Lenzburger Bezirks-Anzeiger Internet
14.03.2018

Rückbau AKW – ein Generationenprojekt

Energie-Apéro in Lenzburg: Gian von Planta, SWL Energie AG, begrüsst die Referenten Philipp Hänggi und Markus Fritschi. Foto: zvg

Energie-Apéro in Lenzburg: Gian von Planta, SWL Energie AG, begrüsst die Referenten Philipp Hänggi und Markus Fritschi. Foto: zvg

Das Thema «Rückbau AKW – ein Grossprojekt» lockte über 170 Gäste an den letzten Energie-Apéro Aargau der Saison 2017/18 in den Alten Gemeindesaal nach Lenzburg.

Brunhilde Mauthe

Die beiden Referenten von der BKW AG und der Nagra zeigten auf, welches die Herausforderungen beim Rückbau eines AKW sind und wo die Schweiz bezüglich der nuklearen Entsorgung heute steht.

Gian von Planta, Leiter Anlagen und Netze SWL Energie AG, freute sich, die zahlreich erschienenen Gäste und die beiden Referenten begrüssen zu dürfen. Der erste Referent, Philipp Hänggi, Leiter Nuklear und Kohle von der BKW Energie AG, erklärte das Vorgehen und die Herausforderungen beim Rückbau eines AKW am Beispiel Mühleberg.

Schon 2013 hatte sich die BKW entschieden, per 2019 das AKW abzustellen. Für die Schweiz ein Pionierprojekt; die Planung dazu ein Grossprojekt, welches sich über die nächsten 15 Jahre hinziehen wird. Es beginnt mit der Stilllegungsverfügung, bevor es mit der Vorbereitung des Rückbaus ab Ende 2019 losgehen kann. Es folgt von 2020 bis 2024 die Entfernung der alten Brennelemente, welche ins Zwischenlager in Würenlingen gelangen, bevor das restliche radioaktive Material im AKW-Gebäude bis 2031 entfernt wird.

Erst dann, nach einer weiteren Rückbau- und Umweltverträglichkeitsprüfung, kann die äussere Gebäudehülle entfernt und die weitere Nutzung des Standorts definiert werden. 200000 Tonnen Abfallmaterial und Kosten von über einer Milliarde Franken fallen dabei an. Eindrückliche Zahlen für ein eindrückliches Projekt, bei welchem die Sicherheit immer an oberster Stelle steht.

Wie und wo entsorgen?

Ebenso eindrücklich waren die Zahlen von Markus Fritschi, Geschäftsleitungsmitglied der Nagra, der den Stand der nuklearen Entsorgung in der Schweiz aufzeigte und erklärte wie mögliche Standorte geologischer Tiefenlager bestimmt werden; auch hier immer unter dem Aspekt maximaler Sicherheit für alle. Fritschi ging dazu 180 Millionen Jahre zurück, als er die Eigenschaften der «Opalinustonschicht» beschrieb, die als die beste geologische Aufbewahrungsschicht für radioaktives Material gilt.

Er betonte, dass das «Wie» entsorgt werden soll heute geklärt sei. Die Frage, die in der derzeitigen Etappe der Arbeiten zur Diskussion stehe, sei das «Wo». Drei Standorte sind in den letzten Jahren eruiert worden, wo weitere Untersuchungen – Seismik, Sondierbohrungen und Oberflächenprüfungen – vorgenommen werden. Die Planung, die bezüglich der Entsorgung ansteht, mit Bewilligungs- und Prüfverfahren bis zur Betriebsbewilligung, ist ein Generationen-, ja ein Jahrhundertprojekt. Das heisst, was heute entschieden wird, muss auch künftig sicher sein.

Fritschi schloss mit den Worten, dass wir Verantwortung übernehmen müssen für unser Tun, aber auch für unser «Nicht-Tun». Das heisst, wir dürfen diesen Standortentscheid nicht ewig hinausschieben.

Es gab viele Fragen im Anschluss an die Referate, welche auch beim Apéro weitergeführt wurden. Informationen zu den Energie-Apéros gibt es auf www.energieaperos-ag.ch.