24.06.2020

Alles neu – Name, Vorstand, Volierenwart

Die Kündigung ist für ihn mit vielen Fragezeichen verbunden: Heinz Frei betreute die Voliere während acht Jahren. Foto: Carolin Frei
In neuer Obhut: Etwa dieser halbwüchsige Säbelschnäbler in der Schloss-Voliere. Foto: zvg

Die Kündigung ist für ihn mit vielen Fragezeichen verbunden: Heinz Frei betreute die Voliere während acht Jahren. Foto: Carolin Frei

Die Kündigung ist für ihn mit vielen Fragezeichen verbunden: Heinz Frei betreute die Voliere während acht Jahren. Foto: Carolin Frei
In neuer Obhut: Etwa dieser halbwüchsige Säbelschnäbler in der Schloss-Voliere. Foto: zvg

In neuer Obhut: Etwa dieser halbwüchsige Säbelschnäbler in der Schloss-Voliere. Foto: zvg

Von: Carolin Frei

Möriken-Wildegg: Drei Vorstandsmitglieder des Trägervereins Voliere Schloss Wildegg treten per Ende Juni zurück. Nicht nur der Vorstand wird neu, sondern auch der Vereinsname. Zudem wurde dem langjährigen Volierenwart gekündigt.

Ich fiel aus allen Wolken, als ich beim Treffen mit Vereinspräsidentin Susi Arnold und Matthias Betsche nach einem kurzen Gespräch das Kündigungsschreiben überreicht bekam», sagt Heinz Frei, der die letzten acht Jahre als Volierenwart für die Voliere Schloss Wildegg zuständig war. Aus allen Wolken sei er gefallen, weil er seitens der Besucher und auch von Vereinsmitgliedern immer wieder für seine Arbeit gelobt wurde. 

«Ich habe immer wieder mal etwas für die Voliere gekauft, auf eigene Rechnung, weil auf meine entsprechenden Anfragen nie eingegangen wurde. Einmal war es spezielles Futter, ein anderes Mal Jungvögel, um einen Ausgleich an Weibchen und Männchen im Gehege zu haben», betont Frei. Er könne zudem auf eine lange Erfahrung im Züchten von Kakadus und Aras zurückblicken. Und er habe sich immer bemüht, die Voliere sauber zu halten.

Kündigung wirft Fragen auf

«Als Kündigungsgrund wurden mir von Frau Arnold finanzielle Probleme wegen der geplatzten Pachtverhandlungen für den Rebberg genannt. Und Herr Betsche, den ich nicht kenne, sagte, dass der Kanton künftig an die Voliere einen Beitrag leiste, aber keine Rentner beschäftige», sagt der 74-Jährige. Frei liess die Sache nicht einfach so auf sich beruhen, sondern wandte sich an Regierungsrat Alex Hürzeler. 

Dieser wiederum betonte in seinem Schreiben, das der Redaktion vorliegt: «... Die Verantwortung für den Betrieb der Voliere verbleibt unverändert beim Verein. Der Kanton nimmt entsprechend keinen Einfluss auf personelle Entscheidungen im Zusammenhang mit der Voliere. ...» Als er dies gelesen habe, sei ihm der Kragen geplatzt, er sei so enttäuscht gewesen über die Lügen des Vereinsvorstands und er habe deshalb seinem Unmut mit Briefen an den Verein Luft gemacht, sagt Frei. Was darin gipfelte, dass er am Schluss des Arbeitsverhältnisses nur in Begleitung seine persönlichen Utensilien, die noch auf dem Schlossgelände waren, holen durfte. 

«Aus gutem Grund, denn der Inhalt dieser Schreiben war teilweise unter der Gürtellinie», betont Vereinspräsidentin Susi Arnold. Trotzdem sei der Vorstand bemüht gewesen, auch für den Tierpfleger eine gute Lösung zu finden. Man habe ihm einen namhaften Betrag für die von ihm in den letzten Jahren (ohne Rücksprache mit dem Vorstand) getätigten Käufe ausbezahlt.

Nicht ans Pflichtenheft gehalten

Was gab den Ausschlag, auf die Dienste von Heinz Frei künftig zu verzichten? Susi Arnold: «Was die Betreuung der Vögel anbelangt, hat Heinz Frei einen guten Job gemacht.» Allerdings habe er es mit der Sauberkeit in der Voliere nicht so genau genommen und er habe sich nicht ans Pflichtenheft gehalten. «Er hat etwa Jungvögel zugekauft oder Jungvögel weggegeben ohne Rücksprache mit dem Vorstand. Todesfälle hat er selten gemeldet und die Vögel oft einfach in einer Tiefkühltruhe deponiert, anstatt diese zur Untersuchung an den Tierarzt weiterzuleiten. Zudem hat er alle Aushilfen so vergrault, dass sie nicht mehr kommen wollten», betont die scheidende Vereinspräsidentin. 

Man habe lange alle Augen zugedrückt. Wegen der finanziellen Schieflage des Trägervereins sei man auf der Suche nach einer Finanzquelle und wollte im Zuge dieser Umstrukturierung auch die Volierenbetreuung neu regeln. Die Pacht des Rebbergs wäre die ideale Lösung gewesen, den finanziellen Engpass des Vereins zu entschärfen. Den Zuschlag bekam der Verein jedoch nicht. «Am Wunsch, die Betreuung der Voliere einer jüngeren Person zu übertragen, die das Pflichtenheft ernst nimmt, mit einer Aushilfe gut zusammenarbeiten kann und die Innenvoliere sauber hält, änderte sich jedoch nichts», betont Arnold. Seit kurzem zeichnet nun die Frau eines Tierarztes für die Voliere verantwortlich.

Neuer Vorstand, neuer Name

Ende Juni treten drei der vier Vorstandsmitglieder des Trägervereins Voliere Schloss Wildegg zurück. Der Vertrag mit der Stiftung Schlossdomäne Wildegg, die dem Trägerverein die Voliere zum selbstständigen Betrieb übergeben hatte, wurde gekündigt. Geplant ist, den Verein Freunde Schloss Wildegg ins Leben zu rufen, der sich auch der Voliere annimmt. «Der Kanton hat dem neuen Verein eine Defizitgarantie zugesichert», betont Arnold. Ab 1. Juli übernimmt Matthias Betsche, das jüngste Mitglied des Vorstands und Präsident Pro Natura Aargau, das Präsidium des neuen Vereins.

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