10.06.2020

Erste gefiederte Patienten im «Vogelspital» behandelt

Aus einer Abfallmulde vor dem Hungertod gerettet: Junge Hausrotschwänze lernen in der Vogelpflegestation Futter suchen und fliegen. Foto: zvg

Aus einer Abfallmulde vor dem Hungertod gerettet: Junge Hausrotschwänze lernen in der Vogelpflegestation Futter suchen und fliegen. Foto: zvg

Von: Alfred Gassmann

Lenzburg: Seit Ende letzten Jahres ist die Vogelpflegestation Unteres Seetal eingerichtet. Trotz Unterbruch wegen der Coronakrise wurden bereits zahlreiche verletzte und verwaiste Vögel gepflegt.

Wer über den Steinbrüchliweg und den Ellsworthweg zum Schloss Lenzburg hochsteigt, vermutet hinter den verwitterten Holzfassaden der Schlossscheune keinen eingebauten Holzpavillon, der als Vogelpflegestation dient. 

In den Köpfen von vier pflichtbewussten Frauen aus der Region reifte immer mehr der Wille, sich tatkräftig für die Vögel einzusetzen. Jacqueline Lehn, Ammerswil, Brigitte Urech, Seon, sowie Monica und Sarah Locher, Lenzburg, lieben die Vögel und kennen ihre Nöte und Schicksale. 

Neben ihrer Liebe zu den Gefiederten kommt ihre Ausbildung hinzu. Jacqueline Lehn hat das Vogelpflegepraktikum in der Vogelwarte Sempach absolviert und Brigitte Urech den Kurs Vogelpflege BirdLife Aargau. Monica und Sarah Locher als ausgebildete Feldornithologinnen bilden im kleinen Team echte Stützen.

Coronabedingt geriet die Einführung der neuen Helfer in Rückstand. Trotzdem konnte eine gewisse Zahl an verletzten oder verwaisten Tieren gepflegt werden. Die Vögel werden erst in den Kreislauf der Natur entlassen, wenn sie sitzen, fliegen und selber Futter suchen können. 

Rührende Geschichten 

Ein Jungsperling, verletzt durch Katzen, konnte nach der Pflege am Fundort ausgewildert werden. Den Pflegefrauen ist nicht entgangen, dass der Genesene von anderen Spatzen sogar «abgeholt» wurde. 

Ein junger Kleiber, von einer Krähe attackiert, liess sich nach einer Kontrolle durch eine Pflegefrau am Fundort wieder den Eltern übergeben. Herzbewegende Beobachtung: Die Eltern kamen ihn unterdessen füttern. 

Gefunden wurde auch ein Bachstelzenfindling, stammend aus einem Nest in einer Kälteanlage. Sein Zustand: Nass und ausgehungert. Dank der Pflege erwies er sich bald wieder als quietschfidel.

Freud und Leid nahe beisammen

Monica Locher verrät, dass nicht alle Vögel gerettet werden können. Sie stellt einen hohen Anteil an Katzenopfern fest, vor allem Amseln und Sperlinge, die oftmals nicht überleben, da sie zu stark verletzt sind, womöglich begleitet von einer Infektion. Aufgefunden werden oft Nestlinge, manchmal noch nackt, die wahrscheinlich von ihren Eltern aus dem Nest geworfen oder nicht mehr gefüttert worden sind. Die wenigsten davon überleben oder müssen eingeschläfert werden.

Damit die vier Frauen ihr Vorhaben weiterführen können, suchen sie Unterstützung. Brigitte Urech denkt an die Fütterung und Pflege, an Reinigungsarbeiten im Pavillon, an Fahrdienste, um die Vögel bei Findern abzuholen, oder an einen Transport zum Tierarzt. Die Helfercrew wird intensiv instruiert und begleitet. Es muss kein Pflegekurs absolviert werden.

Kontakt: Helferkoordination Brigitte Urech, briglue@bluewin.ch, Telefon 079 798 46 44; www.vogelpflege-unteresseetal.ch.

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