Im Gespräch
22.09.2021

150 Jahre Werner Büchly: Auf den Spuren eines verkannten Genies?

Wahres Prunkstück: Museumsleiter Marc Philip Seidel neben «Sechs Stationen zum Leben und Tod Jesu», einem Originalentwurf für die beiden Glasfenster in der reformierten Kirche in Lenzburg von Werner Büchly, in der Pop-up-Ausstellung im Museum Burghalde. Foto: Fritz Thut
Helvetische Legenden: Werner Büchlys Tell und Winkelried an der Fassade des Angelrain-Schulhauses in Lenzburg. Foto: zvg
Philosophisches in Boniswil: Ausschnitt aus Werner Büchlys Wandbild «Die Welträthsel» an der  Fassade der Villa Gautschi (heute Haus Fischer) an der Seengerstrasse 12. Foto: zvg

Wahres Prunkstück: Museumsleiter Marc Philip Seidel neben «Sechs Stationen zum Leben und Tod Jesu», einem Originalentwurf für die beiden Glasfenster in der reformierten Kirche in Lenzburg von Werner Büchly, in der Pop-up-Ausstellung im Museum Burghalde. Foto: Fritz Thut

Wahres Prunkstück: Museumsleiter Marc Philip Seidel neben «Sechs Stationen zum Leben und Tod Jesu», einem Originalentwurf für die beiden Glasfenster in der reformierten Kirche in Lenzburg von Werner Büchly, in der Pop-up-Ausstellung im Museum Burghalde. Foto: Fritz Thut
Helvetische Legenden: Werner Büchlys Tell und Winkelried an der Fassade des Angelrain-Schulhauses in Lenzburg. Foto: zvg
Philosophisches in Boniswil: Ausschnitt aus Werner Büchlys Wandbild «Die Welträthsel» an der  Fassade der Villa Gautschi (heute Haus Fischer) an der Seengerstrasse 12. Foto: zvg

Helvetische Legenden: Werner Büchlys Tell und Winkelried an der Fassade des Angelrain-Schulhauses in Lenzburg. Foto: zvg

Wahres Prunkstück: Museumsleiter Marc Philip Seidel neben «Sechs Stationen zum Leben und Tod Jesu», einem Originalentwurf für die beiden Glasfenster in der reformierten Kirche in Lenzburg von Werner Büchly, in der Pop-up-Ausstellung im Museum Burghalde. Foto: Fritz Thut
Helvetische Legenden: Werner Büchlys Tell und Winkelried an der Fassade des Angelrain-Schulhauses in Lenzburg. Foto: zvg
Philosophisches in Boniswil: Ausschnitt aus Werner Büchlys Wandbild «Die Welträthsel» an der  Fassade der Villa Gautschi (heute Haus Fischer) an der Seengerstrasse 12. Foto: zvg

Philosophisches in Boniswil: Ausschnitt aus Werner Büchlys Wandbild «Die Welträthsel» an der Fassade der Villa Gautschi (heute Haus Fischer) an der Seengerstrasse 12. Foto: zvg

Lenzburg Unter dem Titel «Helden und Propheten» ist im Museum Burghalde eine Pop-up-Ausstellung zu sehen, die dem vor 150 Jahren geborenen Künstler Werner Büchly gewidmet ist. Sein teilweise wegweisendes Wirken wurde vielfach verkannt. Museumsleiter Marc Philip Seidel will dies nun korrigieren. Am 4. November erscheint ein Buch über den Wiederentdeckten.

Von: Fritz Thut

Besser bekannt als sein Name sind in der Region die Werke von Werner Büchly. Der 1871, also vor 150 Jahren, geborene Künstler hat vor allem an Fassaden von Gebäuden seine markanten Spuren hinterlassen.

Vielleicht am bekanntesten sind seine überlebensgrossen Darstellungen der Schweizer Volkshelden Wilhelm Tell und Arnold Winkelried links und jene von Erzieher Heinrich Pestalozzi und Reformator Huldrych Zwingli rechts des Haupteingangs des Lenzburger Angelrain-Schulhauses. Hier findet man zudem im Innern weitere Wandmalereien.

