Im Gespräch
02.06.2021

Ausgegraben: Strandfeeling

10 Jahre Unesco-Welterbe: Logo der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen. Foto: zvg
Neu rekonstruiert: Das Pfahlbauhaus in Seengen während der Bauphase. Foto: Fritz Thut

10 Jahre Unesco-Welterbe: Logo der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen. Foto: zvg

10 Jahre Unesco-Welterbe: Logo der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen. Foto: zvg
Neu rekonstruiert: Das Pfahlbauhaus in Seengen während der Bauphase. Foto: Fritz Thut

Neu rekonstruiert: Das Pfahlbauhaus in Seengen während der Bauphase. Foto: Fritz Thut

Von: Jonas Nyffeler

Ein Haus mit Seeanschluss. Wer wünscht sich das nicht. Was heute verklärte Romantik und Luxus ganz weniger ist, war während der Pfahlbauzeit Standard.

Nicht, dass damals die Seesicht das schlagende Argument für den Bauort gewesen wäre (wenn dies auch bereits in der Urgeschichte sicherlich reizvoll war): Damals war es schlicht bequemer, am baumlosen Ufer zu bauen. Kein Urwald musste zuerst für das Bauland gerodet werden und im matschigen Untergrund liessen sich die Hauspfähle wunderbar in den Boden rammen. Frischen Fisch gab es zusätzlich direkt vor der Haustüre und mit dem Einbaum paddelte es sich in Windeseile von A nach B.

Feuchtigkeit konserviert

Mit der Standortwahl ihrer Dörfer bescherten die Pfahlbauer heutigen Wissenschaftlern unbewusst ein Forschungsparadies. Im feuchten Boden und unter Sauerstoffabschluss erhielten sich über die Jahrtausende nicht nur Keramikscherben und Steinartefakte. Auch organische Überreste, vom winzigen Parasitenei bis zum acht Meter langen Einbaum, wurden so über Tausende Jahre konserviert.

Fischschuppen, Pilze, Hausteile, Pflanzenpollen, Schuhe, Holzlöffel und sogar Koprolithen, die «Häufchen» der Pfahlbauer, werden in solchen Fundstellen entdeckt. Die Liste liesse sich ins Unendliche verlängern. Dank dieser guten Ausgangslage besitzen wir heute – nach unzähligen Ausgrabungen, Studien und Analysen – ein sehr präzises Bild der Pfahlbauerzeit. Und immer wieder kommen neue Details ans Tageslicht.

10 Jahre Unesco-Welterbe

Grund genug also, die Pfahlbauten rund um die Alpen gebührend zu ehren. Seit dem Jahr 2011 zählen 111 dieser Fundstellen zum Unesco-Welterbe, der Hall of Fame wichtiger Denkmäler und Naturstätten. Heuer feiern wir also das 10-Jahr-Jubiläum.

Aus diesem Anlass wurde in Seengen ein neues Pfahlbauhaus gebaut, das beim nächsten Uferspaziergang am Hallwilersee erkundet werden kann. Die Funde aus dem Pfahlbaudorf von Seengen und den beiden weiteren Unesco-Fundstellen des Seetals in Beinwil und Hitzkirch sind im Museum Burghalde ausgestellt.

Mutige Besuchende haben dort auch die Möglichkeit, virtuell und trocken durch den Hallwilersee zu tauchen und die Pfahlbauer unter Wasser zu erkunden.

«Ausgegraben». Hier schreiben Mitarbeiter des Lenzburger Museums Burghalde jeweils in der ersten Ausgabe des Monats über originelle Fundstücke.