Im Gespräch
18.11.2020

Freiwillige liefern die gespendeten Lebensmittel nun persönlich aus

In Staufen kann die Verteilaktion noch vor Ort stattfinden: Freiwillige beim Bereitstellen der gespendeten Lebensmittel. Foto: Carolin Frei
Meist wird viel gespendet: Vor allem Gemüse, Früchte, Brot und Teigwaren. Foto: Carolin Frei

In Staufen kann die Verteilaktion noch vor Ort stattfinden: Freiwillige beim Bereitstellen der gespendeten Lebensmittel. Foto: Carolin Frei

In Staufen kann die Verteilaktion noch vor Ort stattfinden: Freiwillige beim Bereitstellen der gespendeten Lebensmittel. Foto: Carolin Frei
Meist wird viel gespendet: Vor allem Gemüse, Früchte, Brot und Teigwaren. Foto: Carolin Frei

Meist wird viel gespendet: Vor allem Gemüse, Früchte, Brot und Teigwaren. Foto: Carolin Frei

Freiwilligenarbeit Die zweite Coronawelle wirbelt auch die Arbeit des Vereins Aufgetischt statt Weggeworfen durcheinander. Freiwillige fehlen, Spender steigen aus – da ist Kreativität gefragt.

Von: Carolin Frei

Ohne Freiwillige geht vieles nicht. Egal ob im Sport, in der Kultur, der Nachbarschaftshilfe oder im sozialen Bereich. Der Verein Aufgetischt statt Weggeworfen (ASW), der sich gegen Food Waste einsetzt, bekommt dies in der zweiten Coronawelle ebenfalls zu spüren. «Normalerweise unterstützen uns im Wechsel gut 25 Freiwillige am Standort Lenzburg beim Abholen und Verteilen von gespendeten Lebensmitteln an Menschen, die am Existenzminimum leben», sagt die Staufnerin Sabin Nater, Vizepräsidentin des ASW.

Freiwillige ziehen sich zurück

Normalerweise. Doch aus Respekt vor dem Coronavirus haben einige Freiwillige ihre Einsätze abgesagt. Was verständlich ist. Hinzu kommt, dass Hände desinfizieren, Maske tragen und Abstand halten nicht von allen Bezugsberechtigten eingehalten wurde. «Wenn von den Helfern alleine drei dafür sorgen müssen, dass das Schutzkonzept eingehalten wird, sprengt das unsere Möglichkeiten», sagt Nater. Denn gerade für Menschen, die finanziell nicht wirklich auf der Sonnenseite des Lebens stehen, sind gespendete Lebensmittel mehr als willkommen. Und da würde bei einigen Bezugsberechtigten der Coronavirus einfach etwas in den Hintergrund rücken.

Auch auf Spenderseite wurden Vorsichtsmassnahmen getroffen. Um jedes Risiko zu vermeiden, werden von ein paar Spendern alle nicht nötigen Kontakte zu Aussenstehenden vermieden. «Unsere Helfer dürfen dort nicht mehr vorbeigehen, um die bereitgestellten Kisten abzuholen. Was für uns schade, aber absolut nachvollziehbar ist», sagt sie.

Deshalb musste die Regionalgruppe Lenzburg schweren Herzens die Verteilung vor Ort wieder, wie letztmals im März, einstellen. Und dies, obwohl ihr von der Kirche Herz Jesu zugesichert wurde, dass ASW ihre Infrastruktur auch weiterhin für die Verteilaktion nutzen könne. «Das schätzen wir sehr, denn die Kirche hat alle anderen Veranstaltungen abgesagt. Aber uns würde sie den Platz weiterhin zur Verfügung stellen», betont die 35-Jährige. Doch auch wenn der Platz zugesichert ist, sei es doch vernünftiger, grosse Menschenansammlungen aufgrund der aktuellen Situation zu vermeiden.

Lieferung vor die Haustüre

«Uns war wichtig, dass die Bezugsberechtigten auch weiterhin in den Genuss der gespendeten Lebensmittel kommen. Deshalb bringen einige freiwillige Helfer die von uns abgefüllten Einkaufstaschen zu ihnen nach Hause», sagt Nater. Allerdings seien die Taschen nicht mehr so voll wie auch schon. Wegen der abgesprungenen Spender und neuer interner Organisation könne aktuell nur etwa ein Drittel der sonst üblichen Menge verteilt werden.

Nicht gleichermassen betroffen sind die kleineren Regionalgruppen in Staufen und Hunzenschwil. Dort kann die Verteilaktion im Moment noch aufrechterhalten werden. Wer also noch auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung ist, darf sich gerne bei Sabin Nater melden.

Seit fünf Jahren aktiv

Der Verein Aufgetischt statt Weggeworfen setzt sich seit 2015 lokal gegen Food Waste ein, indem gespendete Lebensmittel nach Ladenschluss an Menschen weitergegeben werden, die am Existenzminimum leben. Bereits über 180 Tonnen Lebensmittel konnten so gerettet und den Menschen damit eine Freude gemacht werden. ASW ist als Verein mit rund 350 Freiwilligen an 13 Standorten in der Deutschschweiz aktiv. Weitere Regionalgruppen sind im Aufbau. Fakt ist, dass ein Drittel aller essbaren Lebensmittel in Europa und in der Schweiz weggeworfen wird. Jährlich sind dies allein in der Schweiz über 2,3 Millionen Tonnen gut geniessbare Lebensmittel, die nicht auf dem Teller landen. (cfr)