30.04.2020

«Einen Sponsor zu haben, wäre cool»

In ihrem Element: Die Lenzburger Para-Sportlerin Nora Meister im Schwimmbecken. Archivfoto: zvg/Célina Hangl
Paralympics als grosses Ziel: Nora Meister unterhalb des Schlosses Lenzburg. Foto: Ruedi Burkart
Training daheim: Nora Meister in ihrem eigenen Fitnessstudio. Foto: zvg

In ihrem Element: Die Lenzburger Para-Sportlerin Nora Meister im Schwimmbecken. Archivfoto: zvg/Célina Hangl

In ihrem Element: Die Lenzburger Para-Sportlerin Nora Meister im Schwimmbecken. Archivfoto: zvg/Célina Hangl
Paralympics als grosses Ziel: Nora Meister unterhalb des Schlosses Lenzburg. Foto: Ruedi Burkart
Training daheim: Nora Meister in ihrem eigenen Fitnessstudio. Foto: zvg

Paralympics als grosses Ziel: Nora Meister unterhalb des Schlosses Lenzburg. Foto: Ruedi Burkart

In ihrem Element: Die Lenzburger Para-Sportlerin Nora Meister im Schwimmbecken. Archivfoto: zvg/Célina Hangl
Paralympics als grosses Ziel: Nora Meister unterhalb des Schlosses Lenzburg. Foto: Ruedi Burkart
Training daheim: Nora Meister in ihrem eigenen Fitnessstudio. Foto: zvg

Training daheim: Nora Meister in ihrem eigenen Fitnessstudio. Foto: zvg

Von: Ruedi Burkart

Lenzburg: Die 17-jährige Para- Sportlerin Nora Meister sitzt seit Beginn der Coronakrise auf dem Trockenen. Weil Hallen- und Freibäder nicht geöffnet sind, muss sich die Spitzenschwimmerin anderweitig fit halten. 

Die Situation sei für sie nicht einfach, hält die Weltrekordhalterin über 200 Meter Rücken fest: Speziell im Hinblick auf die anstehende Selektion für die auf nächstes Jahr verschobenen Paralympics, wie Nora Meister im persönlichen Gespräch offenbart.

Nora Meister, wir treffen uns bei strahlendem Sonnenschein unterhalb des Schlosses Lenzburg zum Interview. Eigentlich bestes Wetter für ein Schwimmtraining im Freibad …

Nora Meister: Ja, das wäre schön. So langsam ist es tatsächlich an der Zeit, wieder einmal im Hallen- oder Freibad schwimmen zu können. Zum Glück habe ich inzwischen jemanden mit einem Privatpool gefunden, worin ich trainieren darf. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihren letzten Wettkampf hatten Sie an den Schweizer Meisterschaften in Brugg Mitte Januar, als Sie dreimal Gold gewannen. Dann kam Corona – und seither ist alles anders.

Das stimmt. Leider ist auch das nationale Sportzentrum in Magglingen geschlossen. Mit Schwimmen ist dort seither gar nichts.

Training in den eigenen vier Wänden ist demnach angesagt.

Ja. Ich will und muss mich bewegen. Pro Tag investiere ich zwischen zwei und drei Stunden in mein Training. Am Sonntag mache ich Pause. Das muss sein (schmunzelt).

Wie gross ist der Aufwand in normalen Zeiten?

Dann schwimme ich rund achtmal pro Woche und bin so 16 Stunden im Wasser.

Wie muss man sich ein Trockentraining bei einer Spitzenschwimmerin vorstellen?

Ich habe mir ein Zimmer eingerichtet mit einem Schwimmergometer und einem Theraband. Mein Handbike steht im Garten.

Bei schönem Wetter fahren Sie also mit dem Handbike durch die Gegend?

Manchmal fahre ich auf der Rolle. Manchmal unternehme ich Ausfahrten.

Sie wirken alles andere als frustriert. Woher nehmen Sie die Energie, sich jeden Tag von neuem zu motivieren?

Ich habe ein Ziel, und dafür investiere ich ziemlich viel. Wichtig ist aber auch der Faktor Spass.

Sie sprechen von den Paralympics in Tokio, die im Zuge der Coronakrise auf nächstes Jahr verschoben worden sind.

Genau.

2018 wurden Sie von Swiss Paralympics zur «Newcomerin des Jahres» gekürt, letztes Jahr holten Sie an der Para-Weltmeisterschaft zwei Bronzemedaillen, zudem halten Sie den Weltrekord über 200 Meter Rücken, einer nicht-paralympischen Distanz. Darf man zur Paralympics-Qualifikation bereits gratulieren?

(Schmunzelt): Leider noch nicht. Ich sehe gute Chancen, aber definitiv ist noch gar nichts.

Wann wird selektioniert?

Das ist momentan schwierig zu sagen.

Wenn Sie die Selektion nicht schaffen sollten …

… fokussiere ich mich auf die Spiele 2024 in Paris. Ich bin ja noch jung und habe noch viele Möglichkeiten (schmunzelt).

Ein anderes Thema. Spitzensport kostet Geld, egal, ob ein Athlet behindert ist oder nicht. Wie finanzieren Sie Ihre Karriere? Werden Sie von Sponsoren unterstützt?

Meine grössten Donatoren sind meine Eltern. Auch von PluSport (Dachverband für Behindertensport) werde ich unterstützt. Natürlich wäre es cool, auch einen persönlichen Sponsor zu haben. Aber in der aktuellen Situation haben die Firmen andere Sorgen, als das Sponsoring einer Sportlerin zu übernehmen.

Mit anderen Worten, Sie haben sich noch nicht aktiv auf Sponsorensuche gemacht.

Es ist halt ein ziemlich schwieriges Thema. Aber vielleicht liest ja ein potenzieller Geldgeber dieses Interview (schmunzelt).

Sie absolvieren die Sportkanti in Aarau, stehen im zweiten Jahr. In welche Richtung zieht es Sie beruflich?

Da lasse ich mir alle Optionen offen. Erst  einmal die Matura abschliessen, dann sehe ich weiter. Aber ein Studium Richtung Lehrerberuf, das könnte ich mir durchaus vorstellen.

 

14 Leistungsklassen im Para-Schwimmen

Die 17-jährige Nora Meister lebt seit ihrer Geburt mit Arthrogryposis multiplex congenita, einer Versteifung der Gelenke vor allem an den Beinen, sowie einer Hörbehinderung. Gehen kann sie nur mit durchgestreckten Beinen.

Die lebensfrohe junge Frau hat ihr Schicksal in die Hände genommen und gehört seit geraumer Zeit zu den besten Para-Schwimmerinnen der Welt. Aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte startet sie an internationalen Wettkämpfen in der Kategorie S7 weiblich.

An den Paralympics treten Schwimmerinnen und Schwimmer geschlechtergetrennt in insgesamt 14 verschiedenen Behindertenklassen an – je nach Schwere und Art der Behinderung. Nora Meister bewegt beim Schwimmen die Beine nicht, sie verschafft sich durch den Oberkörper und mittels Armzügen Vorschub. Weil auch ihre Fussgelenke versteift sind, ist die Lenzburgerin meist im Rollstuhl unterwegs. (rubu)

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