27.05.2020

Die Bünzaue ist übersät mit schädlichem Mikroplastik

Auf Distanz mit blossem Auge nicht zu sehen: Kleinste Plastikteilchen belasten die Bünzauenböden in Möriken. Foto: Alfred Gassmann

Auf Distanz mit blossem Auge nicht zu sehen: Kleinste Plastikteilchen belasten die Bünzauenböden in Möriken. Foto: Alfred Gassmann

Von: Alfred Gassmann

Möriken-Wildegg: Eine Untersuchung, die überrascht und äusserst nachdenklich stimmt: In 26 von 29 untersuchten Auenböden von Genf bis Graubünden wurde Mikroplastik gefunden. Nirgends mehr als in der Bünzaue Möriken.

Die Untersuchung in den 29 Auenböden, die alle in Naturschutzgebieten liegen, haben Forscher der Universität Bern durchgeführt. Wie das Bundesamt für Umwelt feststellt, stammt der tückische Schadstoff hauptsächlich aus Pneuabrieb. «Die Bünzaue voller Kunststoff – wie ist das nur möglich?», fragt sich Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau, besorgt. 

Als Mikroplastik werden Partikel bezeichnet, die fünf Millimeter und kleiner sind. Mikroplastik gerät vor allem über Niederschlagswasser in die Umwelt. Der grösste Verursacher ist der Abrieb von Autopneus. Durch Regen wird der Reifenabrieb nicht nur in die Kanalisation gespült, sondern nahezu überallhin. Mikroplastik gelangt durch jedes Niederschlagsereignis in die Böden, in die Fliessgewässer und auch in den Hallwilersee. 

In den verschiedenen Ökosystemen stellt der Mikroplastik für die Organismen, insbesondere bei höheren Organismen wie Fischen, Nagern und Vögeln, durch die Aufnahme mit der Nahrung eine Gefährdung dar. Rund 8000 Tonnen Kunststoffe gelangen jedes Jahr in der Schweiz in die Umwelt.

Pro Natura fordert Massnahmen

Mikroplastik baut sich in der Umwelt nur sehr langsam ab und kann so zu erheblichen Schäden in den Ökosystemen führen. Mikroplastik vermag im Boden sogar Regenwürmer zu töten. Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau, fordert den Kanton zum Handeln auf. «Offensichtlich tun wir im Kanton zu wenig, um den Pneuabrieb zu eliminieren, bevor er in die Umwelt gelangt.» Der Kanton müsse umgehend Massnahmen ergreifen, zum Beispiel mit zusätzlichen Strassenabwasserreinigungsanlagen.

Auen von nationaler Bedeutung 

Am 12./13. Mai 1999 haben starke Niederschläge die Bünz über die Ufer treten lassen und Topographie und Nutzungsmöglichkeiten zwischen dem Bahndamm in Othmarsingen und dem Schwimmbad in Wildegg stark verändert. Die früheren Verhältnisse liessen sich nicht wiederherstellen. 

In der entstandenen Bachaue darf und kann die Bünz mäandrieren und Geschiebe umlagern. Bereits im August 2000 anerkannte das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft die Bünzaue als Auengebiet von nationaler Bedeutung. 

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