Im Gespräch
13.11.2019

Schlossscheune wird Vogelpflegestation

<em>Bereit für gefiederte Patienten:</em> Brigitte Urech, Jacqueline Lehn sowie Sarah und Monica Locher vor der Vogelpflegestation Unteres Seetal in der Schlossscheune. Foto: Julian Locher<em>Liebevoll umsorgt:</em> Verletzter Patient in der Vogelpflegestation. Foto: zvg/vpsus

Bereit für gefiederte Patienten: Brigitte Urech, Jacqueline Lehn sowie Sarah und Monica Locher vor der Vogelpflegestation Unteres Seetal in der Schlossscheune. Foto: Julian Locher

Liebevoll umsorgt: Verletzter Patient in der Vogelpflegestation. Foto: zvg/vpsus

Lenzburg Derzeit wird die Vogelpflegestation Unteres Seetal aufgebaut und in der Schlossscheune am Ells- worthweg 4 eingerichtet. Eine Vogelpflegestation für verletzte und verwaiste Vögel entspricht einem Bedürfnis.

Alfred Gassmann

Zu den drei Vogelpflegestationen Oftringen, Mellingen und Möhlin kommt, unter dem Patronat von BirdLife Aargau, eine vierte hinzu, nämlich die Vogelpflegestation Unteres Seetal in Lenzburg. Das Projektteam besteht aus Jacqueline Lehn, Ammerswil, Brigitte Urech, Seon, sowie Monica und Sarah Locher, Lenzburg.

Verletzte Kleinvögel, Segler und Schwalben zu pflegen, entspricht im Kanton Aargau einem Bedürfnis und dies lässt sich leicht belegen. In den Jahren 2018 und 2019 wurden im Unteren Seetal, als vorläufige Aussenstation von Oftringen, pro Jahr etwa 50 Pfleglinge und mindestens 200 Telefonate entgegengenommen.

In Kiste setzen und informieren

Gefahren für Vögel wie Glasscheiben, Fahrzeuge, Gebäude, Kamine und Katzen lauern überall. Das Bild ist nicht selten: Ein Klein- oder Jungvogel oder ein Segler wird am Boden aufgefunden, wahrscheinlich verletzt. Was tun? Vögel darf man ohne Handschuhe anfassen, sie in eine gepolsterte Kiste setzen, warm und dunkel halten.

Nach der Rettung des Vogels und einer groben Beurteilung ist als erste Massnahme Kontakt unter der regionalen Notfallnummer 0765027130 aufzunehmen oder unter www.birdlife-ag.ch, Stichwort Vogelpflege. Alsdann gilt es, in der Station die Verletzung des Vogels näher zu beurteilen, ihn zu pflegen, zu füttern, mit Wasser zu versorgen und an der Wärme zu halten.

Rabenvögel wie Krähen oder Elstern sollten beim Fundort beobachtet und, wenn nötig, vor Gefahren wie Katzen oder Fahrzeugen in ein Gebüsch gesetzt werden. Für das weitere Vorgehen ist unbedingt eine Pflegestation zu kontaktieren.

Auf die Aufgaben vorbereitet

Die vier pflichtbewussten Frauen können im Aufbau der Vogelpflegestation Unteres Seetal bereits auf eine Menge Arbeit zurückblicken. Jacqueline Lehn hat das Vogelpflege-Praktikum in der Vogelwarte Sempach absolviert und Brigitte Urech den Kurs Vogelpflege BirdLife Aargau.

Unentbehrliche Teamstützen bilden Monica und Sarah Locher als ausgebildete Feldornithologinnen. «Ziel ist es, den gepflegten Vogel wieder auszuwildern und so dem Kreislauf der Natur zurückzugeben», erklärt Monica Locher. Das Pflegeteam darf auch dankbar auf die Hilfe von Tierärzten zählen.

Schlossscheune als Standort

Auf der Suche nach einem räumlichen Bezugsort für die Vogelpflegestation sind die vier Frauen fündig geworden. Sie dürfen inskünftig einen Teil der Schlossscheune am Ellsworthweg 4 in Lenzburg nutzen und einen Holzpavillon einbauen.

Das Projekt Vogelpflegestation durfte viel Goodwill und Unterstützung von Stadtrat Martin Steinmann sowie vom Bauamt mit Daniel Käppeli und Thomas Hofstetter erfahren. Die Betriebsbewilligung der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei ist in Aussicht gestellt und der Mietvertrag mit der Stadt Lenzburg liegt unterschrieben vor. Perspektiven und Papiere, die beflügeln.

Besuchstag im Frühjahr 2020

Die Vogelpflegestation Unteres Seetal verdient Anerkennung für ihren Mut. Denn regelmässige Einnahmen sind nicht gesichert und die Betriebskosten müssen mit Spenden oder Sponsoring abgedeckt werden. Für ein Startkapital haben die Vogelwarte Sempach und verschiedene Natur- und Vogelschutzvereine der Region gesorgt.

Gesucht werden noch Helfer, die anpacken bei der Pflege, Fütterung und der Reinigung der Käfige und des Raumes. Ein absolvierter Pflegekurs wird nicht vorausgesetzt. Im Frühsommer 2020 wird die Möglichkeit bestehen, einen Blick in den Pflegebetrieb zu werfen.