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23.10.2019

«Die lustige Witwe» erscheint in neuem Kleid

<em>Freude herrscht in Pontevedro ob dem Geldsegen, der da vom Himmel fällt: </em>Dank der lustigen Witwe und deren Vermögen soll der Staatsbankrott abgewendet werden.Fotos: Peter Siegrist<em>Spielt den Part der lustigen Witwe: </em>Sopranistin Andrea Hofstetter.<em>Sorgen für das passende Ambiente: </em>Mitglieder des Chors.<em>Vergnügt sich gerne und oft im Maxim’s:</em> Graf Danilo inmitten der leichten Damen.<em>Immer dabei: </em>Staatsdiener Njegus.

Freude herrscht in Pontevedro ob dem Geldsegen, der da vom Himmel fällt: Dank der lustigen Witwe und deren Vermögen soll der Staatsbankrott abgewendet werden.Fotos: Peter Siegrist

Spielt den Part der lustigen Witwe: Sopranistin Andrea Hofstetter.

Sorgen für das passende Ambiente: Mitglieder des Chors.

Vergnügt sich gerne und oft im Maxim’s: Graf Danilo inmitten der leichten Damen.

Immer dabei: Staatsdiener Njegus.

Möriken-Wildegg Die Operette Möriken-Wildegg lud zur Premiere von Franz Lehárs «Die lustige Witwe» in den Gemeindesaal. Vor ausverkauftem Haus zeigten die Darsteller eine gelungene, mitreissende Neuinszenierung des Klassikers.

carolin frei

Eins gleich vorweg: Das Premierenpublikum war mehr als begeistert, was der frenetische Schlussapplaus belegte. Die Hauptdarsteller liessen es sich daraufhin nicht nehmen, als Abschieds-Amusement einen French Cancan aufs Parkett zu legen. Doch alles der Reihe nach. Der Gemeindesaal in Möriken füllte sich zeitig, die Gäste wollten offenbar nicht riskieren, bei der Premiere der 40. Inszenierung in der Geschichte der Operette Möriken-Wildegg das Schlusslicht zu sein.

Und so öffnete sich denn der schwere Bühnenvorhang pünktlich, um der ebenso «schweren» Liebesgeschichte rund um Graf Danilo und die schwerreiche Witwe Hanna Glawari ihren Lauf zu lassen. Danilo wird von Raimund Wiederkehr verkörpert, Hanna von der Lenzburgerin Andrea Hofstetter. Den Einstieg in die Handlung, die im imaginären Staat Pontevedro um die 1920 spielt, übernimmt Staatsdiener Njegus in der Person des Wildeggers Erich Zwahlen. Den Staat plagen Geldnöte, er ist bankrott. Da löst die Meldung, die Witwe Hanna komme aus Paris zu Besuch, Euphorie unter den Staatsmänner aus. Einer von ihnen müsse sie einfach ehelichen, um Pontevedro um 2 Milliarden reicher zu machen.

Ende gut, alles gut

Doch so einfach gestaltet sich das Unterfangen mit Hanna nicht. Auch Graf Danilo, ihre Jugendliebe, lässt sie einfach abblitzen. Hanna hat ihm noch nicht verziehen, dass er sie seinerzeit sitzen liess, weil sein Vater die Liebe zu einem Mädchen vom Land nicht duldete. Für Verstrickungen sorgt schliesslich auch Valencienne (Flurina Ruoss), die junge Ehefrau von Baron Zeta (Niklaus Rüegg). Sie kann der Umwerbung von Rossillon (Fabio De Giacomi) nicht länger widerstehen. Beim Stelldichein sind die beiden Verliebten beinahe aufgeflogen, wäre da nicht Hanna gewesen. Sie rettet die Ehre von Valencienne, indem sie ihre eigene Verlobung mit Rossillon verkündet. Worauf Danilo in die Arme jener Frauen flüchtet, die ihn schon länger trösten – der Damen vom Maxim’s. Doch es kommt, wie es kommen muss. Danilo und Hanna finden sich doch noch und dürfen sich fürs Finale herzhaft küssen.

Die Neuinszenierung, bei der der 24-jährige Simon Burkhalter für die Regie und das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, kommt äusserst erfrischend daher. Ein leuchtender Christbaum und sanfter Schneefall sorgen für eine winterliche Stimmung. Die abgestufte Bühne für eine spannende Tiefe. Auch die Begleitung durch den Chor, die Tänzer und die Musiker, die unter der Leitung von Renato Botti aufspielen, überzeugt.

«Man muss es gesehen haben»

So erstaunt denn nicht, dass das Publikum, wie eine kleine Umfrage zeigt, voll des Lobes war. «Mir hat die Aufführung sehr gut gefallen, sie kommt beschwingt daher. Ich werde sie wohl ein zweites Mal besuchen», sagt der Möriker Vizeammann Markus Eichenberger. «Hervorragend, man muss es einfach gesehen haben», schwärmt Peter Schaffner aus Möriken. Er muss es wissen, war er doch über 50 Jahre lang ein treues Mitglied der Operette Möriken-Wildegg. «Man wird vom Geschehen richtiggehend mitgerissen. Die Darsteller leben ihre Rollen auf der Bühne, das spürt man», sagt Maja Riniker aus Suhr. Das Bühnenbild, die Musik und die Kostüme kamen ebenfalls äusserst gut bei ihr an.

Ein Stück, das alle Sinne anspricht

«Beim Bearbeiten des Stoffs habe ich mir erlaubt, sehr frei mit der Vorlage umzugehen, die Motten aus der Mottenkiste zu schütteln. Ich habe versucht, ein Stück zu schaffen, das alle Sinne anspricht», sagt Regisseur Simon Burkhalter. Die emotionalen Höhen und Tiefen der Figuren herauszuarbeiten, weg vom Holzschnitt zu gehen, sei ihm ein grosses Anliegen bei dieser Inszenierung gewesen. Alle Figuren sind getrieben von ihren Gefühlen, halt- und rastlos in ihrem Leben. Als Gegengewicht zu den intimen Szenen steht in dieser Inszenierung der Chor, die Gesellschaft Pontevedros, feierwütig und bankrott, ein Tanz auf dem Vulkan. «Für mich ist der Chor jeweils ein riesiges Kapital», betont Burkhalter.

Operette «Die lustige Witwe». Aufführungen im Gemeindesaal Möriken, Derniere am 29. November, Vorverkauf platzgenau unter www.operette.ch. Telefon 0628871199, jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 16 Uhr.