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03.11.2021

Kurs für Rollstuhl-Fahrdienstler

Machen sich für den Rundkurs im neuen Elektrofahrzeug bereit: Bert Brantschen, Stefan Riess, Marcel Renold, Assistent Fahrtechnik Richard Oberle, Ausbildungsleiter Peter Koch und Roman Müller. Foto: Carolin Frei

Machen sich für den Rundkurs im neuen Elektrofahrzeug bereit: Bert Brantschen, Stefan Riess, Marcel Renold, Assistent Fahrtechnik Richard Oberle, Ausbildungsleiter Peter Koch und Roman Müller. Foto: Carolin Frei

Lenzburg Einmal im Jahr treffen sich die Fahrer vom Rollstuhl-Fahrdienst Region Lenzburg zur Weiterbildung. Theorie, Praxis und gemeinsamer Austausch stehen jeweils auf dem Programm.

Von: Carolin Frei

In Gruppen von vier Personen geniessen die ehrenamtlichen Fahrer eine Auffrischung des Theoriewissens und ein Update in Sachen technische Neuerungen. An fünf Tagen können so die dreissig Fahrer und die zwei Fahrerinnen wieder auf «den neuesten Stand» gebracht werden. «Aufgrund der Selbstreflexion können sie allfällige Defizite erkennen und durch entsprechendes Verhalten korrigieren», sagt Ausbildungsleiter Peter Koch, der seit 2013 in dieser Funktion beim Verein tätig ist.

Er ist zudem im Vorstand aktiv. «Dort kann ich etwas bewegen», sagt er. Unter anderem machte er sich für die Anschaffung von Elektroautos stark. «Vor drei Jahren war der Kauf eines solchen Gefährts noch ein grosses Thema», sagt Koch. Ende Oktober konnte nun das zweite Elektrofahrzeug mit den Kursteilnehmern eingeweiht werden.

Zweiter Kontrollblick fehlt häufig

Doch erst galt es, die Theoriefragen, die jeder Teilnehmer vorab lösen musste, zu klären. Die meisten Fragen wurden richtig beantwortet. Da und dort sorgten die Lösungen für Gesprächsstoff. Etwa das Vortrittsrecht bei verschiedensten Verkehrsteilnehmern oder der zweite Kontrollblick, der gemäss Peter Koch häufig vernachlässigt wird. Bei den meisten Kursteilnehmern ist die Fahrprüfung doch schon ein paar Jahre her.

Wer neu als Fahrer dazustösst, wird von Peter Koch eingehend geschult und bekommt einen Götti, der ihm zur Seite steht. Denn nebst einer soliden Fahrweise muss auch das richtige Sichern der Rollstuhlfahrgäste sitzen. Dass die vier Kursteilnehmer voller Motivation als Fahrer tätig sind, war unverkennbar. Man könne anderen Menschen etwas geben und bekomme Dankbarkeit und Wertschätzung zurück, war unisono zu hören.

Bevor es zum praktischen Teil ging, wurden den Kursteilnehmern das bewusste Benutzen des Freilaufs, der frühzeitige Einsatz der Schubabschaltung sowie ein gezieltes Nutzen der Fussbremse mit dem Verbrenner nahegelegt. Und sie wurden über die Funktion des E-Pedals aufgeklärt. Beim One Pedal Driving gibt es nur noch das E-Pedal, ein Gaspedal, welches das Fahrzeug automatisch abbremst, wenn der Fuss vom Pedal genommen wird. Auf diese Weise kann das Auto verlangsamt werden, bis es stehen bleibt. Der Elektromotor dient gleichzeitig als Generator, sobald der Fuss vom E-Pedal genommen wird, wandelt er Bewegungsenergie in elektrische Energie um. Selbstverständlich gibt es auch ein Bremspedal – für eine Vollbremsung.

Als letzte Übung gings auf einen Rundkurs, bei dem die richtige Handhabung des Elektroautos und des E-Pedals zum Zug kam. Das Dosieren von Beschleunigen und Bremsen nur über ein Pedal braucht etwas Routine. Doch die vier Kursteilnehmer haben die Fahrt mit Bravour bestanden. «Mitte November sind dann alle wieder auf dem neuesten Stand», sagt Koch.