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06.10.2021

Brunnhöhle bleibt erhalten

Eindrücklich und in gutem Zustand: André Kreis und Karlfred Nydegger vor den beiden historischen Stollen. Foto: Carolin Frei

Eindrücklich und in gutem Zustand: André Kreis und Karlfred Nydegger vor den beiden historischen Stollen. Foto: Carolin Frei

Schafisheim Bei Bauarbeiten an der Winkelgasse 22 und 24 stiess man auf zwei alte Quellstollen. Dank dem Bauherr Nydegger Immobilien bleiben sie der Nachwelt erhalten.

Von: Carolin Frei

Über diese alten Stollen wurde früher das Quellwasser zum Bauernhaus unterhalb der Winkelgasse, das längst abgebrochen wurde, geführt», sagt André Kreis, ehemaliger Vizeammann. «Beim Ausbau der Winkelstrasse wurden diese historischen Quellstollen im Strassenbereich vernichtet, was bedauerlich ist. Umso mehr freut es mich, dass das andere Teilstück – eine Sandsteinhöhle mit zwei Stollen – beim Bau der Terrassenhäuser erhalten blieb», betont Kreis und fügt an: «Im Dorf gibt es 27 Quellen und 43 Brunnen – der älteste ist von 1884.

Bei den Aushubarbeiten für die beiden Neubauten stiess der Baggerführer im März 2017 auf die teilweise verschüttete Sandsteinhöhle. Er informierte den Bauherrn und die Gemeinde. «Für mich war ganz klar, dass wir mit dieser Brunnhöhle etwas machen, sofern möglich», sagt Karlfred Nydegger von Nydegger Immobilien, Wohlen. Denn solche Überraschungen liebe er.

Zwei gut erhaltene Stollen

Mit Gummistiefeln gings ans Erforschen des Freigelegten. «Wir konnten gut 15 Meter in die Höhle hinein, knietief im Wasser, hatten aber keine Ahnung, wie lang sie wirklich ist. Ich war nervöser als bei meiner Hochzeit», sagt er lachend. Ein Geologe wurde zugezogen, der die Brunnhöhle einer Prüfung unterzog und die Substanz für stabil befand.

Ein Stollen ist rund 25 Meter lang, der andere – wohl ein Sondierstollen - misst acht Meter. Allerdings musste er erst noch mit einem entsprechenden Sauger vom Ausbruchmaterial befreit werden. Am Ende des Hauptstollens befindet sich ein Loch von 90 Millimeter Durchmesser, das nochmals rund fünf Meter lang ist - aber im Nichts endet.

Nydegger liess auch mit Kameras die Leitungszustände und das Innenleben der Höhle auf Film bannen. «Auf den Aufnahmen ist gut zu sehen, dass so weit keine Schäden vorhanden sind. Eine glückliche Fügung war zudem, dass der Liftschacht auf den Plänen für die Terrassenhäuser so eingezeichnet war, dass er auf den Zentimeter genau neben dem Höhleneingang zu liegen kam. Sonst wäre die Erhaltung der Brunnhöhle nicht möglich gewesen», sagt Nydegger.

Beim Entfernen des Ausbruchmaterials kamen alte Nägel zum Vorschein, an denen wohl Öllampen aufgehängt wurden. Sie dürften aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen. Man geht zudem davon aus, dass das Quellwasser damals von den Hugenotten für ihre Färbereien genutzt wurde.

Noch immer rinnt wenig Wasser aus der Quelle, das als Meteorwasser abgeführt wird. Das Restwasser fliesst in den Zierbrunnen beim Eingang der Terrassenhäuser. «Hätten wir in der Planungsphase von dieser Brunnhöhle gewusst, hätten wir auch eine Speisung mit Grauwasser eingeplant», sagt Nydegger.