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23.01.2019

Ein kleines Café ist Vorreiter

<em>Hat den Aargau auf die Café-Surprise-Liste gebracht: </em>Geschäftsführerin von «feines Kleines» Doris Kohler. Foto: Melanie Solloso

Hat den Aargau auf die Café-Surprise-Liste gebracht: Geschäftsführerin von «feines Kleines» Doris Kohler. Foto: Melanie Solloso

Lenzburg Das Café «feines Kleines» im Herzen der Altstadt bietet als erster Gastronomie-Betrieb im Aargau Café Surprise an. Der Gratiskaffee für Armutsbetroffene stösst bei den Lenzburgern auf grosse Solidarität.

Melanie Solloso

Das Café «feines Kleines» soll nach den Wünschen von Geschäftsführerin Doris Kohler eine Oase der Wärme sein, ein Ort zum Auftanken für jedermann. Auch für diejenigen, die sich eine Tasse Kaffee im Restaurant eigentlich nicht leisten könnten. «Jeder soll die Möglichkeit haben, hierher zu kommen», findet die Café-Betreiberin mit Reinacher Wurzeln.

Die Lenzburger sind mit Doris Kohler hier anscheinend einer Meinung. Denn gespendet wird oft und gerne. Seit die Aktion angelaufen ist im September, wurden bereits 42 Gratiskaffees spendiert. «Die Solidarität ist gross», freut sich Kohler. Die Spenden gehen in ein separates Portemonnaie. Eine für Gäste einsehbare Strichliste zeigt, wie viele Gratiskaffees vorhanden sind. Das Angebot wird genutzt. «Sechsmal wurde bis jetzt nach einem ‹Café Surprise› gefragt», sagt Kohler. Ein paarmal hat Doris Kohler von sich aus einen Gratiskaffee spendiert. «Man sieht nicht, ob jemand arm ist», so Kohler. «Wann es angebracht ist, entscheide ich aus dem Bauch heraus», sagt die Quereinsteigerin. Vor eineinhalb Jahren übernahm die ehemalige Kindergartenlehrperson das Café. Ein «eigenes kleines Lädeli» sei schon immer ein Traum von ihr gewesen. Hier im rund 55 Quadratmeter grossen Café mit 25 Sitzplätzen kommt sie mit Leuten in Kontakt und «kann ein bisschen etwas weitergeben». Den sozialen Gedanken spürt man im «feines Kleines». Es hat ein bisschen etwas von einem Mini-Gemeinschaftszentrum: Viele Leute kennen sich und auch kleine Kinder sind gern gesehene Gäste im Café.

«Das Angebot braucht es»

Die Idee, auch Randständigen einen Café-Besuch zu ermöglichen, wurde durch einen Kollegen an Doris Kohler herangetragen. Er machte sie auf die Aktion «Café Surprise» vom Strassenmagazin Surprise aufmerksam. Surprise ist eines von 110 Mitgliedern aus 35 Ländern im Internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen (INSP). Das Non-Profit-Unternehmen unterstützt seit 1998 sozial benachteiligte Menschen in der Schweiz mit verschiedenen Aktionen. Café Surprise wird derzeit von über 60 Gastronomie-Betrieben in verschiedenen Kantonen der Deutschschweiz angeboten. Mit «feines Kleines» ist der Aargau nun ebenfalls auf der Café-Surprise-Liste vertreten.

Doris Kohler gefiel die Idee der sozialen Aktion auf Anhieb. «Es passt ins Konzept von ‹feines Kleines›. Hier ist jeder willkommen.» Dass es das Angebot auch im Aargau braucht, davon ist die 45-Jährige, die sich in der Kirche engagiert, überzeugt. «Durch meine Kirchenarbeit sehe ich oft, dass viele kaum etwas haben.» Ob jemand armutsbetroffen ist, kontrolliert Doris Kohler nicht. «Wenn jemand einen Café Surprise bestellt und es sind gespendete Kaffees vorhanden, dann gibt es einen Gratiskaffee – ohne Nachfragen.» Sie hofft, dass sich in Zukunft noch mehr Armutsbetroffene getrauen, nach einem Café Surprise zu fragen.

Infos zu Café Surprise findet man unter www.surprise.ngo/cafesurprise.