Im Gespräch
13.01.2021

Beim dritten Anlauf hat es geklappt

Hat die Ausbildung zum Traumdoktor nun in der Tasche: Für Natalie Santos alias Dr. Piri Piri ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen (fürs Foto ohne Maske). Foto: Carolin Frei
Sorgt für Unterhaltung im Krankenzimmer: Ein Kollege von Dr. Piri Piri mit einem kleinen Patienten im Kantonsspital Aarau. Foto: Stiftung Teodora

Hat die Ausbildung zum Traumdoktor nun in der Tasche: Für Natalie Santos alias Dr. Piri Piri ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen (fürs Foto ohne Maske). Foto: Carolin Frei

Hat die Ausbildung zum Traumdoktor nun in der Tasche: Für Natalie Santos alias Dr. Piri Piri ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen (fürs Foto ohne Maske). Foto: Carolin Frei
Sorgt für Unterhaltung im Krankenzimmer: Ein Kollege von Dr. Piri Piri mit einem kleinen Patienten im Kantonsspital Aarau. Foto: Stiftung Teodora

Sorgt für Unterhaltung im Krankenzimmer: Ein Kollege von Dr. Piri Piri mit einem kleinen Patienten im Kantonsspital Aarau. Foto: Stiftung Teodora

Hunzenschwil Die Stiftung Theodora bildet Traumdoktoren aus, die in dieser Funktion Kinder in den Spitälern besuchen. 19 neue «Spitalclowns» haben vor Kurzem ihre Ausbildung abgeschlossen – unter ihnen Natalie Santos alias Dr. Piri Piri.

Von: Carolin Frei

Vor vielen Jahren habe ich eine Reportage im Fernsehen zum Thema Spitalclowns gesehen und war fasziniert von dieser Tätigkeit. Denn mit Theater befasste ich mich schon länger», sagt Natalie Santos, Kindergartenlehrperson und Theaterpädagogin.

Aber ganz so einfach ist es eben nicht, einen Ausbildungsplatz bei der Stiftung Theodora zu ergattern. «Beim ersten Versuch kam ich nicht mal ins Casting. Beim zweiten Anlauf schaffte ich diese Hürde und machte mir grosse Hoffnungen, die sich leider nicht erfüllten», sagt Santos. «Die Enttäuschung war gross. Doch aufgeben stand ausser Frage», sagt die 43-Jährige. Auch wenn sie den Wunsch, einmal als Traumdoktor tätig zu sein, für einen Moment zur Seite legte.

Stolpern und wieder aufstehen

Sie beschloss, erst eine vertiefte Ausbildung als Clown in Angriff zu nehmen. Dort lernte Santos, dass stolpern und sich wieder fangen einfach zum Job dazu gehört. «Ich sammelte Erfahrungen an Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und in Altersheimen», sagt die Aarauerin, die Mutter einer fünfjährigen Tochter ist.

Und mit diesem Leistungsausweis bewarb sie sich zum dritten Mal. Mit Erfolg. Sie wurde zur Ausbildung zugelassen und hat diese, zusammen mit 18 Kollegen, Ende 2020 abgeschlossen. «Man muss an das glauben, was man sich wünscht. Allerdings muss auch der Zeitpunkt stimmen», ist Santos überzeugt.

Anspruchsvoller Lehrgang

Die Ausbildung zum Traumdoktor wird nur bei zusätzlichem regionalem Bedarf seitens Spitäler und Institutionen ausgeschrieben. Sie dauert ein Jahr und ist in verschiedene Modulwochen unterteilt – etwa Spitalhygiene, Authentizität oder Körperarbeit.

Einmal im Monat begleitet man seinen Mentor beim Spitalbesuch. «Erst läuft man nur mit, schaut ihm über die Schultern und eignet sich so erste Praxiserfahrungen an», sagt Santos. Später darf man im sogenannten Übungsmantel weitere Erfahrungen sammeln, mausert sich vom Stagiaire zum Junior-Traumdoktor. Ein anspruchsvoller Weg.

