24.09.2020

Tipp zum Alltag: Das Grübeln stoppen

Jörg Kyburz
Gedankenlos geniessen Illustration: mky

Jörg Kyburz

Jörg Kyburz
Gedankenlos geniessen Illustration: mky

Gedankenlos geniessen Illustration: mky

Von: Jörg Kyburz

Radio Nonstop-Denken ist für einen Augenblick nicht auf Sendung. Gedankenlos geniessen zu können, ist wertvoller als bis anhin vermutet. Genau dies führt nämlich zu mehr körperlichem und physischem Wohlbefinden in unserem Leben.

Freude, Vergnügen, Lust und Genuss finden in unserer Selbstoptimierungsgesellschaft wenig Zuspruch. Vielgelobt werden Selbstkontrolle und Disziplin. Eine Studie der Universität Zürich (UZH) und der Radboud-Universität im niederländischen Nijmegen bestätigt, was Genussmenschen schon lange wussten. Ein zufriedenes Leben basiert ebenso auf Vergnügen und kurzfristigem Genuss wie auf Selbstkontrolle und dem Erreichen langfristiger Ziele. 

Wer sich vorbehaltlos dem Genuss hingibt, ohne dabei mit seinen Gedanken immer an einem anderen Ort zu sein, erreicht langfristig eine höhere Lebenszufriedenheit und leidet seltener an Depressionen. Beim Geniessen oft ins Grübeln zu verfallen und darüber nachzudenken, was noch alles erledigt werden müsste, ist wenig hilfreich. Entspannung und uneingeschränkter Genuss sind so nicht möglich.

Ist es nicht toll, mit den Söhnen ein paar Stunden in vorbehaltloser Versunkenheit am Coffee-Racer zu schrauben oder an einem Abend alles stehen und liegen zu lassen, um gemeinsam ein Holzgestell für die Balkonpflanzen zu zimmern? Beides könnte man kaufen, doch der Genuss währt nur kurz und der emotionale Wert ist sehr vergänglich. «Selbst im Himmel ist man manchmal eifersüchtig auf das, was wir Menschen auf Erden erleben können», schreibt der persische Dichter Hafiz. 

Lust und Genuss mit Mass konsumiert und bewusst wahrgenommen ist gesund und erhält fit. Manchmal gilt es, mutig das Denken auszuschalten, um einfach zu tun, was uns wirklich guttut.

Tipp: Weniger Grübeln, mehr einfach leben, Attribute für einen farbigen Alltag und inspirierende Lösungen. Alles zu hinterfragen führt selten zu einem optimalen Ergebnis, Spontaneität und Kreativität kommen zu kurz.

Unter «Tipp zum Alltag» schreiben Jörg Kyburz und Volker Schulte jeweils in der letzten Ausgabe des Monats an dieser Stelle über psychologische Aspekte im Alltag. Die beiden Autoren leiten den CAS-Studienlehrgang Achtsamkeit in Lenzburg.