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11.09.2019

Jeder zehnte Nationalratskandidat kommt aus der Region

<em>Der aussichtsreichste der 50 Nationalratskandidaten aus der Region:</em> Werbung für Alois Huber auf Siloballen in Lenzburg. Foto: Fritz Thut

Der aussichtsreichste der 50 Nationalratskandidaten aus der Region: Werbung für Alois Huber auf Siloballen in Lenzburg. Foto: Fritz Thut

Wahlen Exakt 50 Kandidaten für die Nationalratswahlen vom 20. Oktober wohnen im Einzugsgebiet dieser Zeitung. Damit stellt die Region 10,08 Prozent aller Möchtegern-Parlamentarier.

Fritz Thut

Angesichts der Zahlen der letzten beiden Nationalratswahlen kann man diesmal in der Region (26 Mitgliedgemeinden des Verbandes Lebensraum Lenzburg-Seetal plus Auenstein und Veltheim) von einer wahren Kandidatenflut sprechen: 2011 gab es hier 29 «Bern»-Aspiranten, 2015 deren 34.

Mit 50 Kandidaten stellt die Region ziemlich genau einen Zehntel aller 496 Aargauer Kandidaten. Dieser Anteil erscheint nur auf den ersten Blick hoch, denn die Region ist mathematisch knapp untervertreten: Ende 2018 wohnten 11,22 Prozent aller Aargauer in der Region.

Bei den effektiven Vertretern im Nationalrat ist das Einzugsgebiet dieser Zeitung viel deutlicher untervertreten: Mit dem Grünliberalen Beat Flach aus Auenstein kommt die Region auf 6,25 Prozent aller Aargauer Nationalräte – und dieser wohnt erst noch ganz an der Peripherie der Region. Der letzte Nationalrat aus dem Bezirk Lenzburg wurde 2007 gewählt.

Huber in aussichtsreicher Position

Dies könnte sich diesmal ändern. Wie damals hat ein Landwirtschaftsvertreter gute Chancen, das Ticket nach Bern zu lösen: Alois Huber (SVP), Grossrat und ehemaliger Vizeammann von Möriken-Wildegg, steht auf der SVP-Liste (bisher 7 Nationalräte) auf Position 4. Vor vier Jahren rückte Huber vom zwölften Listenplatz auf die zweite Ersatzposition vor. Und inzwischen wurde er zum Präsidenten des Aargauer Bauernverbandes gewählt.

Bei den andern Regierungsparteien ist kaum damit zu rechnen, dass ein regionaler Vertreter die Wahl schafft. Einzig die Freisinnige Jeanine Glarner könnte eventuell von der zusätzlichen Popularität durch ihre Kandidatur bei der gleichzeitigen Regierungsratsersatzwahl etwas profitieren.

Gemäss den Politbeobachtern sind die Chancen einer andern Frau aus der Region grösser einzuschätzen. Barbara Portmann-Müller aus Lenzburg könnte den Sprung nach Bern schaffen, wenn ihre Partei, die auf dem Klima-Hype reitenden Grünliberalen, einen zweiten Sitz erobern. Hinter dem wieder kandidierenden Beat Flach ist die fleissige Grossratsfraktionspräsidentin in der Pole-Position.

Masse statt Klasse bei der CVP

Die Zahl der Kandidierenden aus der Region ist im Vergleich zu früheren Jahren derart hoch, weil bei der CVP nicht weniger als neun Listen eingereicht wurden. Dies führt dazu, dass allein aus dieser Ecke 17 Namen aus der Region zur Wahl stehen. Als aussenstehender Beobachter bekommt man leicht den Eindruck, dass jeder, der die drei Buchstaben C, P und V schon einmal in der richtigen Reihenfolge notiert hat, einen Platz auf einer der Listen auf sicher hatte.

Mit Markus Zemp (Schafisheim, Nationalrat vom 18. September 2006 bis am 4. Dezember 2011) stellt die CVP zwar den letzten Nationalrat, der bei der Wahl (2007) im Bezirk Lenzburg wohnhaft war. Doch den früher deutlich reformierten Bezirk Lenzburg kann man nicht als CVP-Hochburg bezeichnen: Bei den Grossratswahlen 2016 kam man nicht einmal mehr auf einen Wähleranteil von 6 Prozent und erreichte in der Parteienrangliste nur den 7. Platz.

Vor diesem Hintergrund mutet die Kandidatenflut nahezu grotesk an. Obwohl mit der umtriebigen Grossrätin Sabine Sutter-Suter (Lenzburg) und der auf der CVP-Liste für Land- und Ernährungswirtschaft topgesetzten kantonalen Landfrauenverbandspräsidentin Lotti Baumann (Beinwil am See) auch potenzielle politische Schwergewichte auszumachen sind, wirkt hier alles ein wenig nach «Masse statt Klasse».

Kriterien der Wähler unbekannt

Nach welchen Kriterien das Stimmvolk den Wahlzettel ausfüllt, ist weitgehend unbekannt. Treue Parteisoldaten werden nur Eigene wählen und die Auswahl ebenso nach spontanen, visuellen oder bestenfalls persönlichen Vorlieben treffen, wie der grosse Harst, der sich seine 8 bis 16 Namen aus den 496 Kandidaten auf den 36 Listen zusammensucht. Vielleicht spielen Wohnort und Herkunft ja auch eine Rolle.

Nationalratskandidaten aus der Region

Aufteilung nach Parteien. SVP: 2 (1 Hauptliste/1 Nebenlisten); SP 2 (1/1); FDP 3 (1/2); CVP 17 (4/13); Grüne 5 (1/4); GLP 7 (4/3); BDP 9 (3/6); EVP 2 (1/1); Piratenpartei 1; Luzi Stamm 1; Team65+ 1.

Aufteilung nach Wohnort. Lenzburg 15; Möriken-Wildegg 6; Beinwil am See, Birrwil, Seon je 4; Boniswil, Dintikon, Hendschiken, Rupperswil, Schafisheim, Staufen je 2; Auenstein, Egliswil, Fahrwangen, Othmarsingen, Seengen je 1; restliche 12 Gemeinden 0.

Drei Kandidaten mit unterschiedlichen Chancen

Stände- und Regierungsratswahlen Die Region ist auch bei den Ständeratswahlen und den zeitgleich angesetzten Regierungsratsersatzwahlen mit Kandidaten vertreten.

Für die zwei neu zu besetzenden Aargauer Ständeratssitze wurden total zehn Kandidaten angemeldet, darunter mit Grossrätin Maya Bally (BDP, Hendschiken) und Nationalrat Beat Flach (GLP, Auenstein) zwei Vertreter von Nichtregierungsparteien aus der Region. Auch wenn es sich hier um Persönlichkeitswahlen handelt, dürften die Chancen gegen die Kandidaten der grossen Parteien doch eher bescheiden sein.

Anders sieht es beim Rennen um die Nachfolge der zurückgetretenen Regierungsrätin Franziska Roth (Ex-SVP) aus: Hier hat die Möriker Gross- und Gemeinderätin Jeanine Glarner (FDP) nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihres bisherigen politischen Leistungsausweises durchaus gute Chancen. (tf)