Seetal-Lindenberg
19.12.2018

Bräuche zur dunkelsten Jahreszeit

<em>Bärzeli: </em>Die Bärzelifiguren machen jeweils am 2. Januar Hallwil unsicher; wer ihnen zu nahe kommt, wird gepackt. Foto: Andreas Walker<em>Chlausjagen Hallwil:</em> Der Root mit feurigem Gewand und einer dämonischen Maske führt die Chlaushorde an. Foto: Andreas Walker

Bärzeli: Die Bärzelifiguren machen jeweils am 2. Januar Hallwil unsicher; wer ihnen zu nahe kommt, wird gepackt. Foto: Andreas Walker

Chlausjagen Hallwil: Der Root mit feurigem Gewand und einer dämonischen Maske führt die Chlaushorde an. Foto: Andreas Walker

Hallwil Um die Zeit der Wintersonnenwende werden in Hallwil jeweils verschiedene Mittwinterbräuche begangen, deren Ursprung weit zurückliegt.

Andreas Walker

In früheren Kulturen war die Natur der Lebensmittelpunkt der Menschen, da sie von ihr abhängig waren. Deshalb stellte die Wintersonnenwende (dieses Jahr am 21. Dezember) einen sehr wichtigen Zeitpunkt im Jahr dar, der entsprechend gefeiert wurde. Auch in Hallwil werden zur dunkelsten Jahreszeit viele Mittwinterbräuche begangen.

Hallwiler Chlausjagen

Jeweils am zweiten Donnerstag im Dezember findet das Hallwiler Chlausjagen statt. Die Chlausgesellschaft besteht aus sechs 14- und 15-jährigen Burschen, wobei der Älteste die Chlaushorde anführt. Von weitem sind die Chläuse durch ihre Schellen und den Klang des Hornes hörbar.

Lärmend ziehen sie von Haus zu Haus, mit dem Ziel, von den Bewohnern einen kleinen Obolus zu erhalten. Die Chläuse jagen den Leuten nach und schwingen dabei ihre Pferdeschwänze.

An diesem Abend treffen sich die Chlausklöpfer noch einmal vor dem «Schützen-Stübli» in Hallwil, um ein letztes Mal die Geisseln zu schwingen. Nach altem Volksglauben diente das Knallen der Geisseln dazu, Tote und Dämonen zu vertreiben, welche zur Zeit der winterlichen Sonnenwende jeweils sehr gefürchtet waren.

Wiehnechts-Chendli und Silvester- trösche

An Heiligabend und Weihnachten zieht in Hallwil das Wiehnechts-Chendli durchs Dorf. Bei diesem Brauch ziehen sieben 12- bis 14-jährige Mädchen von Haus zu Haus, wobei das in weisse Schleier gehüllte Wiehnechts-Chendli dem Brauch den Namen gibt. Die Mädchen bringen selbstgemachtes Weihnachtsgebäck in die Hallwiler Haushaltungen und singen dabei ihr eingeübtes Hirtenlied vor.

Die letzte Nacht des Jahres wird von den Einwohnern von Hallwil beim grossen Silvesterfeuer auf dem Bruderhübel beim Silvestertrösche verbracht. Neben einem grossen Feuer dreschen etwa zehn Männer auf einem grossen Brett das alte Jahr aus und das neue Jahr ein. Dabei wärmen sich die Hallwiler am Feuer auf und wünschen sich gegenseitig bei Mehlsuppe und Punsch «es guets Nöis».

Bärzeli am zweiten Neujahrstag

Am 2. Januar herrscht jeweils in Hallwil ein wildes Treiben der Bärzeli. Urchige Naturgestalten umarmen die Leute zum Neujahrsgruss, was Glück bringen soll. Die Bärzeli bestehen aus 15 erwachsenen, ledigen Burschen aus dem Dorf und tragen eine Maske, die ihr Wesen charakterisiert, sowie Lärm- oder Schlaginstrumente – «Räre» (Rätschen) oder Söiblootere – bei sich. Wehe, ihnen kommt jemand zu nahe, dann wird er gepackt und umarmt oder mit Wasser nass gespritzt.

Der Brauch der Bärzeli ist uralt und in dieser Form nur noch in Hallwil anzutreffen. Er sollte nach altem Volksglauben erreichen, dass das kommende Jahr fruchtbar wird.

All diese Bräuche reichen weit zurück und haben mit germanischen Traditionen zu tun. So begingen unsere germanischen Vorfahren die Wintersonnenwendfeier mit einem Feuer, um an die Wiederkehr des Lichtes und des Frühjahrs zu erinnern. Zudem sollte das Licht des Feuers das Böse vertreiben, denn nach altem Volksglauben suchten während der längsten Nächte des Jahres die Seelen der Toten die Lebenden heim.