Die erste Huldigung

Vor exakt 100 Jahren realisierte Büchly zudem eindrückliche Wandbilder in der Pfarrkirche in Othmarsingen. Nicht zuletzt dieses doppelte Jubiläum nahm das Museum Burghalde, in dessen Sammlung sich zahlreiche weitere Werke Büchlys befinden, zum Anlass für eine Pop-up-Ausstellung.

Mit der Präsentation dieser vorher nie gezeigten Werke und Entwürfe im Umfeld des Ikonenmuseums im Untergeschoss wird «dem vergessenen Lenzburger Meister erstmals überhaupt gehuldigt», wie Marc Philip Seidel, der Leiter des Museums Burghalde, festhält.

Epochemachende Techniken

Im Rahmen der Recherchen zu dieser Ausstellung wurde Seidel offensichtlich zu einem richtigen Fan des im Dezember 1942 verstorbenen Werner Büchly. Wenn er von seinen Entdeckungen erzählt, gerät er manchmal ins Feuer. «Werner Büchly wurde zu Lebzeiten von der Gesellschaft nicht verstanden», ist ein Schluss, den Seidel zieht.

Diese Aussage bezieht der Museumsleiter nicht nur auf den philosophischen Hintergrund, den Büchly subtil in seine Wandbilder einbettete, sondern auch auf gewisse Arbeitstechniken bei den Sgraffiti-ähnlichen Wandmalereien, deren epochemachende Neuerungen er erst durch intensive Studien feststellte.

Buch über Leben und Werk

Neben der Ausstellung im Burghalde-Museum soll des verkannten Lenzburger Künstlers mit einem Buch gedacht werden. Am 4. November erscheint eine umfassende Jubiläumspublikation.

Der reich bebilderte Band, der anschliessend im Museumsshop erworben werden kann, wird nach Angaben Seidels mit verschiedenen Texten versuchen, «das Leben und Werk des wiederentdeckten Künstlers zu erfassen».

Sakrales und Weltliches

Das künstlerische Werk von Werner Büchly, der als Brotberuf während zehn Jahren als anatomischer Zeichner an der Universität Basel wirkte, lässt sich in drei Bereiche aufgliedern. Seine Wandbilder von Glaubenskriegern und Propheten zieren verschiedene Kirchen. Im reichen Burghalde-Fundus fanden sich zudem zahlreiche Entwürfe, die nicht realisiert wurden, wie etwa die «Sechs Stationen zum Leben und Tod Jesu», die für die Glasfenster der Lenzburger Stadtkirche vorgesehen waren. Werke Büchlys gab es auch in den Krematorien in Aarau und Zürich sowie in der inzwischen abgebrochenen Abdankungshalle in Lenzburg.

Weltliche Figuren zieren Aussenfassade und Treppenhäuser von Schulhäusern. Neben dem Lenzburger Angelrain-Schulhaus ist das Pestalozzi-Schulhaus in Birr eine bekannte Adresse.

Die Suche nach dem Gral

Der dritte Bereich von Büchlys künstlerischer Arbeit war die Ausschmückung von zahlreichen Privatvillen. Noch heute markant zu sehen ist an der Seengerstrasse in Boniswil seine Auseinandersetzung mit bestimmten Philosophien. An der Fassade der Villa Gautschi (heute Haus Fischer) sind Details zu entdecken, die Bezug nehmen auf «Die Welträthsel», ein Hauptwerk des deutschen Philosophen Ernst Heinrich Philipp August Haeckel: ein Embryo, eine junge Frau mit Totenkopf und eine lesende alte Frau.

«Büchly selbst war wohl ein ziemlich einsamer Mensch», vermutet Forscher Marc Philip Seidel. Er sei wohl metaphysisch stets auf der Suche nach dem göttlichen Gral gewesen. Dies manifestierte sich an gewissen Motiven an der Fassade des Hauses Parzival an der Seonerstrasse in Lenzburg, in dem Werner Büchly seinen Lebensabend verbrachte.

Haus Parzival wurde in den 1970er-Jahren abgebrochen. Bezeichnend für die Ignoranz, mit der sich das verkannte Genie zeitlebens konfrontiert sah.