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18.09.2019

Das Leben wie anno dazumal fasziniert

<em>Stimmungsbild vom letztjährigen Wikinger- und Mittelalterspektakel in Villmergen: </em>Über 3000 Besucher liessen sich in die Welt der Wikinger und Kelten entführen. Foto: zvg<em>Wie man früher gelebt hat, fasziniert die beiden so sehr, dass das Hobby zum Beruf wurde: </em>Yves und Nadine Hayoz aus Niederlenz.

Stimmungsbild vom letztjährigen Wikinger- und Mittelalterspektakel in Villmergen: Über 3000 Besucher liessen sich in die Welt der Wikinger und Kelten entführen. Foto: zvg

Wie man früher gelebt hat, fasziniert die beiden so sehr, dass das Hobby zum Beruf wurde: Yves und Nadine Hayoz aus Niederlenz.

Niederlenz Nadine und Yves Hayoz sind in der warmen Jahreszeit beinahe jedes Wochenende an einem Mittelalter-Anlass. Nicht etwa als Zuschauer, sondern als Akteure.

carolin frei (Text und Foto)

Wie die Wikinger oder etwa die Kelten früher gelebt haben, hat uns sozusagen schon von Kindsbeinen an interessiert», sagen Nadine und Yves Hayoz, die lieber mit ihren neuen Namen Jera und Höiu angesprochen werden. So erstaunt denn nicht, dass die beiden immer wieder einmal einen Mittelalter-Anlass besuchten. «Bei diesen Besuchen kam die Idee auf, dass es doch toll wäre, wenn man auch gleich auf dem Festivalgelände übernachten könnte», erinnern sich die beiden. Das war 2014 denn auch der Startschuss, Hobby und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Um dies umsetzen zu können, haben sie den Verein Corvus Nidum ins Leben gerufen, der inzwischen 15 Mitglieder zählt.

Material wird selbst hergestellt

Seit zwei Jahren sind Jera und Höiu nun ausschliesslich als Mittelalter-Akteure unterwegs. Das Material, das sie dazu benötigen, haben sie fast alles selbst hergestellt. Dies sind etwa Schilde, Schwerter, Friedhofkreuze, beschriftete Tafeln, Zelte, Tische, Stühle, eine Bühne und anderes mehr. Auch das passende Gewand ist selbst gemacht. Hilfreich dabei ist bestimmt die Tatsache, dass Höiu als gelernter Zimmermann über das nötige Rüstzeug verfügt, um etwa Zelte und Häuser bauen zu können.

«2014 haben wir mit der Hotellerie begonnen. Doch dies ist uns zu aufwändig geworden», sagt Höiu. Da die Zelte aus Stoff und nicht etwa aus Plastik sind, erschwert es das Trocknen. Nun konzentrieren sich die beiden vermehrt auf das Organisieren von Mittelalter-Anlässen und auf das Zubereiten von Speisen und Getränken wie anno dazumal. Auf der Karte stehen etwa Linseneintopf, Haferbrei, Spätzli oder aber Wikingerspiesse mit Poulet-, Schweine- und Rindfleisch. Ein Highlight ist zudem der Met – ein Honigwein. «Zubereitet wird er mit Honig, Wasser, Hefe und viel Liebe», sagt Höiu schmunzelnd. Die beiden versuchen, soweit wie möglich authentisch zu kochen. Doch Hygienevorschriften machen ihnen da und dort einen Strich durch die Rechnung. «Holzbretter zum Zubereiten oder Anrichten von Esswaren sind verboten», betonen sie.

Fast jedes Wochenende unterwegs

Nichtsdestotrotz macht ihnen das Bewirten wie anno dazumal Spass, was sie auch bei Firmenanlässen, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern unter Beweis stellen. Während der Saison sind Jera und Höiu an fast jedem Wochenende unterwegs, übers Jahr kommen so über 20 Events zusammen. Die ruhigen Monate nutzen sie, um neues Material zu kreieren oder Flickarbeiten am bestehenden zu machen. Oder aber, um ganze Schulklassen in einer Lagerwoche ins Reich der Wikinger zu entführen.

Mitmachen ist erlaubt

Wer die beiden live an einem Event erleben möchte, hat am Wikinger- und Mittelalterspektakel «wums» vom 27. bis 29. September in Villmergen beste Gelegenheit dazu. «Kochen werden wir dann aus Zeitgründen nicht, sind wir als Organisatoren doch anderweitig eingebunden. Aber natürlich werden Mittelalter-Akteure für eine Verköstigung der Besucher sorgen. Wir erwarten wiederum gegen 3000 Besucher.»

Am Spektakel selber dürfen alle Erwachsenen, die entsprechend «gewandet» sind, an der Schlacht mitmachen. Auch ein Fackelumzug, ein Feuerspucker und ein Mittelaltermarkt stehen auf dem Programm. Nicht zu vergessen die drei Bands, die die musikalische Umrahmung übernehmen, oder aber der Geschichtenerzähler, der Drechsler, Schmied, Falkner oder Quacksalber, die für Unterhaltung sorgen. Sogar ein Tattoo kann man sich stechen lassen – wie anno dazumal.

Auch Workshops dürfen besucht werden, etwa «Met sieden», «Speckstein schleifen» oder «Bogenbau für Kinder». Am Abend kann man dann die Lagerfeuerstimmung geniessen. Wer also für ein Wochenende in eine andere Welt tauchen möchte, hat am «wums»-Spektakel Gelegenheit dazu. Und wer sich als Helfer engagieren möchte, darf dies ebenfalls gerne tun.

Freitag, 27. bis Sonntag, 29. September, Wikinger- und Mittelalterspektakel «wums», Villmergen (Festgelände ausgeschildert). Tages- oder Wochenendpässe erhältlich. Detaillierte Infos zum Programm unter www.wums.ch.