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18.08.2021

Salzkorn: Herr Yokota

Beatrice Strässle

Beatrice Strässle

Von: Beatrice Strässle, Montabone/Provinz Asti

Herr Yokota kenne ich seit über 30 Jahren, es war Liebe auf den ersten Blick. Seitdem vergeht kein Tag, ohne dass ich an Herrn Yokota denke. Sie werden jetzt einwerfen: «Ja und was ist denn mit ‹meinem› Roberto?» Nun ja, er hat sich von Beginn unserer Partnerschaft an daran gewöhnen müssen, dass es auch noch den Herrn Yokota gibt und dass es daran nichts zu rütteln gibt.

Herr Yokota hat unsere Beziehung schon von Beginn an immer wieder auf die Probe gestellt. Wir waren uns in manchen Situationen überhaupt nicht einig. Und mit Sturheit war da nicht viel zu erreichen. Wenn es aber schiefging, dann trug er ohne zu murren die Konsequenzen. Wir wussten immer beide, dass wir uns von Herzen liebten. Anfänglich war ich der wichtigste Mensch in seinem Leben. Aber Sie wissen, das flacht manchmal mit den Jahren etwas ab. Das musste im Fall von Herrn Yokota so sein. Er trieb mich um, brachte mich fast um den Verstand, wenn er sich nicht wie gehofft bei mir meldete oder nach Hause kam. Er tat – bei manchmal unfairen Vorwürfen meinerseits – diese mit einem nonchalanten Lächeln ab, welches mich noch mehr auf die Palme brachte.

Nun, mit den Jahren ist das stetige Auf und Ab einem beständigen Hoch gewichen. Das hat meiner- wie seinerseits mit dem Alter zu tun. Unsere Beziehung fühlt sich so richtig gut an, vor allem ich blicke nun völlig entspannt in die Zukunft.

Warum das? Nun, Herr Yokota hat vor wenigen Monaten seine wunderbare Nana geheiratet. Aus meinem Sohn Christoph Strässle ist nun Christoph Yokota geworden. Sie blicken schon wieder fragend auf die Zeilen? Also, mein Sohn wohnt zurzeit in Japan und hat geheiratet, die Frau Yokota. Und Sie werden mit mir übereinstimmen, dass Strässle für Japaner ein Unding ist, was die Aussprache angeht. Das ist übrigens auch hier in Italien so, aber da nennen mich eh alle beim Vornamen.