09.07.2020

Die Trutzburg der Arbeiter am See

Logo der Sommerserie des Lenzburger Bezirks-Anzeigers
Viel Betrieb am und im Wasser: Der flach abfallende Strand beim Arbeiterstrandbad in Tennwil ist ideal. Foto: zvg
«Alles für einen angenehmen Tag»: Betriebsleiter Daniel Leuenberger. Foto: Ruedi Burkart

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Viel Betrieb am und im Wasser: Der flach abfallende Strand beim Arbeiterstrandbad in Tennwil ist ideal. Foto: zvg
«Alles für einen angenehmen Tag»: Betriebsleiter Daniel Leuenberger. Foto: Ruedi Burkart

Viel Betrieb am und im Wasser: Der flach abfallende Strand beim Arbeiterstrandbad in Tennwil ist ideal. Foto: zvg

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«Alles für einen angenehmen Tag»: Betriebsleiter Daniel Leuenberger. Foto: Ruedi Burkart

«Alles für einen angenehmen Tag»: Betriebsleiter Daniel Leuenberger. Foto: Ruedi Burkart

Von: Ruedi Burkart

Tennwil: In der neuen Sommerserie macht das 1935 eröffnete und letztes Jahr grundsanierte Arbeiterstrandbad den Anfang. Nach der gestaffelten Öffnung aller Angebote sind Betriebsleiter Daniel Leuenberger und sein Team bereit für die Herausforderungen dieses Sommers.

Es sei nichts weniger als «das geschichtsträchtigste Strandbad der Schweiz». Mit diesen Worten preist der Trägerverein Arbeiterstrandbad Tennwil auf der eigenen Homepage sein vor 85 Jahren eröffnetes Bijou an den Ufern des Hallwilersees an. Ob der Superlativ gerechtfertigt ist, sei an dieser Stelle offen gelassen. 

Fakt ist: Die Geschichte hinter dem Arbeiterstrandbad ist äusserst interessant. Gebaut wurde es noch vor dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel, den einfachen Arbeitern den Zugang zum Hallwilersee zu sichern. Dies, weil zu jener Zeit die Gutbetuchten das Ufer des Sees mehr und mehr in Besitz genommen hatten.

Wer das vor einem Jahr für 3,7 Millionen Franken generalüberholte Arbeiterstrandbad besucht, kann den damaligen Pionieren nur dankbar sein. Die «Badi» ist ein wunderbarer Ort zum Verweilen. Und dies auf gänzlich unterschiedliche Arten. Wer auf der Liegewiese «sünnele» möchte, ist ebenso am richtigen Ort wie Familien mit Kindern, die gerne «tschutten» oder Tischtennis spielen. 

Der integrierte Campingplatz und das Lagerhaus vermitteln auf eine unaufgeregte Art ein ganz spezielles Urlaubsgefühl. Man wähnt sich nicht im Mittelland an einem See, sondern eher am Mittelmeer in den Ferien.

Der Sommerbetrieb läuft

Daniel Leuenberger hält als Betriebsleiter die Fäden in den Händen. Der 61-jährige gebürtige Berner Oberländer ist seit 1999 verantwortlich für das Arbeiterstrandbad und hat in diesen über 20 Jahren einiges erlebt. 

«Die Renovation vor einem Jahr war nötig, jetzt sind wir bereit für die Zukunft», sagt er, der vor seiner Zeit am Hallwilersee während 12 Jahren auf dem verschneiten Jaunpass einen Winter-Campingplatz geleitet hatte. 

Nach der Coronakrise läuft der Betrieb im Arbeiterstrandbad seit dem 6. Juni wieder so weit normal, wie es die geltenden Hygienevorschriften zulassen. «Wir haben die Liegewiese abgetrennt und lassen pro Tag maximal 1000 Personen ins Bad», sagt Leuenberger. Mit anderen Worten: Wenn die 1000 erreicht sind, bleibt die Tageskasse zu. Zum Vergleich: In normalen Zeiten bevölkern bis zu 2000 Sonnenhungrige die Badiwiese.

Jammern wolle er aber keinesfalls, so Leuenberger weiter, vielmehr freue er sich mit seinem Team darüber, dass in den schwierigen zurückliegenden Monaten niemand entlassen werden musste. Und dann blickt der Betriebsleiter auch schon wieder hoffnungsvoll nach vorne: «Bis zum Ende der Sommerferien am 8. August sind alle 36 Zeltplätze sowie die drei Wohnwagen-Stellplätze komplett ausgebucht.» 

