Im Gespräch
19.05.2021

Vier Empfehlungen zum Vorlesetag aus der Region

Entdeckungen Bibliothekarinnen aus dem Einzugsgebiet dieser Zeitung verraten, mit welchen Büchern sie am Vorlesetag ihr Publikum überraschen würden ...

Barbara Hediger, Stadtbibliothek Lenzburg: «Julian ist eine Meerjungfrau» von Jessica Love

Julian liebt Meerjungfrauen, am liebsten wäre er selbst eine. Dann könnte er mit den Fischen unbeschwert im Wasser tanzen. Auf der Heimfahrt mit seiner Oma sieht Julian als Meerjungfrauen verkleidete Frauen und ist völlig fasziniert. Kaum zuhause, setzt der kleine Junge seinen Wunsch kreativ mit Hilfe von Farnwedeln und Tüllvorhängen um und wird zur kleinen, schillernden Nixe.

Doch wie reagiert die Grossmutter auf die Verwandlung ihres Enkels? Souverän holt sie das Kind in seiner Fantasiewelt ab und unterstützt es bei seinem Vorhaben. Dank den zarten und dennoch farbenfrohen Illustrationen kommt das Bilderbuch fast ohne Worte aus.

Die berührende Geschichte regt Gross und Klein zum Nachdenken an. Dieses Buch eignet sich besonders gut zum Vorlesen, weil die Illustrationen sehr ansprechend sind. Auch entspricht die thematische Umsetzung weniger den gängigen Denkmustern, was sicherlich interessante Reaktionen auslöst.

Barbara Fuhrer, Gemeindebibliothek Hunzenschwil: «Jim ist mies drauf» von Suzanne und Max Lang

Bereits das Titelbild mit dem mürrisch schauenden Affen zaubert vielen Kindern ein Lachen ins Gesicht. Thematisiert wird in diesem Bilderbuch der Umgang mit Gefühlen wie schlechter Laune, Ärger und Traurigsein.

Jim ist ein Schimpanse, der seine schlechten Gefühle entdeckt und nicht so recht weiss, wie er damit umgehen soll. Seine Urwaldfreunde machen Jim klar, dass er schlechte Laune hat. Sie empfehlen ihm, ein Nickerchen zu machen, zu tanzen oder ein Bad zu nehmen, um seine schlechte Laune zu vertreiben. Jedoch besteht Jim darauf, dass es ihm gut geht. Aber trotzdem merkt er, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er lernt, seine Gefühle einzuordnen, und steht schlussendlich zu seiner schlechten Laune.

Ein wunderbares Vorlesebuch ab 4 Jahren, mit tollen Illustrationen, welches auch den Eltern nahebringt, dass auch Kinder mal einen schlechten Tag haben können, wie die Erwachsenen ja auch.

Simone Huber, Bibliothek Birrwil: «Liliane Susewind» (Reihe) von Tanja Stewner

Schwierig: Soll ich einen Klassiker oder etwas Modernes vorstellen? Vorlesen kann man fast alles ... Ich entscheide mich für etwas Moderneres, für die Buchreihe Liliane Susewind von Tanja Stewner.

Liliane Susewind, ein Mädchen, das mit Tieren sprechen kann. Zusammen mit ihrem Freund Jesahja, dem witzigen Hund Bonsai und der edlen Katzendame Frau von Schmidt kann man spannende Geschichten rund um verschiedenste Tiere erleben. Durch ihre Gabe wird Liliane Susewind immer wieder in tierische Abenteuer verwickelt, welche sie zusammen meistern.

Die Bücher sind sehr witzig und spannend geschrieben. Die klugen Kommentare von Hund und Katze lassen auch die Erwachsenen schmunzeln. Es gibt bereits 13 Abenteuer, die sich zum Vor- oder Selberlesen für Kinder ab 8 eignen und 13 weitere Bände mit mehr Bildern und einfacheren Sätzen für Kinder ab 6 Jahren. Der neueste Band der Reihe ab 6 heisst «Ein Lämmchen im Wolfspelz» oder von der Reihe ab 8 «Ein Seehund taucht ab».

Man muss sie nicht der Reihe nach vorlesen und sie sind allesamt auch als Hörbuch erhältlich. Der Favorit meiner 8-jährigen Tochter ist «Mit Elefanten spricht man nicht». Die Geschichten eigenen sich sowohl für Mädchen als auch für Buben.

Christina Eppisser, Bibliothek Sarmenstorf: «Ein Freund wie kein anderer» von Oliver Scherz mit wunderschönen Bildern von Barbara Scholz

Habbi, ein kleines Erdhörnchen, wächst behütet von seiner Mutter inmitten seiner zahlreichen Geschwister auf. Habbi jedoch ist etwas abenteuerlustig und entfernt sich von den erlaubten Wegen und erkundet den Wald. Er ist auf der Suche nach besonderen Schätzen, die er sich zum Transport in seine Backentaschen stopft.

Als er unbeschwert einem bunten Libellenflügel nachjagt, stürzt er ein Geröllfeld hinunter und prallt mit Wucht gegen etwas Weiches. Mit grosser Bestürzung stellt Habbi fest, dass er direkt vor den Pfoten eines Wolfes steht, dem ärgsten Feind der Erdhörnchen. Er befürchtet, jeden Moment gefressen zu werden, doch da bemerkt er, dass der Wolf Yaruk verletzt zu sein scheint. Mutig beschliesst er, ihm zu helfen, und aus Habbi und Yaruk werden beste Freunde. Bis ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird ...

Der Autor erzählt eine hinreissende Geschichte über Freundschaft ohne Vorurteile mit berührenden Einsichten, wunderbar zum Vorlesen und Nachdenken. Fortsetzung: Im Tal der Wölfe (erschienen 2020). Buchtrailer: youtu.be/nH0hb7U0yl8.