Im Gespräch
06.01.2021

Pascal Furer: «Ich will den Coronagraben zuschütten»

«Zum Wohl!»: Grossratspräsident Pascal Furer pflegt sein Motto kurz nach der Wahl in der Umweltarena in Spreitenbach. Foto: Chris Iseli
Mit Maske und Blumen: Pascal Furer nach seiner Wahl zum Grossratspräsidenten in Spreitenbach. Foto: Chris Iseli

«Zum Wohl!»: Grossratspräsident Pascal Furer pflegt sein Motto kurz nach der Wahl in der Umweltarena in Spreitenbach. Foto: Chris Iseli

«Zum Wohl!»: Grossratspräsident Pascal Furer pflegt sein Motto kurz nach der Wahl in der Umweltarena in Spreitenbach. Foto: Chris Iseli
Mit Maske und Blumen: Pascal Furer nach seiner Wahl zum Grossratspräsidenten in Spreitenbach. Foto: Chris Iseli

Mit Maske und Blumen: Pascal Furer nach seiner Wahl zum Grossratspräsidenten in Spreitenbach. Foto: Chris Iseli

Kanton Aargau Vorgestern wurde der Staufner Pascal Furer zum Grossratspräsidenten gewählt. In Coronazeiten gestalten sich Wahltag und Amtszeit für den «höchsten Aargauer» etwas speziell.

Von: Fritz Thut

In vielerlei Hinsicht war die Wahl von Pascal Furer zum Präsidenten des Grossen Rats des Kantons Aargau eine Premiere. Erstmals wurde der «höchste Aargauer» am coronabedingten Alternativort, in der Umweltarena in Spreitenbach und nicht im Grossratsgebäude in Aarau, gewählt. Die erste Sitzung der 52. Legislatur seit der Staatsgründung 1803 wurde zudem erstmals direkt im Internet gestreamt.

Der erste Staufner

Furer ist der dreizehnte Grossratspräsident aus dem Bezirk Lenzburg (vgl. Box unten), aber der erste aus seiner Wohngemeinde. «Es freut uns ausserordentlich, dass Staufen zum ersten Mal in der Geschichte einen Grossratspräsidenten in den eigenen Reihen hat. Wir sind stolz und hocherfreut über die Wahl von Pascal Furer», schrieben Gemeindeammann Otto Moser und Gemeindeschreiber Mike Barth in einer Begleitkarte zu einer kleinen Geschenktasche mit Produkten aus Staufen.

Normalerweise ist der Wohnort Schauplatz einer Grossratspräsidentenfeier, doch diese Festivität mit mehreren hundert Gästen fiel natürlich der Pandemie zum Opfer. Die Gemeinde Staufen liess es sich aber nicht nehmen, schon eine Minute nach Bekanntgabe von Furers Wahlresultat um 15.14 Uhr in einem Beitrag auf dem Gemeindeblog dem Mitbürger zu gratulieren.

Bis Bundes- und Regierungsrat die Coronaauflagen kurz vor Weihnachten verschärften, hatte der gemütlichen Festen nie abgeneigte Pascal «Mosti» Furer getreu seinem in Spreitenbach präsentierten Motto «Zum Wohl!» eine abgespeckte Wahlfeier mit immerhin drei Dutzend Teilnehmern vorgesehen. Letztendlich geblieben ist ein fast intimes Nachtessen am Gässli 4 in Staufen mit der Vorgängerin und den Vizepräsidenten – und der nötigen Distanz.

Stark von der Pandemie geprägt

Pascal Furer bezeichnet die Wahl zum Grossratspräsidenten als «Ehre für mich und die Region». An der neuen Aufgabe reizt ihn die Leitung und das effiziente Führen des Parlaments. Politisch, da macht sich der SVP-Politiker nichts vor, tritt seine persönliche Meinung nun in den Hintergrund: «Im Amt spielt diese keine Rolle.»

Vor allem rund um die Coronapandemie, die sein Amtsjahr vom ersten Sachgeschäft an prägte, werden von Furer nun diplomatischere Töne zu hören sein. «Ich will helfen, den Coronagraben zuzuschütten», blickt er im Gespräch mit dieser Zeitung voraus. In einer Zeit, in der die Beurteilung der Massnahmen rund um Covid-19 zu «einem Riss quer durch die Bevölkerung, die Parteien und gar durch Familien» geführt hat, will er nun «das Gemeinsame betonen».

In seiner Antrittsrede hielt der neue «höchste Aargauer» fest, dass streiten zur Politik gehört: «Der Wettstreit der Ideen führt zu guten Lösungen.» Gute Lösungen sind gerade im Zusammenhang mit Corona gefordert. Doch sind sie nicht einfach zu finden.

Hoffnung auf baldige Normalität

Sicherlich wird Pascal Furer in den ersten Monaten seiner Amtszeit weniger im Kanton unterwegs sein und seine Repräsentationsfunktion ausüben können. «Sonst sind es rund 200 öffentliche Auftritte, die auf den Grossratspräsidenten warten», so Pascal Furer.

Nicht nur aus Eigeninteresse wünscht sich der neue Grossratspräsident in seiner Funktion als Winzer eine Entspannung der Lage: «Für die Gesellschaft hoffe ich in absehbarer Zeit auf eine Rückkehr zur Normalität.» Zwischenmenschliche, informelle Anlässe wie etwa Apéros fehlen aktuell in der Politik und überall. Änderung tut not. Zum Wohl!

Grossratspräsidenten

aus dem LBA-Gebiet

2021 Pascal Furer, Staufen, SVP.

2012/13 Kathrin Scholl-Debrunner, Lenzburg, SP.

2004/05 Thomas Lüpold, Möriken, SVP.

2000/01 Hans Ulrich Fischer, Meisterschwanden, FDP.

1970/71 Herbert Zehnder, Lenzburg, SP.

1963/64 Walter Baumann, Schafisheim, SVP.

1960/61 Walter Widmer, Lenzburg, FDP.

1944/45 Hans Rei, Fahrwangen.

1943/44 Rudolf Baumann, Leutwil.

1940/41 Max Hemmeler, Lenzburg.

1931/32 Jakob Baumann, Schafisheim.

1913/14 Xaver Stalder, Sarmenstorf.

1910/11 Heinrich Irmiger, Lenzburg.

1899/1900 Robert Suter, Lenzburg.

1894/95 Franz Marti, Seengen Eichberg.

1893/94 Max Erismann, Seengen Brestenberg.

(Seit der sechsten Kantonsverfassung im Jahre 1885)