Stadt Lenzburg
08.11.2017

Irma Hediger – ein Leben in Bildern

«Malen heisst leben»: Die Kunstmalerin Irma Hediger an der Vernissage ihrer Ausstellung «Rückblick» in Lenzburg. Foto: Palma Fiacco

«Malen heisst leben»: Die Kunstmalerin Irma Hediger an der Vernissage ihrer Ausstellung «Rückblick» in Lenzburg. Foto: Palma Fiacco

Die retrospektive Ausstellung «Rückblick» zeigt Werke der Lenzburger Künstlerin Irma Hediger – Dokumente eines bewegten Lebens.

Stefanie Osswald

Irma Hediger ist 81 Jahre alt, und wer am Tag der Eröffnung ihrer Ausstellung «Rückblick» am vergangenen Sonntag erwartet hatte, auf eine Greisin zu treffen, mag die anwesende Künstlerin glatt übersehen haben.

Charismatisch, schillernd bunt und durch und durch bewegt unterstreicht ihre physische Präsenz das, was in der Ausstellung zu sehen war. Hinter einer grossen Glasfront zieren auf zwei Etagen Artefakte verschiedenster Schaffens- und Lebensphasen die Wände des ehemaligen Ladenlokals Kliem.

Mit rund 46 Exponaten, darunter Skizzen, Ölbilder sowie Aquarelle, zeigt die Retrospektive einen kleinen Ausschnitt ihres beinahe 40-jährigen Schaffens und gibt Einblicke in die Erfahrungs- und Lebenswelten einer Künstlerin, die sich mit wachen Augen und feinsinnigem Gespür ihrer Umgebung zuwendet und sich zugleich die Themen Veränderung, Bewegung auf die Leinwand geschrieben hat.

Irma Hediger wurde 1936, drei Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, in Seengen nah am Hallwilersee geboren. Aufgewachsen im Seetal, entwickelte sie früh einen feinen, gar analytischen Blick für Menschen, ihre Umgebung, deren Veränderung und nicht zuletzt die Liebe zur Natur, die sie in ihrer Kunst auszudrücken suchte.

Für die Kunst, insbesondere die Malerei, konnte Hediger sich schon immer begeistern. Als Ehefrau eines italienischen Künstlers, Mutter zweier Töchter und Erzieherin blieb jedoch wenig Zeit, in die Tiefe zu gehen. Ein bisschen Kunst machen. Das kam für Hediger nie infrage.

Vielseitige Weiterbildung

Den entscheidenden Beginn ihrer Laufbahn verzeichnete Hediger im Jahr 1980, als sie sich entschied, als freischaffende Künstlerin zu wirken. Es folgten zahlreiche Weiterbildungen bei namhaften Künstlern im In- und Ausland. Intensive Studien zur Aquarelltechnik und Aktmalerei verhalfen ihr als Autodidaktin zu stilistisch sowie technischer Versiertheit im Umgang mit Farben und Material.

Als Mitglied verschiedener Künstlervereinigungen umgibt sich Hediger fortan stets mit ihresgleichen und intensiviert ihre künstlerischen Vorstellungen und Impulse.

Immer auf der Suche nach Bewegung, den Menschen und ihren Geschichten, führte sie ihr Weg nach Venedig, Ghana, Spanien und auf die Insel Elba. Die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe Prodega Zürich ermöglichte ihr Ende der 1980er-Jahre den Einzug in ein eigenes Atelier an der Rue de la Goutte d’Or in Paris.

Seit 2004 lebt und arbeitet Hediger mit ihren Bildern in der Sandgasse nahe des Stadtkerns in Lenzburg.

Bekannt geworden durch ihre stets wechselnden Schaufenster in der Sandgasse, die Werkphase über Peter Mieg und ihre Dokumentarserie über die Entstehung der Stadtmauer und die Neubauten, hat Hediger sich längst zu einer Lenzburger Institution in Sachen Kunst mit Anspruch gemausert.

Ihre Arbeiten stehen für bildhafte Übertragungen des Vergänglichen und sind Ausdruck vielsinniger Beobachtungsgabe. Sie erzählen Geschichten, die es fortzuspinnen gilt. Ob in Stillleben, Zeichenskizzen des venezianischen Karnevals, Porträts oder Abbildungen floraler Arrangements.

Hediger bewegt sich in ihren Arbeiten stets auf der Metaebene des Momentes. In allen ihren Bildern offenbart sich die Tiefe ihres Gemüts. Mit Neugier, lebhafter Fantasie, einladender Freundlichkeit und zugleich wunderbar distanziert begegnet die Künstlerin ihren Motiven.

«Meine Bilder male ich nie aus momentaner Inspiration, in einem Rausch, vor intensiven realen Objekten. Sie durchlaufen Stufen eines Prozesses, der für mich selbst nie vorhersehbar ist. Ein Bild ist dann gelungen, wenn es Raum einnimmt, sich bewegt, Geschichten erzählt», beschreibt die Künstlerin und ergänzt: «Malen heisst leben.»

Die Ausstellung «Rückblick» ist die dokumentarische Werkschau einer Weltenbummlerin, einer Geschichten-Sammlerin mit analytischer Beobachtungsgabe, die einlädt auf eine Reise durch ein bewegtes Leben.