01.04.2020

Lenzburgiana: Füürio

Füürio: Das April-Motiv der Reihe «Lenzburgiana». Illustration: mphs

Füürio: Das April-Motiv der Reihe «Lenzburgiana». Illustration: mphs

«The house is on fire», die ganze Welt steht in Flammen. Wie ein Lauffeuer verbreiten sich Ereignisse vom anderen Ende der Welt hysterisch bis in die eigene Stube. 

Damals, als diese Welt noch stecknadelkopfgross war und die Kirche im eigenen Dorf stand, legte ein anderes Ereignis ganz Lenzburg lahm. «Füürio!», schrie es durch die mittelalterlichen Gassen, Störche kreischten herzdurchdringend, und wenig später, gegen die 9. Abendstunde am 25. März, wurde es taghell: Mit dem Feuer war Hektik ausgebrochen und ganz Lenzburg eingeäschert. Nichts war mehr so wie zuvor. Was war geschehen? 

Was Chroniken nur marginal wiedergeben, weiss die Sage um den Lenzburger Stadtbrand von 1491 umso lebhafter zu berichten: Einmal sei Jung-Bröchi-Hans, ein arger Galgenstrick und Sohn eines Lenzburger Brotschauers, aufs Kirchendach geklettert und habe den Jungstörchen den Hals umgedreht. Die alten Störche hatten sich im nahen Bölliweiher gerade Frösche für den Nachwuchs geschnappt und waren im Anflug zum erhabenen Nest.

Als diese die grausame Tat bemerkten, begannen sie ohrenbetäubend zu schreien und wie wild um den Kirchturm zu kreisen, bis das Dach Feuer fing. Den Bengel stiessen die aufgebrachten Vögel mit scharfen Schnabelhieben in die infernalische Feuersbrunst, die innert Kürze die ganze Stadt in Schutt und Asche legte. 15 Häuser sind geblieben, darunter die Häuser im Höfli, der Turm, die Lateinschule und das Landsgericht.

Auch eine Sage der Aborigines berichtet vom Spuk sogenannter «Firehawks». Brandstiftervögel wurden übrigens in Australien kürzlich beobachtet. Ob sich die Lenzburger Störche der glühenden Kohlen aus Bröchis Brotöfen bedienten, ist hingegen nicht überliefert. (mphs)

 

Plakat finden und Preise gewinnen. Das Projekt «Lenzburgiana» wurde vom Museum Burghalde lanciert. Während eines Jahres werden monatlich humorvolle Grafiken zu Lenzburger Besonderheiten präsentiert. Das Motiv wird in Plakatgrösse irgendwo im Städtli erscheinen. Der Text dieser Kolumne verrät den Standort. Die witzigsten Selfies vor diesem Plakat werden prämiert. Handyfotos mit Namen und E-Mail-Adresse senden an: burghalde@lenzburg.ch. PS: Und die Postkarte dazu gibts im Museumsshop.

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