Stadt Lenzburg
05.12.2018

Karikiert Monumentales aus Papier

<em>Gastkünstlerin:</em> Simone Holliger mit Werk im Kunsthaus Aarau. Foto: Claudio Thoma

Gastkünstlerin: Simone Holliger mit Werk im Kunsthaus Aarau. Foto: Claudio Thoma

Kunst Als Gastkünstlerin zeigt die in Lenzburg aufgewachsene Simone Holliger an der Jahresausstellung «Auswahl 18» im Aargauer Kunsthaus in Aarau monumentale Skulpturen aus Papier.

Stefanie Osswald

Monumental, extravagant, massiv und voll farbenfroher Strahlkraft tummeln sich die gigantischen Papierskulpturen der erst 32-jährigen Künstlerin Simone Holliger im für sie viel zu klein bemessenen Ausstellungsraum im ersten Stock des Aargauer Kunsthauses, kreieren durch ihre Anwesenheit eine abstrakte Landschaft, durch die es sich einen Weg zu bahnen gilt, und lassen dabei fast vergessen, dass es sich hierbei um einen musealen Ausstellungsraum und nicht um eine Theaterbühne handelt.

Und trotz ihrer gewaltigen Erscheinung wird bei genauerer Betrachtung schnell klar: Holligers Skulpturen sind vergänglich, ihre Lebenszeit ist absehbar, ihr Zustand fragil, ihre Strahlkraft beschränkt. Das alles erinnert an ein Menschleben. Dabei karikieren sie auf raffinierte Weise das Monumentale, das Beständige. Unter Holligers Hand wird Papier zum scheinbar gewichtigen Bedeutungsträger, ohne dabei an Leichtigkeit einzubüssen.

Die Papierskulpturen ergeben sich aus Zeichnungen, denen die Künstlerin zusätzliche Fläche angeleimt hat und sie somit ins Räumliche erweitert. In ihren Zeichnungen abstrahiert Holliger ihre Motive und transformiert sie in weiteren Schritten zu dreidimensional anthropomorphen Figuren.

«Nichts für die Ewigkeit»

Holliger nutzt Papier als vielschichtiges Baumaterial und schafft in ihren Arbeiten skulpturale Charaktere auf Zeit, die konzipiert sind auf konkrete Ausstellungssituationen. Sie baut die Skulpturen teilweise noch im Ausstellungsraum. Zu klein wäre ihr Atelier in Genf, um solch gewaltige Gestalten zu schaffen. «Zudem wären sie auch viel zu zerbrechlich für einen Transport», bestätigt Holliger. «Meine Objekte sind nichts für die Ewigkeit. Die grossen Objekte nehme ich nach der Ausstellung wieder auseinander und verwende das Material für neue Arbeiten. Das ist wie ein sich organisch ergebendes Recyclingsystem», schmunzelt die zierliche junge Frau, auf die das Vergängliche einen besonderen Reiz ausübt. «Da ist etwas, das temporär viel Raum einnimmt, etwas ausstrahlt, um dann einfach wieder zu verschwinden. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, in Aarau ausstellen zu dürfen, da mich viel mit der Region verbindet.»

Simone Holliger wurde 1986 in Aarau geboren, ist in Lenzburg aufgewachsen, ging in Aarau auf die Kantonsschule und studierte bildende Kunst in Luzern. Sie lebt und arbeitet in Genf.

Auch die Lenzburger Künstler Valérie Balmer, Stefan Gritsch, Barbara Müller, Dominic Neuwirth und Arlette Ochsner sind mit ihren neusten Werken bei der «Auswahl 18» dabei. Die Ausstellung im Kunsthaus in Aarau ist bis 6. Januar zu sehen.