Stadt Lenzburg
19.12.2018

150 Jahre Sophie Haemmerli-Marti

<em>Szenische Interpretation:</em> Mitglieder des Landschaftstheaters Lenzburg.

Szenische Interpretation: Mitglieder des Landschaftstheaters Lenzburg.

Gedenkjahr Mit einem Abschlussfest der Extraklasse in der Aula der Berufsschule Lenzburg endet das Jahr zum Gedenken der Mundartpatronin mindestens so emotional, wie es begann.

Stefanie Osswald (Text und Foto)

Mit ihrer interaktiven Theaterproduktion «Eine Begegnung» interpretieren Schauspieler des Landschaftstheaters Lenzburg unter der Regie von Karin Widmer Texte von Sophie Haemmerli-Marti und Frank Wedekind und bereichern die festlich-lyrische Rede des ehemaligen Stapferhausleiters Hans Ulrich Glarner mit szenischen Einschüben und musikalisch bewegten Interaktionen.

Und wieder: Alle Sitzplätze besetzt. Das Abschlussfest lockte rund 300 Besucher in den Panoramasaal der Berufsschule Lenzburg, der aus allen Nähten zu platzen drohte, wäre man diesmal nicht auf den Ansturm vorbereitet gewesen. Ein Übertragungssaal in der oberen Etage entspannt den räumlichen Engpass.

Während ihrer 60-minütigen Inszenierung verlassen die Schauspieler ihr Podest, mischen sich unter das Publikum und verwandeln den Hörsaal in eine raumgreifende Bühne, in deren Kosmos sie Sophie Haemmerli-Marti auf ihren Zeitgenossen Frank Wedekind treffen lassen.

Kosmopolit trifft Bauerntochter

Man schreibt das Jahr 1870 in Lenzburg und Othmarsingen. Eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs, des technischen Fortschritts und der Mobilität kündigt auch geistige Erneuerung an. Hier begegnen sich zwei hoch begabte junge Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, und dennoch verbindet sie in der Liebe zur Kunst und zur Sprache eine enge Freundschaft. Mit Sophie und Frank trifft Kosmopolit auf bürgerliches Mädchen vom Land.

Sophie wird zum Sinnbild für den Antitypus einer in engen Strukturen aufgewachsenen jungen Frau, die auszubrechen versucht aus den ihr auferlegten Konventionen und sich vom poetischen Sturmwind des Kosmopoliten Franklin lustvoll umwehen lässt, um schlussendlich doch ihren Platz in der Konvention zu finden. Freiheit durch Bildung könnte für Sophie zur Losung geworden sein. Und ohnehin ist in solchen Ausbruchsbewegungen auch immer eine saftige Portion Sozialromantik enthalten.

Wie Sophie Haemmerli-Marti brechen auch die Schauspieler des Landschafttheaters aus ihren Strukturen, die sich wiederum so sehr um Lebensnähe zu ihrem Publikum bemühen, indem sie sich spielerisch unter das Publikum mischen. Es entsteht ein neuer Raum, indem sich die zwei Welten des Zuschauers und der Akteure interaktiv aufeinander zu bewegen und sich im neuen kulturellen Kosmos auf Augenhöhe begegnen. «Mit dieser Analogie zu spielen, war uns auch in der Inszenierung ein Anliegen», betont die Regisseurin Karin Widmer.

Das Jubiläumsjahr mit all seinen sparten- und generationsübergreifenden Programmen stiess allseits auf überwältigendes Interesse, strahlen die Initiatoren der Jubiläumsreihe unter dem Label «Hundertfüfzg Johr Sophie Haemmerli-Marti», der Präsident der Stiftung Burghalde Urs F. Meier und Museumsleiterin Christine von Arx. Nicht selten rührten die Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen etliche Besucher zu Tränen.

Das ist emotional: Es seien ihre feinsinnigen Betrachtungen für das Innerste im Menschen, die berühren. Bei Sophie stehe der Mensch im Fokus mit allen seinen Stärken, Schwächen, Träumen und Empfindungen. Das mache ihr Werk zeitlos und wecke ein Gefühl des Verstandenseins und Immerwährenden. Ein Stück Heimat.