Nach bestandener Prüfung erhält man seine Doktorbekleidung, die man mit einer Schneiderin entwirft. Es sei wichtig, dass man sich in dieser neuen «Haut» wohl fühle – physisch und mental. Und der Name, den man sich gibt, muss passen. «Ich habe auch portugiesische Wurzeln, deshalb fiel meine Wahl auf Dr. Piri Piri. Piri Piri ist ein Gewürz, das ich vor allem als ‹frango con piri piri› (scharfes Poulet) sehr gerne geniesse», sagt sie. Und als Dr. Piri Piri darf Natalie Santos nun seit Januar die kleinen Patienten auch alleine besuchen.

Austausch untereinander

Allerdings sind die Traumdoktoren immer im Team unterwegs, teilen sich die zu besuchenden Kinder untereinander auf. Die wichtigsten Informationen, die die Spitalclowns über die kleinen Patienten wissen müssen, erhalten sie im Vorfeld von der Stationsleitung. Danach tauscht man sich im Team aus, hält die wichtigsten Punkte auf entsprechenden Fragebögen fest. Jeweils am Mittwochnachmittag sind die Traumdoktoren in verschiedenen Spitälern unterwegs. Natalie Santos ist vor allem im Kantonsspital Aarau tätig, hat jedoch auch Erfahrungen in den Kinderspitälern von Zürich, Basel und Bern sammeln können.

«Die Stiftung legt aus ökologischer Sicht Wert darauf, dass das Referenzspital in nützlicher Frist erreichbar ist», sagt Santos. Zudem sind die Traumdoktoren seit Mitte 2020 nicht mehr als Selbstständige unterwegs, sondern sind in einem Angestelltenverhältnis für die Stiftung tätig. Entschädigt werden sie ausschliesslich von Spendengeldern.

Nicht immer willkommen

Wer nun denkt, ein Traumdoktor sei in jedem Zimmer herzlich willkommen, der irrt. Man spüre sofort, ob es passt oder nicht. Dann gelte es, sich elegant aus der Situation zu verabschieden. Es könne aber auch sein, dass es einfach ein bisschen Zeit brauche, bis aus der anfänglichen Ablehnung ein positives Ergebnis werde. Die meisten Kinder und auch ihre Eltern würden diese Abwechslung im Spitalalltag jedoch sehr schätzen.

Unzählige schöne Momente habe sie mitnehmen dürfen. Ihre Arbeit erfülle sie denn auch mit Dankbarkeit und Ehrfurcht. «Meist habe ich meine Ukulele und ein Rhythmusinstrument dabei, mache Musik und singe auch mit Kindern.» Musik machen und singen ist auch etwas, das die 43-Jährige gerne als Ausgleich macht. Genauso wie in die Natur gehen, Yoga oder Pilates machen. Zudem ist sie im Filmklub Zauberlaterne aktiv. Sagts und macht sich auf, um sich für den nächsten Einsatz im Kantonsspital Aarau bereit zu machen.

Stiftung Theodora

Die Stiftung Theodora wurde 1993 von André und Jan Poulie gegründet und beschäftigt heute 71 professionelle Künstler, die wöchentlich den Alltag von Kindern in 34 Spitälern und 27 spezialisierten Institutionen in der Schweiz bereichern. Die Ausbildung zum Traumdoktor wird in Zusammenarbeit mit dem Institut und der Hochschule für Gesundheit in Lausanne durchgeführt. Neu werden auch Fernbesuche angeboten, wie etwa musikalische Besuche im Freien und persönliche Videoanrufe. Die Finanzierung der Künstlerbesuche beruht vollständig auf der Unterstützung von Spendern und Partnern. Zum Team gehören zudem 35 Mitarbeitende am Hauptsitz in Hunzenschwil und Lonay sowie rund 80 Ehrenamtliche. (cfr)