyllisch am Waldrand platziert: Das Zuhause von fünf Wirtschafts- und zwei Jungvölkern. Foto: Carolin Frei

Damit der Honig schön cremig wird: Imkerin Susanne Zumsteg beim Verarbeiten mit dem elektrischen Rührstab. Foto: Carolin Frei

Damit der Honig schön cremig wird: Imkerin Susanne Zumsteg beim Verarbeiten mit dem elektrischen Rührstab. Foto: Carolin Frei
Idyllisch am Waldrand platziert: Das Zuhause von fünf Wirtschafts- und zwei Jungvölkern. Foto: Carolin Frei

Idyllisch am Waldrand platziert: Das Zuhause von fünf Wirtschafts- und zwei Jungvölkern. Foto: Carolin Frei

Von: Carolin Frei

Lenzburg: Seit 2016 ist Susanne Zumsteg aus Lenzburg als Imkerin tätig. Zwölf Völker werden von ihr betreut, die heuer sehr fleissig sind. Die Maiernte brachte 70 Kilo Honig auf die Waage. 

Die Bienen sind in diesem Jahr so fleissig unterwegs, dass wir nicht nur im Mai und Juli, wie üblich, sondern auch im Juni Honig ernten können», sagt Susanne Zumsteg. 2016 hat sie sich in einem Kurs zur Imkerin ausbilden lassen, inspiriert von einem Buch über das Leben der Bienen, das sie als Korrektorin für den Fona Verlag bearbeitete. «Zudem hatte unsere jüngste Tochter in der Schule gerade das Thema Bienen.» 

Damit war die Faszination für diese kleinen Lebewesen und ihre spannende Lebensgemeinschaft entfacht. Noch während des Lehrgangs zur Imkerin kam sie zu ihrem ersten Bienenvolk. In der Nachbarschaft hing ein Schwarm im Baum, den niemand vermisste. Es sei ein ungeschriebenes Gesetz, dass man erst kläre, ob er jemandem gehöre, betont sie. Diesem Schwarm richtete sie in ihrem Garten auf einem Stein eine erste Behausung ein. 

«Auf Ricardo konnte ich dann einen Bienenwagen für fünf Völker erstehen», sagt die 56-Jährige, die auch als Übersetzerin tätig ist. Ein Platz dafür war mit dem Förster schnell gefunden – am Rand des Länzertwaldes. In der Zwischenzeit ist noch ein Bienenhaus mit weiteren fünf Völkern in einem privaten Park in Lenzburg dazugekommen. Und bei der Behausung am Waldrand sind seit Neuestem zwei Jungvölker platziert, die es aufzubauen gilt.

Bienen haben diverse Jobs

Finden die Bienen nach ihrem Sammelflug immer zur richtigen «Wohnung» zurück? «Beim Eingang zum Bienenstock stehen sogenannte Wächterbienen, die nur reinlassen, wer auch reingehört», sagt Zumsteg. Vor allem im Herbst müssen sie wachsam sein, weil das Nahrungsangebot dann knapp wird und gegenseitig Futter stibitzen gang und gäbe ist trotz regelmässiger Fütterung durch den Imker mit Zuckersirup. 

Im Leben einer Biene müssen verschiedene Aufgaben erfüllt werden. Erst ist sie eine Putzbiene, dann eine Amme, nachher baut sie die Waben, danach übernimmt sie von den Sammlerinnen Nektar und Pollen und lagert sie ein, später bewacht sie den Eingang und die Krönung ist das Sammeln von Nektar und Pollen. Ein Leben geprägt von nichts anderem als Arbeit. 

Eine Sommerbiene lebt rund fünf Wochen, eine Winterbiene kann bis zu acht Monate und die Königin bis fünf Jahre alt werden. Den Drohnen, den männlichen Bienen, ist nur ein kurzes Leben von wenigen Wochen beschert. Nach der Begattung der Königin sterben sie. Der Schwarmtrieb bezeichnet die natürliche, angeborene Handlungsbereitschaft der Honigbienen, ihre Staaten durch Teilung zu vermehren. Kurz bevor die erste Jungkönigin schlüpft, schart sich ein Teil des Volkes um die alte Königin und schwärmt mit ihr zusammen aus, um woanders einen Stock aufzubauen.

Honigernte ist intensiv

Wie genau kommt ein Imker nun zum Honig? «Im Brutraum befinden sich Waben mit der Brut und einem Futterkranz aus Pollen und Honig. Auf diese ‹Wohnung› wird ein Honigaufsatz platziert. Nur dieser Honig wird geerntet», betont Zumsteg. Erst gilt es, den Wachsdeckel über dem Honig zu entfernen. Kein einfaches Unterfangen. Dann kommen die Waben in eine Schleuder, die Honig und Wabe trennt. 

Erstmals macht Susanne Zumsteg heuer auch cremig gerührten Honig. «Täglich muss ich ihn ein paar Minuten rühren. Und dies über mehrere Tage», sagt sie. 70 Kilo aus der Maiernte hat sie bereits verarbeitet, im Juni kommt die zweite Portion zum Zug und im Juli noch der Rest. Nach der letzten Ernte werden die Bienen gegen die Varroamilbe behandelt und dann mit Zuckersirup aufgefüttert. «Ohne Imker würden die Honigbienen heutzutage nicht mehr überleben», betont Zumsteg. Und die Menschheit wohl auch nicht ohne Bienen.

Alles wird verwertet

Die Lenzburgerin stellt jedoch nicht nur Honig her, sondern verwertet auch alles andere, was im Bienenstock nicht mehr benötigt wird. Daraus entstehen Kerzen, Lippenpomade oder Wachstücher, die anstelle von Plastikfolie genutzt werden können. Um ihr Wissen zu vertiefen, lässt sich Zumsteg in einem vierjährigen Lehrgang zur Imkerin mit eidgenössischem Fachausweis ausbilden. 

Wer sich über Besuch von Bienen freuen würde, der sollte auf dem Balkon oder im Garten vor allem einheimische Pflanzen berücksichtigen. Alle Weidensorten, Katzenminze, Salbei, Storchenschnabel und allgemein heimische Blühpflanzen sind begehrt, stehen zuoberst auf dem Speiseplan der Bienen. Und wer gerne Honig auf sein Brot streicht, weiss ja nun, wo er dieses Produkt in Bioqualität und anderes mehr beziehen kann.

    Der Lenzburger Bezirks-Anzeiger und der Seetaler sind Publikationen der CH Media AG | Datenschutz