Und ab dem 9. August sei das Lagerhaus für drei Wochen ebenfalls voll. Wer einen Jahresplatz für seinen Wohnwagen sucht, muss sich gedulden. «Alle Plätze sind besetzt. Interessenten müssen wir vertrösten und auf eine Warteliste setzen», erklärt Leuenberger. Ebendiese Liste umfasst aktuell rund 20 Namen.

Waldführung und Flohmarkt

Kein Zweifel, das Arbeiterstrandbad ist weit über die Region hinaus beliebt. Das mag auch an den zahlreichen Freizeitangeboten liegen. Neben der Vermietung von Pedalos, Ruderbooten und Stand-up-Paddles bieten die Verantwortlichen beispielsweise auch einmal wöchentlich «Yoga am See» an. Am kommenden Dienstag, 14. Juli, lädt Revierförster Urs Meyer zu einer Waldführung ein, tags darauf findet ein Flohmarkt für Camping- und Badeartikel statt. Frei nach dem Motto: Alles ausser gewöhnlich.

Voller Vorfreude auf den Sommer ist auch Renato Mazzocco von der Betriebskommission. «Der Sprung in den See ist bei uns besonders genussvoll, da hier der Zugang zum Wasser angenehm flach ist. Ein Handlauf erleichtert zudem den Seeeinstieg, der neu mit einer Gummimatte ausgelegt ist», macht der Kassier des Stiftungsrats Werbung in eigener Sache. 

Dass der Sommer 2020 zumindest witterungsmässig kein Reinfall werden wird, könne er zwar nicht versprechen, so Mazzocco mit einem Schmunzeln, «aber ich habe einen guten Draht zum Petrus.» Dann kann ja nicht mehr viel schiefgehen.

 

«Die moderne Optik gefällt»

Interview: Drei Fragen an Betriebsleiter Daniel Leuenberger: 

Was macht einen Besuch im Arbeiterstrandbad Tennwil einzigartig?

Daniel Leuenberger: Es ist der Ort an sich. Ich persönlich finde, dass eine Badi nicht schöner liegen kann als unsere. Zudem bieten wir Sonnenanbetern und Familien alles, um einen angenehmen Tag zu verbringen. Es gibt hier einiges zu tun: Tischtennis spielen, Pedalo fahren, an der Sonne liegen, im Restaurant etwas Feines essen – und noch vieles mehr. Alle sind herzlich willkommen bei uns!

Ein schöner Werbespot. Letztes Jahr wurde die Anlage für 3,7 Millionen Franken renoviert. Wie waren die Reaktionen der Gäste nach dem Umbau?

Mehrheitlich sehr positiv, vor allem die moderne Optik gefällt den meisten Besuchern. Natürlich gibt es auch jene, die bedauern, dass vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war. Aber ich glaube sagen zu dürfen, dass wir so bestens für die Zukunft gerüstet sind.

Wo verbringt eigentlich jemand im Winter seine Ferien, der wie Sie in einem Strandbad arbeitet?

Auf jeden Fall nicht im Süden (lacht). Im Ernst: Nach Saisonschluss reiste ich früher unter anderem nach Kanada, zuletzt verbrachte ich die kalte Jahreszeit in Schweden. Das gefällt mir, ich muss nicht der Hitze nachfliegen. (rubu)

 

Arbeiterstrandbad Tennwil

Eröffnungsjahr: 1935

Trägerschaft: Stiftung Arbeiterstrandbad Tennwil; Präsident Jürg Lienhard (Suhr).

Leitung: Daniel Leuenberger (seit 1999).

Öffnungszeiten: Restaurant Montag bis Sonntag von 11 bis 20 Uhr. Kiosk/Laden Montag bis Sonntag 8 bis 19 Uhr. Badiwiese Montag bis Sonntag 8 bis 22 Uhr. Bei schlechtem Wetter frühere Schliessung möglich.

Eintrittspreise: Erwachsene 6 Franken. Lehrlinge und Studenten 5 Franken. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre 2,50 Franken. Mit KulturLegi: 50 Prozent Rabatt, nach 18 Uhr 1 Franken auf reguläre Preise.

Parkgebühren: Saisonkarte Auto 140 Franken.

Spezielles: Jeden Mittwoch bis zum 5. August um 9 Uhr Yoga auf der Badiwiese. Weiteres Sommerprogramm auf der Homepage ersichtlich.

Homepage: www.tennwil.ch (rubu)

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